Rems und Winterbach · Fluss, Wasser, Natur und Geschichte
Schwammlandschaft Winterbach
„Schwammstadt“ heißt das Leitbild, mit dem Städte sich auf Starkregen, Hitze und Trockenheit einstellen: Regen nicht so schnell wie möglich in den Kanal leiten, sondern zurückhalten, versickern lassen, verdunsten lassen und erst den Rest verzögert abgeben. Das Umweltbundesamt beschreibt es als Dachkonzept der Klimaanpassung. Winterbach ist keine Stadt, und das Wasser, das den Ort erreicht, fällt zum größten Teil nicht auf Dächer, sondern auf Schurwald und Hungerberg. Deshalb reden wir lieber von der Schwammlandschaft: Der Schwamm beginnt oben am Hang, nicht erst am Regenfallrohr. Wo das Wasser in Winterbach fällt und wohin es fließt, steht auf Wasser in Winterbach; hier geht es darum, wo es bleiben kann – und um einen verbreiteten Irrtum.
Was ein Regen wiegt
Zahlen helfen, die Größenordnung zu begreifen. Ein Millimeter Regen ist ein Liter auf dem Quadratmeter. Ein Gewitter mit 30 Millimetern bringt auf einen Quadratkilometer 30 Millionen Liter – 30.000 Kubikmeter – grob 25- bis 30-mal so viel, wie ins Becken des Winterbacher Freibads passt. (Unsere Schätzung: rund 560 Quadratmeter Wasserfläche, von knietief bis zur Sprungtiefe unter dem Drei-Meter-Brett, im Mittel etwa zwei Meter tief – also rund 1.000 bis 1.200 Kubikmeter.) Der Starkregen vom 19. Juli 2025 mit rund 40 Litern je Quadratmeter legte auf das Einzugsgebiet des Lehenbachs allein (7,1 Quadratkilometer) etwa 280.000 Kubikmeter – mehr als die Hälfte dessen, was der Lehenbachstausee zurückhalten kann. Auf ein Hausdach von 100 Quadratmetern fallen bei demselben Regen 4.000 Liter.
Wie hoch steht das Wasser? Ein Liter ist ein Würfel von zehn Zentimetern Kantenlänge. Verteilt man ihn auf einen Quadratmeter, steht er einen Millimeter hoch. 100 Liter je Quadratmeter bedeuten deshalb: Würde nichts abfließen, nichts versickern und nichts verdunsten, stünde das Wasser auf jedem Quadratmeter zehn Zentimeter hoch – nach dem Gewitter vom Juli 2025 mit rund 40 Litern also vier Zentimeter, überall, auf Wiese, Dach und Straße.
Entscheidend ist die Zeit. Dieselbe Menge kann harmlos oder gefährlich sein. 100 Liter je Quadratmeter fallen in Winterbach in einem nassen Monat ohne jede Not; fallen sie in einer Stunde, ist das ein Unwetter der höchsten Stufe. Der Deutsche Wetterdienst warnt vor Starkregen ab 15 Litern je Quadratmeter in einer Stunde oder 20 Litern in sechs Stunden; als Unwetter („heftiger Starkregen“) gelten mehr als 25 Liter in einer Stunde, als extremes Unwetter mehr als 40 Liter in einer Stunde oder 60 Liter in sechs Stunden. Für länger anhaltenden Regen gelten eigene Schwellen: Dauerregen beginnt bei 30 Litern in 24 Stunden, extrem ergiebiger Dauerregen bei mehr als 80.
Regenrechner: Wie viel Wasser ist das?
Warnstufen: Deutscher Wetterdienst, Warnkriterien für Starkregen (1 und 6 Stunden) und Dauerregen (12 bis 72 Stunden).
Diese Mengen kann keine Technik auffangen. Was sie auffängt, ist die Landschaft: der Boden, der das Wasser aufnimmt, die Vegetation, die es bremst und verdunstet, die Aue, in die der Fluss ausweichen darf.
