Remswelle

Rems und Winterbach · Fluss, Wasser, Natur und Geschichte

Uferwege an der Rems in Winterbach

Die Rems fließt mitten durch Winterbach – aber an vielen Stellen kommt man nicht an sie heran. Auf rund 5,7 Kilometern Flusslauf in der Gemeinde gibt es nach unserer Auswertung der Kartendaten auf gut zwei Dritteln der Strecke wenigstens auf einem Ufer einen Weg, auf beiden Ufern nur auf etwa einem Zehntel. Ausgerechnet zwischen der Ortsmitte am Gleisdorfer Platz und dem Remswehr an der Ostlandstraße, wo die Remswelle entstehen soll, gibt es auf rund einem Kilometer keinen angelegten Fußweg am Ufer, nur Gras- und Trampelpfade. Hier zeigen wir, wie es heute aussieht, wie es die Nachbarorte machen, wie ein Rundweg an der Rems aussehen könnte und welche Spazierwege sich rund um die Remswelle anbieten.

So ist es heute

Die Rems in Winterbach, eingefärbt nach Wegen am Ufer
Die Rems in Winterbach, eingefärbt nach Wegen am Ufer: dunkelblau auf beiden Ufern, hellblau auf einem Ufer, orange kein angelegter Weg am Ufer; gelb die Wege in Ufernähe. Zwischen Gleisdorfer Platz und Brücke Ostlandstraße ist der Fluss auf beiden Seiten ohne Weg. Wege: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), eigene Auswertung; Luftbild: LGL-BW (2026), Datenlizenz Deutschland – Namensnennung 2.0.

Gut begehbar ist die Rems unterhalb des Ortes: Entlang der Renaturierung Richtung Hebsacker Brücke führen Wege auf einem oder beiden Ufern, darunter ein Radweg. Oberhalb der Brücke Ostlandstraße führt ein Weg in Richtung Remsknie, allerdings nicht direkt am Wasser. Dazwischen, mitten im Ort, fehlt das Stück: Auf dem Südufer liegen Gärten und Grundstücke bis an die Böschung, auf dem Nordufer Gewerbeflächen. Zur Remstal Gartenschau 2019 hat die Gemeinde am Gleisdorfer Platz einen Zugang zum Wasser gebaut, mit Sitzstufen aus Stein und einem Holzdeck. Von dort aus geht es am Fluss bisher nicht weiter.

Winterbach im Vergleich

Anteil der Remsstrecke je Kommune, an der ein Weg direkt am Ufer verläuft, aufgeteilt nach beiden Ufern, einem Ufer und …
Anteil der Remsstrecke je Kommune, an der ein Weg direkt am Ufer verläuft, aufgeteilt nach beiden Ufern, einem Ufer und keinem Uferweg: Plüderhausen, Weinstadt, Schorndorf, Waiblingen, Urbach, Lorch, Remshalden und Winterbach. Daten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), eigene Auswertung.

Wir haben für acht Kommunen an der Rems ausgewertet, wie viel des Flusslaufs von einem Weg begleitet wird, der höchstens 35 Meter vom Wasser entfernt parallel zum Fluss verläuft. Winterbach liegt mit 68 Prozent Strecke, an der wenigstens auf einer Seite ein Weg verläuft, im Mittelfeld – bei Wegen auf beiden Ufern mit 11 Prozent aber am Ende. In Plüderhausen sind es 43 Prozent, in Weinstadt 39, in Schorndorf 36. Die Auswertung beruht auf OpenStreetMap, nicht auf einer Begehung; Gras- und Trampelpfade sind darin meist nicht enthalten.

Vision: ein Rundweg an der Rems

Wie wäre es, wenn man vom Gleisdorfer Platz auf dem einen Ufer zum Remswehr gehen könnte und auf dem anderen zurück? Rund 1,9 Kilometer, mitten im Ort, immer am Wasser. Unsere Skizze berücksichtigt bewusst noch keine Eigentumsverhältnisse – sie soll zeigen, was möglich wäre, nicht wie es rechtlich umzusetzen ist.

Visualisierung
Visualisierung: ein Rundweg an der Rems vom Gleisdorfer Platz über das Südufer zum Remswehr an der Brücke Ostlandstraße und über das Nordufer zurück, rund 1,9 Kilometer, mit fünf Stationen: 1 Gleisdorfer Platz und Remszugang, 2 Südufer mit Weg im Grünen, 3 Nordufer zwischen Fluss und Gewerbe, 4 Brücke Ostlandstraße, 5 Sitzstufen an der Welle auf beiden Ufern. Luftbild: LGL-BW (2026), Datenlizenz Deutschland – Namensnennung 2.0; Rems: © OpenStreetMap-Mitwirkende; Wegeführung: Initiative Remswelle.

