Projekt Remswelle
Fragen und Einwände
Eine Welle im Fluss wirft Fragen auf. Das ist richtig so. Hier die häufigsten – und der Stand, den wir heute geben können. Wo wir es noch nicht wissen, sagen wir das.
Verschlechtert die Welle den Hochwasserschutz?
Das darf sie nicht, und das wird die Genehmigungsbehörde auch nicht zulassen. Moderne Flusswellen wie in Nürnberg oder Hannover arbeiten mit verstellbaren Rampen, die bei steigendem Pegel aus dem Wasser gefahren werden; der Abflussquerschnitt bleibt dann so, wie er heute ist. Für die Rems ist der Nachweis Teil der Machbarkeitsprüfung und später des wasserrechtlichen Verfahrens. Dazu kommt: Das Wehr in Winterbach ist selbst ein Hochwasserschutzbauwerk – das Durchlassbauwerk des Hochwasserrückhaltebeckens Schorndorf/Winterbach des Wasserverbands Rems; die Brücke Ostlandstraße ist der Damm, an dem bei Hochwasser die Tore geschlossen werden. Deshalb ist der Verband für uns der erste Gesprächspartner: Die Schutzfunktion ist Bedingung für alles Weitere. → Hochwasserschutz an der Rems
Was ist mit den Fischen?
Die Wasserrahmenrichtlinie verlangt, dass Fische ein Wehr passieren können. In Nürnberg wurde die Welle deshalb mit einer Fischtreppe gebaut. Wie sich ein Umbau des Remswehrs auf Fische und Gewässerökologie auswirkt, wird die ökologische Bewertung im Verfahren klären – mit Fachleuten, nicht mit Vermutungen. Die Durchgängigkeit für Fische ist für uns Bedingung, nicht Verhandlungsmasse: Eine Anlage muss passierbar bleiben – etwa absenkbar wie in Pforzheim oder mit einer Umgehung wie in Nürnberg. Wie das am Remswehr gelingt, klärt die Machbarkeitsprüfung mit den Fachleuten. Der Fischereiberechtigte gehört für uns zu den ersten Gesprächspartnern.
Reicht das Wasser der Rems überhaupt?
Nicht an jedem Tag. Die natürliche Strömung reicht für eine Welle meist nicht; sie muss durch Anstau, Verengung oder eine Rampe erzeugt werden. Die entscheidende Zahl ist, an wie vielen Tagen im Jahr genug Wasser fließt. Das rechnet die Machbarkeitsprüfung aus. Andere Wellen zeigen, dass auch kleinere Flüsse funktionieren: Die Fuchslochwelle in Nürnberg liegt an der Pegnitz, die blackforestwave in Pforzheim an der Nagold. → So entsteht die Welle
Ist das Wasser sauber genug?
Das ist die Frage, an der die Neckarwelle in Stuttgart 2019 gescheitert ist – an Keimwerten, die das Landesgesundheitsamt über eine Saison gemessen hatte. Für die Rems gibt es solche Messwerte nicht; sie ist kein ausgewiesenes Badegewässer. Was es gibt, ist die Bewertung nach Wasserrahmenrichtlinie: Die organische Belastung im Abschnitt Winterbach ist „gut“, und die Rems ist ein kleiner Fluss ohne Großstadt oberhalb. Das ist ein Grund für Zuversicht, kein Beleg. Uns ist bewusst, dass die Wasserqualität ein entscheidender Faktor ist, und wir werden die entsprechenden Nachweise führen – nach dem Muster der Badegewässerrichtlinie und abgestimmt mit dem Gesundheitsamt. → Wasserqualität der Rems
Will das überhaupt jemand?
Die Nachfrage an den bestehenden Wellen übersteigt das Angebot. Die Nürnberger Dauerwelle hat rund 500 Mitglieder, die an sieben Tagen der Woche surfen, und schreibt ihre nächsten Kurse für Frühjahr 2027 aus; die Leinewelle in Hannover zählte im ersten Betriebsjahr über 400 Mitglieder und mehr als 2.400 Surfstunden; in Pforzheim, der einzigen Welle in Baden-Württemberg, wuchs der Verein von 175 Mitgliedern zur Eröffnung auf über 200; in Thun hat der Verein über 400 Mitglieder. Bei der Deutschen Meisterschaft im Rapid Surfing bei den Finals 2026 in Hannover kamen 9.000 bis 10.000 Zuschauer pro Tag, so viele wie nie bei einem Surf-Ereignis in Deutschland. Und die Region Stuttgart hat 2,8 Millionen Einwohner und keine einzige Flusswelle. → Träger und Betrieb
Was haben Kinder und Jugendliche davon?
Einen Sport, den viele von sich aus attraktiv finden – draußen, am Wasser, mit Gleichaltrigen. Surfen gehört wie Skateboarding zu den jugendlichen Bewegungskulturen, und nur etwa jedes vierte Kind in Deutschland bewegt sich so viel, wie die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt. Eine Welle vor der Haustür macht Surfen ohne Fernreise erreichbar. Wir behaupten nicht, dass eine Welle Jugendprobleme löst oder eine Therapie ersetzt; erste Studien zu Surfprogrammen sind ermutigend, aber klein. → Kinder und Jugendliche · → Was die Forschung sagt
Wird es laut? Wo parken die Leute?