Wo Wasser bleibt: Wald, Wiese, Streuobst, Aue
Der Hang ist der erste Schwamm. Wald bremst den Regen in den Kronen und verdunstet rund zwei Drittel des Jahresniederschlags wieder; eine Wiese mit dichter Wurzelfilz und humusreichem Oberboden nimmt den Regen eines Gewitters auf, wenn ihr Boden nicht ausgetrocknet und verdichtet ist; Streuobstwiesen vereinen beides. Welcher der beiden der bessere Schwamm ist, hängt von der Frage ab, die man stellt – Einzelereignis auf trockenem Boden oder Jahresbilanz –, und wir wollen es am Hungerberg nachmessen. → Wald oder Wiese?
Die Aue ist der zweite Schwamm. Unterhalb des Orts hat die Rems seit der Renaturierung 2018 wieder Platz; im Juni 2024 ließ das Landratsamt diese Flächen gezielt fluten, um das Rückhaltebecken zu entlasten. Jede Fläche in der Aue, die frei bleibt, ist Speicher. → Renaturierung in Winterbach
Der Ort ist der dritte Schwamm, und der kleinste: Gärten, Bäume, unversiegelte Höfe und Mulden halten den Regen zurück, der auf Dächer und Straßen fällt. Hier setzt die klassische Schwammstadt an – und hier beginnt das Missverständnis.
Das Winterbacher Zisternen-Paradox
Man baut eine Zisterne, um vorzubeugen – damit bei Starkregen weniger Wasser in Kanal und Bach schießt. Gemeinden fördern sie aus demselben Grund, Bebauungspläne schreiben sie vor. Und doch hilft sie genau dann oft nicht, wenn es darauf ankommt. Wir nennen das das Winterbacher Zisternen-Paradox: Beobachtet wird der Effekt auch anderswo, mit der Pegelreihe der Rems seit 1931 zeigen wir ihn hier für Winterbach.
Die Zisterne gilt als Sinnbild der Schwammstadt: Regen vom Dach sammeln, im Sommer den Garten gießen, bei Starkregen den Kanal entlasten. Das Erste stimmt, das Zweite auch. Das Dritte stimmt nur, wenn die Zisterne im Moment des Regens Platz hat. Eine volle Zisterne hält keinen Tropfen zurück.
Wann ist sie voll? Immer dann, wenn vorher schon Regen gefallen ist und niemand Wasser entnommen hat – also im Winter und im Frühjahr, wenn nicht gegossen wird, und nach jeder nassen Woche. Wann kommt das Hochwasser? Wir haben die 95 Jahre Pegeldaten der Rems in Schorndorf daraufhin ausgewertet.
Die Jahreszeit. Von 94 Jahreshöchstabflüssen zwischen 1931 und 2026 (Jahre mit Messlücken ausgenommen) fallen 69 in die Monate November bis März, 12 in den Juni und nur 5 in die Monate Juli bis September. Von den 26 Jahresmaxima über 80 Kubikmeter in der Sekunde liegen 20 in den Monaten Dezember bis März, eines im Oktober, nur fünf im Sommerhalbjahr. Rems-Hochwasser ist ein Winter- und Frühjahrsereignis – genau die Zeit, in der jede Gartenzisterne randvoll steht.
So lesen Sie die Grafik: Für jedes Jahr seit 1931 haben wir den einen Tag herausgesucht, an dem die Rems in Schorndorf am meisten Wasser führte – das Jahreshochwasser. Dann haben wir gezählt, in welchen Monat dieser Tag fiel. Jeder Balken ist ein Monat, seine Höhe die Zahl der Jahre, deren Hochwasser in diesen Monat fiel: 19 Jahre hatten ihr größtes Hochwasser im Januar, nur eines im September. Orange ist der Anteil der Jahre, in denen dieses Hochwasser groß war, mit mehr als 80 Kubikmetern je Sekunde – das ist rund das Fünfzehnfache des mittleren Abflusses. Lesebeispiel Juni: 12 Jahre hatten ihr Jahreshochwasser im Juni, drei davon ein großes (darunter 2013 und 2024). Was man sieht: Die hohen Balken stehen links und rechts, von November bis März; in der Mitte, von Juli bis September, ist fast nichts. Die großen Hochwasser (orange) konzentrieren sich noch stärker auf Dezember bis März. Genau in diesen Monaten gießt niemand – jede Gartenzisterne ist dann voll.