1 Gleisdorfer Platz und Remszugang. Start und Ziel in der Ortsmitte, mit den Sitzstufen von 2019. 2 Südufer. Ein schmaler Weg im Grünen, nah am Wasser, zwischen Gärten und Böschung. 3 Nordufer. Ein Weg zwischen Fluss und Gewerbe, der die Rückseite der Betriebe zum Ufer hin öffnet. 4 Brücke Ostlandstraße. Hier wechselt man das Ufer. 5 Sitzstufen an der Welle. Auf beiden Ufern Stufen zum Zuschauen und Verweilen – ob mit oder ohne Surfer auf dem Wasser. → Standort Winterbach

Ein solcher Weg würde Ortsmitte, Remszugang und den Aufenthaltsort am Wehr verbinden – für Spaziergänger, Familien, Schulklassen und alle, die einfach am Fluss sein wollen. Er müsste mit Hochwasserschutz, Gewässerunterhaltung und Naturschutz abgestimmt werden, etwa mit Ruhezonen für den Eisvogel. → Hochwasserschutz an der Rems · → Tiere und Pflanzen an der Rems

Vision: Spazierwege an der Remswelle

Nicht jeder, der zur Remswelle kommt, will selbst ins Wasser. Wer zuschaut, jemanden begleitet oder einfach eine halbe Stunde Zeit hat, soll gleich etwas unternehmen können. Deshalb schlagen wir drei Runden vor, die alle am Remswehr beginnen und enden und jeweils zu einem großen Teil an der Rems entlangführen. Zwei davon führen an einem fast vergessenen Stück Ortsgeschichte vorbei: dem alten Mühlkanal. Er zweigte kurz hinter dem Remsknie, beim heutigen Vogelturm, von der Rems ab und führte zur Mühle an der Ecke Kanalstraße/Mühlstraße, die die Oberamtsbeschreibung von 1851 als „sehr bedeutende Mahl- und Gyps-Mühle“ beschreibt. → Wie die Rems 1832 floss

Übersichtskarte zur Vision der Initiative
Übersichtskarte zur Vision der Initiative: Spazierwege an der Remswelle, drei Runden mit Start und Ziel am Remswehr. Orange die Uferrunde, rund 1,8 Kilometer, ca. 25 Minuten, auf dem Nordufer bis zur Struvebrücke und auf dem Südufer zurück. Gelb die Mühlenrunde, rund 1,2 Kilometer, ca. 20 Minuten, über die Mühlstraße zur alten Mühle und am Ufer zurück. Grün die Remsknierunde, rund 1,2 Kilometer, ca. 20 Minuten, am Ufer über das Remsknie bis zum Vogelturm und auf der Trasse des alten Mühlkanals zurück. Durchgezogen die Abschnitte, die heute schon begehbar sind, gestrichelt die Uferwege, die es noch nicht gibt. Luftbild: LGL-BW (2026), Datenlizenz Deutschland – Namensnennung 2.0; Rems: © OpenStreetMap-Mitwirkende; Wegeführung: Initiative Remswelle.

Uferrunde, rund 1,8 Kilometer. Vom Remswehr auf dem Nordufer flussabwärts bis zur Struvebrücke in der Ortsmitte, dort über die Rems und auf dem Südufer zurück zum Wehr – der Rundweg aus unserer Vision oben, immer am Wasser. Mühlenrunde, rund 1,2 Kilometer. Vom Remswehr über die Mühlstraße zur alten Mühle, über die Kanalstraße vor an die Rems und am Ufer zurück zum Wehr. Remsknierunde, rund 1,2 Kilometer. Vom Remswehr am Ufer flussaufwärts bis zum Remsknie, wo die Rems ihren nördlichsten Punkt erreicht, weiter zum Vogelturm, wo früher der Mühlkanal abzweigte, und auf der Trasse des alten Kanals zurück. Die Runde liegt ganz auf Winterbacher Gemarkung.