Eine Flusswelle rauscht – etwa so wie Wasser an einer Stromschnelle. Besucher kommen, das ist ja das Ziel. Winterbach hat einen S-Bahn-Anschluss und den Remstal-Radweg; ein Betriebskonzept mit festen Surfzeiten, wie es Nürnberg und Hannover praktizieren, hält den Betrieb planbar. Unmittelbar an das Bauwerk grenzen keine Wohngebäude. Welche Geräusche durch Wasser, Betrieb und Besucher entstehen und wie sie zu bewerten sind, muss ein Betriebskonzept berücksichtigen.
Was kostet das, und wer zahlt?
Ehrlich: Das wissen wir noch nicht. Zur Einordnung: Die Fuchslochwelle in Nürnberg hat rund 3 Millionen Euro gekostet, die Hälfte trug der Freistaat Bayern; in Wolfratshausen wurde 2017 mit rund 360.000 Euro geplant, davon 200.000 Euro EU-Förderung. Für Winterbach hängt die Summe von der Variante ab. Mehrere kostenintensive Elemente – das Bauwerk, befestigte Ufer, der Zugang – sind bereits vorhanden; wie stark das die Gesamtkosten senkt, muss die Planung zeigen. Wie die Finanzierung aussehen kann, klären wir, sobald die Machbarkeit steht. Ein möglicher Weg ist das Tourismusinfrastrukturprogramm des Landes, das öffentliche Freizeitinfrastruktur mit bis zu 30 Prozent fördert – Antragstellerin wäre die Gemeinde. → Was eine Flusswelle kostet
Warum soll öffentliches Geld in Surfen fließen?
Heute geht es noch nicht darum, öffentliches Geld für den Bau einer Welle auszugeben, sondern darum, belastbar zu untersuchen, was technisch, ökologisch und wirtschaftlich möglich wäre. Dafür gibt es gute Gründe.
Stehende Wellen sind inzwischen eine eigene Sportinfrastruktur für Breiten-, Nachwuchs- und Wettkampfsport. Rapid Surfing hat seit 2019 Deutsche Meisterschaften des Deutschen Wellenreitverbands, heute mit Juniorenklassen, seit 2026 einen Nationalkader und eine Europameisterschaft; 2026 war die Meisterschaft an der Leinewelle in Hannover Teil der „Finals“ mit Übertragung in ZDF und Sportschau. In der Region Stuttgart gibt es dafür keinen einzigen Trainingsort. Kanuslalomstrecken, Sprungschanzen und Sporthallen werden mit derselben Begründung gebaut. Zur Einordnung: Olympisch ist das Wellenreiten im Meer (seit 2021) – dafür bleibt Training im Meer unverzichtbar. Stehende Wellen sind die Sportstätten, die das Binnenland für diesen Sport haben kann: für Technik, Nachwuchs und die eigene Wettkampfdisziplin Rapid Surfing. Eine Welle in Winterbach wäre kein Stützpunkt, aber eine Sportstätte für Breitensport, Nachwuchs und Wettkämpfe auf Landesebene. Für Wettkämpfe hat eine gebaute Welle einen Vorzug, den der Verband selbst hervorhebt: Sie bietet allen Startern exakt dieselben Bedingungen – kein Warten auf das richtige Set wie im Meer, kein Zufall wie der Wind beim Skispringen. Mit einer verstellbaren Anlage ließe sich die Welle innerhalb des surfbaren Abflussbereichs über eine ganze Wettkampfrunde gleich halten. → Rapid Surfing
Und weil wertvolle Infrastruktur bereits vorhanden ist. Das Remswehr ist das Durchlassbauwerk des Hochwasserrückhaltebeckens Schorndorf/Winterbach, das der Wasserverband Rems 2005 für rund 14,3 Millionen Euro fertiggestellt hat – finanziert von den Kommunen des Remstals und dem Land, also von allen. An fast allen Tagen des Jahres ist das Becken leer, die Tore stehen offen und die Rems fließt eben hindurch. Wenn sich ein öffentliches Bauwerk ohne Beeinträchtigung seiner Hauptaufgabe sinnvoll mehrfach nutzen lässt, entsteht zusätzlicher Nutzen für die Allgemeinheit – und wer es bezahlt hat, sollte mitreden können, wofür es zusätzlich genutzt wird. Ob und zu welchen Kosten das hier geht, soll die Machbarkeitsprüfung klären. Zur Gartenschau 2019 hat sich das Remstal sechzehn Landmarken geleistet, Winterbach den Monopteros „für Aussicht und Einsicht, für Träumer und Sterngucker – und für die Schönheit“. Wir finden: Auch ein Ort für Bewegung und Freude ist eine Landmarke wert. → Was eine Flusswelle kostet
Ist Flusssurfen gefährlich?
Fließendes Wasser ist nie harmlos. Professionell geplante Flusswellen brauchen deshalb einen hindernisfreien Auslauf, sichere Ein- und Ausstiege, klare Betriebsgrenzen und verbindliche Regeln – Helm, Aufsicht, feste Surfzeiten. Wie diese Voraussetzungen in Winterbach geschaffen werden können, ist Teil der Planung. An Wellen wie Nürnberg oder Pforzheim lernen Anfänger in Kursen. Warum die Leash im Fluss die entscheidende Sicherheitsfrage ist, steht im Wissensbereich. Wer die Welle trägt, wie Aufsicht, Versicherung und Slots geregelt werden, steht im Wissensbereich. → Leash und Sicherheit · → Träger und Betrieb
Wer steht dahinter?
Eine Bürgerinitiative aus Winterbach, keine Firma, kein Investor. → Über uns
Ich habe eine Frage, die hier nicht steht.
Schreib uns: info@remswelle.de. Gute Fragen nehmen wir hier auf.