Die Vorgeschichte. Für die 25 größten Hochwasser seit 1931 haben wir den Abfluss der dreißig Tage davor mit dem langjährigen Mittel des jeweiligen Monats verglichen – der Abfluss ist ein guter Stellvertreter dafür, wie nass das Einzugsgebiet schon war. Bei 16 der 25 Ereignisse lag der Vorlauf über dem Monatsmittel, oft weit darüber: im Juni 2024 beim 2,4-Fachen (am 17. und 18. Mai waren bereits 47 und 65 Kubikmeter je Sekunde geflossen), im Januar 2011 beim 2,1-Fachen, im Februar 1970 beim 2,3-Fachen; drei weitere lagen knapp darunter. Die sechs Hochwasser mit klar „trockenem“ Vorlauf – darunter die größten von 1956 und 1990 – fallen alle in die Monate Dezember bis März, in denen Schneeschmelze und gefrorener Boden die Rolle des Vorregens übernehmen. Auch dann speichert nichts.
So lesen Sie die Grafik: Jeder Balken ist eines der 25 größten Hochwasser seit 1931, von links nach rechts in zeitlicher Reihenfolge; unter dem Balken stehen Monat, Jahr und der Abfluss am Hochwassertag. Die Höhe des Balkens sagt, wie nass es vorher schon war: Wir haben den mittleren Abfluss der dreißig Tage vor dem Hochwasser (ohne die letzten drei Tage, in denen das Hochwasser schon anlief) durch das langjährige Mittel des jeweiligen Monats geteilt. Ein Wert von 1 (gestrichelte Linie) heißt: Vorher floss so viel Wasser wie in diesem Monat üblich. Ein Wert von 2 heißt: doppelt so viel – das Einzugsgebiet war schon nass, die Böden gesättigt, die Speicher voll. Orange sind die Hochwasser mit Werten über 1, grau die mit Werten darunter. Lesebeispiel ganz rechts: Vor dem Hochwasser vom 1. Juni 2024 (130 Kubikmeter je Sekunde) floss im Mai 2,4-mal so viel Wasser wie in einem normalen Mai. Was man sieht: 16 von 25 Balken sind orange, und die grauen fallen alle in die Monate Dezember bis März, in denen Schneeschmelze und gefrorener Boden ein Hochwasser auch ohne nassen Vorlauf auslösen können.
Der Deutsche Wetterdienst bestätigt das Muster für 2024: Im Mai war rund 30 Prozent mehr Regen gefallen als üblich, die Böden konnten „nur noch wenig Wasser aufnehmen“, dann fielen am 31. Mai und 1. Juni verbreitet 50 bis über 100 Millimeter in 24 Stunden. Das Rückhaltebecken Schorndorf/Winterbach war zweimal randvoll – „Spitz auf Knopf“, sagte der Bürgermeister. Und die Zisternen im Ort waren es auch.
Was die Forschung sagt. Ein Bericht des Umweltbundesamts und Studien aus Großbritannien und Italien kommen zum gleichen Ergebnis: Der Rückhalt einer Zisterne hängt allein vom freien Volumen im Moment des Regens ab. Liegt der mittlere Füllstand über etwa 75 Prozent, geht die Schutzwirkung gegen null. In einem Berliner Wohnquartier mit durchschnittlich 19 Prozent Füllstand hielten die Speicher 78 Prozent des Regens zurück; in einem Gewerbegebiet mit über 80 Prozent Füllstand praktisch nichts.