Zwei Einschränkungen gehören dazu: Zwischen der alten Mühle und dem Remswehr ist die Trasse des Mühlkanals überbaut, die Mühlenrunde folgt dort der Mühlstraße. Und die Uferstücke zwischen Ortsmitte und Remswehr gibt es als Weg heute noch nicht – es ist dieselbe Lücke, die der Rundweg schließen würde. Auch vom Remswehr über das Remsknie zum Vogelturm gibt es direkt an der Rems noch keinen Weg. Vom Vogelturm hinunter zum Mühlkanal-Wehr führen heute schon Trampelpfade, und der Rückweg auf der Trasse des alten Mühlkanals ist begehbar. Die Runden sind ein Vorschlag, der mit Gemeinde, Eigentümern und den zuständigen Stellen abzustimmen wäre. Sie folgen dabei der Empfehlung des Umweltbundesamts, Gewässer für die Menschen zugänglich zu machen. → Warum Wege am Wasser guttun

Warum Wege am Wasser guttun

Die Sommer werden heißer, und das spürt man auch in Winterbach. Das Robert Koch-Institut schätzt für Deutschland in den Jahren 2023 und 2024 jeweils rund 3.000 Todesfälle, die auf Hitze zurückgehen. Umso wichtiger werden Orte, an die man an heißen Tagen und Abenden ausweichen kann.

Orte am Wasser gehören dazu. Eine Übersichtsarbeit im Bundesgesundheitsblatt (Claßen und Bunz, 2018) fasst zusammen, dass Menschen Gewässern eine erholsame, stressmildernde Wirkung zuschreiben, die über die von reinen Grünflächen hinausgeht. Wasserflächen können Hitzeinseln in Städten nach den dort ausgewerteten Studien um etwa 2,5 Grad abkühlen. Mit mehr Hitzetagen, so die Autoren, gewinnen solche Naturräume als „Klimakomfortinseln“ an Bedeutung. Das EU-Forschungsprojekt BlueHealth hat von 2016 bis 2020 in vielen europäischen Städten untersucht, wie Flüsse, Seen und Küsten auf die Gesundheit wirken, und nennt Kühlung, Erholung, mehr Bewegung und Wohlbefinden als Nutzen. Auch das Umweltbundesamt empfiehlt Kommunen naturnahe Gewässer und zugängliche Grün- und Wasserflächen, weil sie die Lebensqualität verbessern, die psychische und körperliche Gesundheit fördern und den Zusammenhalt stärken.

In Winterbach kommt etwas hinzu: Die Rems liegt am tiefsten Punkt des Tals. Dort kommt die kühle Nachtluft an, die von den Hängen herunterfließt. Ein Weg am Ufer mit schattigen Bäumen und Sitzplätzen wäre deshalb an Sommerabenden ein naheliegender Ort zum Durchatmen – für Familien, ältere Menschen und alle, die keinen eigenen Garten haben. Dazu gehört auch die ehrliche Einschränkung: Ein Weg allein kühlt den Ort nicht. Er macht aber einen kühleren Ort erreichbar, und er lädt zu Bewegung ein. → Kühle Luft für Winterbach

Über die Rems: Brücken im Vergleich

Auf Winterbacher Gemarkung kommt man an vier Stellen zu Fuß über die Rems: an der Remsbrücke Hebsack, in der Ortsmitte über die Brücke der Ritterstraße mit der überdachten Holzbrücke gleich daneben (Struvebrücke, 1992), an der Ostlandstraße am Remswehr und auf einem Feldweg östlich des Remsknies.

Brücken über die Rems, die man zu Fuß nutzen kann, je Kilometer Flusslauf in acht Kommunen
Brücken über die Rems, die man zu Fuß nutzen kann, je Kilometer Flusslauf in acht Kommunen: Schorndorf 1,7, Waiblingen 1,6, Plüderhausen 1,2, Lorch 1,1, Remshalden 1,1, Weinstadt 0,9, Urbach 0,9 und Winterbach 0,7. Brücken, die weniger als 60 Meter auseinanderliegen, zählen als eine Querung; ohne Bahnbrücken und Bundesstraßen. Daten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), eigene Auswertung.

Mit 0,7 Querungen je Kilometer Rems liegt Winterbach am Ende der acht ausgewerteten Kommunen; in Schorndorf sind es 1,7, in Waiblingen 1,6. Zur Remstal Gartenschau 2019 haben Urbach und Weinstadt-Großheppach neue Fuß- und Radbrücken aus Holz über die Rems gebaut. Auch diese Auswertung beruht auf OpenStreetMap; kleine Stege können fehlen.

Häufige Fragen

Kann man in Winterbach an der Rems entlanggehen?

Auf gut zwei Dritteln der Strecke ja, wenigstens auf einem Ufer, vor allem unterhalb des Ortes entlang der Renaturierung. Zwischen Gleisdorfer Platz und Brücke Ostlandstraße gibt es auf rund einem Kilometer keinen angelegten Weg am Ufer.

Wie steht Winterbach im Vergleich zu den Nachbarorten da?

Mit 68 Prozent Strecke mit Weg auf wenigstens einem Ufer im Mittelfeld, bei Wegen auf beiden Ufern mit 11 Prozent am Ende der acht ausgewerteten Kommunen.

Gibt es den Rundweg schon?

Nein. Der Rundweg ist eine Vision der Initiative, ohne Rücksicht auf Eigentum und Zuständigkeiten gezeichnet. Ob und wie er sich umsetzen lässt, müsste mit Gemeinde, Eigentümern und den zuständigen Stellen abgeklärt werden.

Welche Spazierwege gibt es rund um die Remswelle?

Wir schlagen drei Runden vor, alle mit Start und Ziel am Remswehr: die Uferrunde auf beiden Ufern bis zur Struvebrücke (rund 1,8 Kilometer), die Mühlenrunde über alte Mühle und Kanalstraße (rund 1,2 Kilometer) und die Remsknierunde über das Remsknie bis zum Abzweig des alten Mühlkanals am Vogelturm (rund 1,2 Kilometer). Die Uferwege zwischen Ortsmitte und Remswehr fehlen dafür heute noch.

Warum sind Wege an der Rems gut für die Gesundheit?

Studien und Fachbehörden beschreiben Orte am Wasser als erholsam und stressmildernd; Wasserflächen können ihre Umgebung an heißen Tagen abkühlen. In Winterbach sammelt sich die kühle Nachtluft zudem im Tal an der Rems. Ein zugänglicher Uferweg macht diesen kühleren Ort für alle erreichbar und lädt zur Bewegung ein.

Wie viele Brücken führen in Winterbach über die Rems?

Zu Fuß kommt man an vier Stellen über die Rems: in Hebsack, in der Ortsmitte (Ritterstraße und Struvebrücke direkt nebeneinander), an der Ostlandstraße und auf einem Feldweg östlich des Remsknies. Das sind 0,7 Querungen je Kilometer, der niedrigste Wert der acht ausgewerteten Kommunen an der Rems.

Quellen: Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), Abfragen über overpass-api.de vom 26. und 27.09.2026, eigene Auswertung (Rems alle 20 Meter abgetastet, Weg höchstens 35 Meter vom Fluss und parallel, ohne private Wege, Brücken und Tunnel; Zuordnung zu den Kommunen über die Gemeindegrenzen in OpenStreetMap); Brücken: Abfrage vom 27.09.2026, alle Wege mit Brückenmerkmal, die die Rems schneiden · Robert Koch-Institut, M. an der Heiden: „Hitzebedingte Mortalität in Deutschland 2023 und 2024“, Epidemiologisches Bulletin, 07.05.2025 · T. Claßen, M. Bunz: „Einfluss von Naturräumen auf die Gesundheit – Evidenzlage und Konsequenzen für Wissenschaft und Praxis“, Bundesgesundheitsblatt 61 (2018) · EU-Projekt BlueHealth (Horizon 2020, 2016–2020, Koordination University of Exeter), CORDIS · Umweltbundesamt: „Naturbasierte Klimaanpassung in Kommunen“ (Stand 2025) · Struvebrücke: brueckenweb.de, Brückenblatt 44825 (Baujahr 1992, Spannweite 33,6 m) · Stuttgarter Holzbrücken im Remstal: ingenieurholzbau.de · Mühle: Beschreibung des Oberamts Schorndorf, 1851 (Wikisource), Kapitel B 27 · Mühlkanal: Historische Flurkarte Württemberg 1:2500, Stand 1832, LGL-BW · Luftbilder und Gemarkungsgrenze: LGL Baden-Württemberg, digitales Orthophoto und ALKIS, Datenlizenz Deutschland – Namensnennung 2.0 · Zeitungsverlag Waiblingen, „Endlich ein Zugang zur Rems im Ort“ (21.08.2018, aktualisiert 02.12.2019); „Endspurt beim Bau für die Remstal-Gartenschau“ (07.01.2019)

Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2026 · Initiative Remswelle