Die Lösung heißt Retention. Deshalb unterscheidet die Fachwelt zwei Bauarten. Die Nutzungszisterne sammelt Wasser zum Gießen und ist voll, wenn es darauf ankommt. Die Retentionszisterne hat einen zusätzlichen Speicherraum, der sich über eine Drossel langsam wieder in den Boden oder Kanal entleert – und deshalb vor dem nächsten Regen leer ist. Nur sie ist Starkregenvorsorge. Wer beides will, braucht beides: ein Nutzvolumen unten, ein Retentionsvolumen oben.
Durchs Jahr schieben: Was eine Zisterne zurückhält
Regen: 40 Liter je Quadratmeter auf 100 Quadratmeter Dach = 4.000 Liter.
Nutzungszisterne (5.000 Liter)
- Füllstand
- Freies Volumen
- Hält von den 4.000 Litern zurück
Retentionszisterne (4.000 Liter Rückhalteraum mit Drossel)
- Füllstand
- Freies Volumen
- Hält von den 4.000 Litern zurück
Angenommene Füllstände: ein Beispiel, kein Messwert (siehe Tabelle). Die Retentionszisterne leert sich nach jedem Regen langsam über die Drossel und ist deshalb vor dem nächsten wieder bereit.
| Monat | Gießbedarf | typischer Füllstand einer Nutzungszisterne | freies Volumen bei 5.000 Litern | Rückhalt bei 40 l/m² auf 100 m² Dach (4.000 Liter) |
|---|---|---|---|---|
| Januar–März | keiner | voll | 0 | 0 % |
| April–Mai | gering | fast voll | bis 1.000 | bis 25 % |
| Juni–August | hoch | halb bis leer | 2.500–5.000 | 60–100 % |
| September–Oktober | gering | fast voll | bis 1.000 | bis 25 % |
| November–Dezember | keiner | voll | 0 | 0 % |
Regler und Tabelle sind ein Beispiel, kein Messwert: Sie zeigt, dass die Zisterne genau dann hilft, wenn sie am wenigsten gebraucht wird – im Sommer, wenn die Gewitter zwar heftig sind, die Rems aber nicht steigt –, und dann nichts leistet, wenn das Rems-Hochwasser kommt.
Was ist eine Retentionszisterne?
Eine Retentionszisterne ist eine Zisterne mit zwei Stockwerken. Im unteren liegt das Wasser, das man nutzen will – zum Gießen, für die Toilette oder die Waschmaschine. Das obere Stockwerk ist der Rückhalteraum: Er soll leer sein, wenn der Regen kommt. Dazwischen sitzt die Drossel, ein kleiner Ablauf auf der Höhe, bis zu der das Nutzwasser reicht.
So lesen Sie das Schaubild: Links eine gewöhnliche Nutzungszisterne, rechts eine Retentionszisterne, beide nach einer nassen Woche, in der niemand gegossen hat. Blau ist Wasser, schraffiert der leere Raum. Links ist alles blau: Was jetzt vom Dach kommt, geht über den Überlauf sofort weiter in den Kanal oder Bach – als hätte das Haus keine Zisterne. Rechts ist nur der untere Teil blau. Der obere Teil ist leer, weil die Drossel das Wasser oberhalb ihrer Höhe nach jedem Regen langsam abgegeben hat. Kommt jetzt ein Starkregen, füllt er zuerst diesen Raum.
So arbeitet sie bei einem Starkregen.
- Der Regen läuft vom Dach über einen Filter in die Zisterne. Das Nutzvolumen ist wie immer mehr oder weniger voll.
- Der Wasserspiegel steigt in den Rückhalteraum. Durch die Drossel fließt nur eine kleine Menge ab – das meiste bleibt erst einmal im Tank.
- Nach dem Regen läuft der Rückhalteraum über die Drossel in einigen Stunden leer, je nach Bauart in den Kanal oder besser in eine Versickerungsmulde im Garten. Das Nutzwasser darunter bleibt.
- Erst wenn ein Regen noch größer ist als der Rückhalteraum, springt der Notüberlauf an.
Ein Rechenbeispiel. Ein Dach von 100 Quadratmetern bringt bei 40 Litern je Quadratmeter 4.000 Liter. Hat die Zisterne über dem Nutzwasser 4.000 Liter Rückhalteraum, fängt sie diesen Regen ganz auf. Gibt die Drossel 0,1 Liter je Sekunde ab, ist der Rückhalteraum nach gut elf Stunden wieder leer. Ein Kanal oder Bach bekommt dann statt eines Schwalls von 4.000 Litern in einer halben Stunde über einen halben Tag verteilt ein Rinnsal. Welche Größen im Einzelfall richtig sind, berechnet eine Fachplanung; manche Gemeinden schreiben Rückhalteraum und Drosselabfluss je Quadratmeter Dach vor.
Gibt es das für das eigene Haus? Ja. Mehrere Hersteller bieten Zisternen für Ein- und Zweifamilienhäuser als Kombination aus Nutz- und Rückhaltevolumen an, ebenso reine Rückhaltezisternen ohne Nutzwasser. Bei manchen bestehenden Zisternen lässt sich nach Herstellerangaben ein Drosselablauf nachrüsten; dann wird das obere Stück der vorhandenen Zisterne zum Rückhalteraum, und das Nutzvolumen wird entsprechend kleiner. Der Preis dafür: weniger Gießwasser für die gleiche Tankgröße – oder ein etwas größerer Tank.
Retention und Versickerung zusammen. Am meisten bringt eine Retentionszisterne, deren Drossel nicht in den Kanal, sondern in eine Mulde oder Rigole im Garten abgibt: Dann wird der Starkregen gebremst und das Wasser bleibt trotzdem am Grundstück und füllt den Boden. Ob ein Boden versickern kann, hängt vom Untergrund ab – in Winterbach wechseln Sandstein, Mergel und Auenboden auf engem Raum. Einzelne Bebauungspläne der Gemeinde verlangen deshalb, dass Versickerung „vorzusehen“ ist, „sofern die Ergebnisse der hydrologischen Erkundung dies zulassen“.
Was Winterbach aus dem Zisternen-Paradox lernen kann
Wie es heute geregelt ist. Winterbach fördert Zisternen: Nach dem Förderprogramm Natur- und Umweltschutz der Gemeinde (seit 25. März 2026) gibt es für eine Zisterne im Altbau mit mindestens zwei Kubikmetern „zur Verwendung für Brauchwasser“ 300 Euro. In neuen Baugebieten ist eine Zisterne Pflicht – in der Erweiterung Eichenwäldle, in den Riedwiesen und an der Schorndorfer Straße 7–13 heißt es gleichlautend, das Dachwasser sei „mittels Zisterne als Brauchwasser zu sammeln“, mindestens fünf Kubikmeter je Gebäude. Die Begründungen der Pläne Eichenwäldle und Riedwiesen nennen als zweiten Zweck ausdrücklich, dass bei Starkregen die Kanalisation entlastet werde. Das ist ein guter Anfang: Jede dieser Zisternen spart Trinkwasser. Einen Rückhalteraum mit Drossel verlangt bisher keine der Regelungen – und damit greift genau das Paradox.
Was jeder daraus mitnehmen kann.
- Wer neu baut, plant die Zisterne gleich als Kombination: unten Nutzwasser, oben ein Rückhalteraum mit Drossel, am besten mit Ablauf in eine Mulde im Garten.
- Wer schon eine Zisterne hat, fragt beim Hersteller oder Installateur nach, ob sich ein Drosselablauf nachrüsten lässt.
- Wer nur gießen will, weiß jetzt: Die eigene Zisterne spart Trinkwasser, schützt aber im Winter und Frühjahr kaum vor Hochwasser.
Was Förderprogramme und Bebauungspläne bewirken können. Wo eine Gemeinde Zisternen fördert oder vorschreibt, ließe sich die Wirkung bei Starkregen mit wenig Aufwand sichern: mit einem Rückhalteraum mit Drossel als Bedingung oder als Bonus in der Förderung und als Festsetzung in künftigen Bebauungsplänen – die Größe je Quadratmeter Dach legt dann die Entwässerungsplanung fest. Das passt zum Starkregenrisikomanagement, mit dem Wasserverband und Gemeinde begonnen haben: Nach dem Leitfaden des Landes folgen auf die Gefahrenkarten eine Risikoanalyse und ein Handlungskonzept. → Starkregen in Winterbach
Was das für die Rems bedeutet – ein Gedankenexperiment
Die Welle ist keine Schwammstadt-Maßnahme, und wir behaupten nicht, sie trüge zum Hochwasserschutz bei. Umgekehrt gibt es aber einen Zusammenhang, der uns Surfer interessiert: Eine Landschaft, die Wasser hält, gibt es langsamer ab. Was in Waldboden, Wiesen und Aue versickert, läuft über Tage und Wochen als Hangwasser und Quellschüttung nach – und hält die Rems nach Regenphasen länger über der Grenze, ab der die Welle laufen kann. In einem Rechenspiel mit unseren Pegeldaten sind das eine bis drei Wochen im Jahr. Für die Welle zählt dabei vor allem das Einzugsgebiet oberhalb; die Winterbacher Hänge sind ein kleiner Teil der 418 Quadratkilometer. Aber die Richtung ist eindeutig: Jeder Hektar, der Wasser hält, hilft dem Fluss, nicht nur dem Keller. → Was hat das alles mit Surfen zu tun? · → Wasserführung der Rems · → Die Rems wird wärmer
Was jeder auf dem eigenen Grundstück tun kann
- Regenwasser vom Dach nicht in den Kanal, sondern in den Garten leiten: eine flache Mulde, in der es versickern kann, hält mehr zurück als jede Tonne
- Wer eine Zisterne baut, baut sie mit Retentionsvolumen und Drosselablauf – dann hilft sie auch im Februar
- Wer eine Zisterne ohne Rückhalteraum hat, kann selbst Platz schaffen: Ist Dauer- oder Starkregen angekündigt – vor allem im Winterhalbjahr, wenn die Zisterne sonst randvoll steht –, einen Teil ablassen und auf Rasen oder Beet versickern lassen. Nicht auf gefrorenen oder schon nassen Boden und nicht in den Kanal, sonst ist das Wasser gleich wieder im Bach. → Wenn die Rems knapp wird
- Höfe, Stellplätze und Wege wasserdurchlässig belassen oder machen; jede entsiegelte Fläche nimmt Regen auf
- Bäume pflanzen und erhalten: Ein großer Baum bremst den Regen, verdunstet im Sommer Hunderte Liter am Tag und kühlt den Hof
- Am Hang: Wiesen mähen statt verbuschen lassen, Boden nicht verdichten, Mauern und Raine erhalten – sie halten Wasser und Boden am Hang
Was das für die Remswelle heißt
Wir Surfer wollen einen Fluss, der im Winter nicht über die Ufer tritt und im Sommer nicht trockenfällt. Beides hängt an derselben Landschaft. Deshalb schauen wir nicht nur auf das Wehr, sondern auf die Hänge, Bäche und Wiesen, aus denen das Wasser kommt. → Wasser in Winterbach · → Hochwasserschutz an der Rems
Häufige Fragen
Was ist eine Schwammstadt?
Ein Leitbild der Stadtplanung: Regenwasser wird dort zurückgehalten, versickert und verdunstet, wo es fällt, statt es möglichst schnell in den Kanal zu leiten. Das mindert Überflutungen bei Starkregen, kühlt bei Hitze und füllt das Grundwasser in Trockenzeiten.
Was ist eine Retentionszisterne?
Eine Zisterne mit einem Rückhalteraum über dem Nutzwasser. Eine Drossel lässt das Wasser oberhalb des Nutzvolumens nach jedem Regen langsam ab, sodass der Rückhalteraum vor dem nächsten Starkregen wieder leer ist. So hält sie auch dann Regen zurück, wenn das Gießwasser darunter voll ist.
Schützt eine Zisterne vor Starkregen?
Nur, wenn sie im Moment des Regens Platz hat. Eine Zisterne, die zum Gießen genutzt wird, ist im Winter und Frühjahr meist voll – und die großen Rems-Hochwasser fallen fast alle in diese Zeit. Schutz bietet nur eine Retentionszisterne mit Drosselablauf, die sich von selbst wieder leert.
Wann kommen die Hochwasser der Rems?
Nach 95 Jahren Pegeldaten überwiegend von November bis März und im Juni; im Hochsommer und Frühherbst fast nie. Die Sommergewitter treffen die kleinen Bäche, nicht die Rems.
Was sind 30 Millimeter Regen?
30 Liter auf jedem Quadratmeter. Auf einem Quadratkilometer sind das 30 Millionen Liter, auf einem Hausdach von 100 Quadratmetern 3.000 Liter.
Was bedeuten 100 Liter pro Quadratmeter?
Auf jedem Quadratmeter stünde das Wasser zehn Zentimeter hoch, wenn nichts abflösse, versickerte oder verdunstete: 100 Liter sind 0,1 Kubikmeter, verteilt auf einen Meter mal einen Meter. Ob das harmlos ist oder gefährlich, entscheidet die Zeit: verteilt auf einen Monat ist es ein nasser Monat, in einer Stunde ein extremes Unwetter.
Ab wann warnt der Wetterdienst vor Starkregen?
Ab 15 Litern je Quadratmeter in einer Stunde oder 20 Litern in sechs Stunden (Warnstufe 2). Mehr als 25 Liter in einer Stunde oder 35 in sechs Stunden gelten als Unwetter, mehr als 40 Liter in einer Stunde oder 60 in sechs Stunden als extremes Unwetter. Mit dem Regenrechner auf dieser Seite lässt sich jede Menge einordnen. → Starkregen in Winterbach
Quellen
- Gemeinde Winterbach, „Freibad“ (Kombibecken 25 m, 560 m²); Beckentiefe nach Auskunft der Initiative, Volumen eigene Schätzung
- LUBW, Pegel Schorndorf, Tagesmittel des Abflusses 1931–2026 (Daten aus dem Umweltinformationssystem der LUBW); eigene Auswertung, Rechenweg unter Die Rems in Zahlen
- Deutscher Wetterdienst: Hydroklimatologische Einordnung der Stark- und Dauerniederschläge in Süddeutschland Ende Mai/Anfang Juni 2024
- Umweltbundesamt: Schwammstadt – Konzept und Empfehlungen (2026); Bericht zur Regenwasserbewirtschaftung und Überflutungsvorsorge (Niederste-Hollenberg u. a.)
- Quinn, Rougé & Stovin (2021), Großbritannien; Palla & Gnecco (2022), Italien/Frankreich: Rückhaltewirkung von Regenwasserspeichern in Abhängigkeit vom Füllstand
- Gemeinde Winterbach: Förderprogramm Natur- und Umweltschutz (ab 25.03.2026), Nr. 4.2 Zisterne; Bebauungspläne „Eichenwäldle – Erweiterung“ (Textteil Nr. 2.9 und Begründung), „Riedwiesen“ (2021) und „Schorndorfer Straße 7–13“, Örtliche Bauvorschriften Oberflächenwasser; abgerufen 03.10.2026
- Deutscher Wetterdienst: Warnkriterien für Starkregen und Dauerregen (abgerufen 03.10.2026), www.dwd.de/DE/wetter/warnungen_aktuell/kriterien/warnkriterien.html
- Gemeinde Winterbach: Starkregenrisikomanagement und Starkregengefahrenkarten (2025); Zeitungsverlag Waiblingen, 19./20. Juli 2025 (Starkregen Lehenbach); Feuerwehr Winterbach, Hochwasser Juni 2024; Stuttgarter Zeitung, Juni 2024
- Thünen-Institut, Bodenzustandserhebung Landwirtschaft (Kohlenstoffvorräte Grünland, Acker, Wald); waldwissen.net: Wie viel Wasser speichert der Waldboden?
Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2026 · Initiative Remswelle