Remswelle

Flusswellen · bauen, betreiben, surfen

Was eine Flusswelle kostet – und wer sie bezahlt

Die ehrliche Antwort zuerst: zwischen einigen hunderttausend und einigen Millionen Euro, je nach Standort, Bauart und Verfahren. Die zweite ehrliche Antwort: Fast jede Welle in Deutschland wurde anders finanziert.

Was reale Wellen gekostet haben

WelleKostenFinanzierungAnmerkung
Fuchslochwelle Nürnberg (2022)ca. 3 Mio. €Hälfte Freistaat Bayern, dazu Stadt, Sportförderung, Spenden, SponsorenKanal parallel zur Pegnitz, Fischtreppe, verstellbare Module
Leinewelle Hannover (2023)2,5 Mio. €keine öffentlichen Mittel; 2 Mio. € Spenden in zehn Jahren; Sponsoren enercity, Sparkasse, Gundlachdrei Stahl-Wellenkörper, hydraulisch verstellbar
blackforestwave Pforzheim (2021)nicht veröffentlichtIndustrie-Hauptsponsoren (ADMEDES & G.RAU), Stadtwerke, Ehrenamt; Umbau 2026 per CrowdfundingEinbau in bestehenden Kanal, 30 Ehrenamtliche beim Einbau
Surfwelle Wolfratshausen (Plan 2017)ca. 360.000 € geplant200.000 € EU, 100.000 € Stadt, 60.000 € Spenden2022 vom Stadtrat beendet: Kostensteigerung durch Pandemie und Ukraine-Krise
Neckarwelle Stuttgart (Plan)ca. 5 Mio. € (Presse)vorgesehen: Stadt2019 nicht genehmigt (Wasserqualität)

Die Spanne erklärt sich aus dem Standort: Ein Einbau in einen vorhandenen Kanal oder an ein vorhandenes Wehr ist günstiger als ein neuer Kanal mit Fischaufstieg. Verstellbare Technik kostet mehr als eine feste Rampe, macht aber mehr Surftage und erleichtert die Genehmigung.

Woraus sich Kosten zusammensetzen

Machbarkeitsstudie und hydraulische Modellierung · Vermessung (Laserscan, Echolot) · Planung und Genehmigungsunterlagen · Gutachten (Ökologie, Hochwasser, ggf. Wasserqualität) · Bau: Erd- und Betonarbeiten, Stahlbau, Hydraulik, Steuerung · Ufer, Ein- und Ausstieg, Sicherheit · Betrieb: Versicherung, Wartung, Strom für die Steuerung, Ehrenamt.

Wolfratshausen zeigt das Risiko: Zwischen Planung und Bau können Baupreise davonlaufen. Ein Puffer von 20 bis 30 Prozent ist keine Vorsicht, sondern Erfahrung.

Was die Remswelle aus Wolfratshausen lernen kann

Die Surfwelle an der Loisach war 2017 genehmigt und finanziert: rund 360.000 Euro, davon 200.000 Euro EU-Förderung, dazu Stadt und Spenden. Fünf Jahre später, am 28. Juni 2022, beendete der Stadtrat das Projekt einstimmig – die Kosten waren durch Pandemie und Ukraine-Krise so gestiegen, dass die Finanzierung nicht mehr trug, nach neun Jahren Entwicklung. Nürnberg erzählt dieselbe Geschichte mit gutem Ausgang: von 500.000 Euro in der ersten Schätzung auf rund 3 Millionen Euro, weil aus einer Rampe im Verfahren ein Wasserbauwerk mit Kanal, zwei Wehren und Fischpass wurde. Drei Lehren: Eine Kostenschätzung ist erst belastbar, wenn die Genehmigungsplanung steht. Fördermittel mit Frist sind ein Risiko, wenn sich das Verfahren zieht – wer die Bewilligung hat, muss bauen können. Und je weniger neu gebaut werden muss, desto kleiner der Hebel für Kostensteigerungen; dass in Winterbach Wehr, Ufer und Zugang stehen, ist deshalb nicht nur ein Kosten-, sondern auch ein Risikoargument. → Fallstudie Fuchslochwelle

Wer bezahlt?

Land. Bayern hat Nürnberg zur Hälfte bezahlt – eine politische Entscheidung, die es in Baden-Württemberg für eine Flusswelle noch nicht gibt. Die Remswelle könnte das erste Beispiel werden. Das sportpolitische Argument dafür ist stärker, als viele denken: Surfen ist seit 2021 olympisch, der Deutsche Wellenreitverband ist Mitglied im DOSB, und Rapid Surfing auf stehenden Wellen hat seit 2019 Deutsche Meisterschaften – 2026 als Teil der „Finals“ in Hannover live im ZDF. Für den Wellensport gibt es im Inland praktisch keine Trainingsstätten; Flusswellen sind das, was Kanuslalomstrecken für den Kanusport sind. Mögliche Wege in Baden-Württemberg:

  • Tourismusinfrastrukturprogramm (TIP) des Wirtschaftsministeriums: Antrag durch die Kommune, bis 30 % der förderfähigen Kosten (in Sonderfällen bis 60 %), maximal 2,5 Mio. € je Vorhaben, Antrag bis 1. Oktober des Vorjahres beim Regierungspräsidium. Öffentliche Freizeit- und saisonverlängernde Infrastruktur ist förderfähig – ob eine Flusswelle darunter fällt, entscheidet das Regierungspräsidium im Einzelfall.
  • Kommunale Sportstättenförderung (Regierungspräsidien): klassisch für Hallen und Sportfreianlagen; Antrag bis 31. Dezember des Vorjahres.

Kommune. Die Gemeinde ist bei fast allen Wellen beteiligt: als Antragstellerin für Förderung, als Eigentümerin des Ufers, oft mit einem Zuschuss. Ohne die Gemeinde geht es nicht.

Sponsoren und Spenden. Hannover hat gezeigt, dass 2,5 Millionen Euro ganz ohne öffentliche Mittel gehen – mit einem Energieversorger als Namensgeber, der Sparkasse und einem Bauunternehmen, und mit zehn Jahren Geduld. Pforzheim lebt von Industriesponsoren und Ehrenamt. Crowdfunding trägt Umbauten und Ausstattung, selten den Rohbau.

Ehrenamt. In Pforzheim haben 30 Vereinsmitglieder die Anlage in drei Tagen eingebaut. In Nürnberg tragen rund 60 Freiwillige den Betrieb. Ehrenamt ersetzt kein Geld, aber es senkt die Kosten und überzeugt Förderer.

Was das für die Remswelle heißt

Solange die Machbarkeit nicht steht, gibt es keine seriöse Zahl. Was sich heute sagen lässt: In Winterbach steht die Infrastruktur bereits weitgehend. Das Durchlassbauwerk des Hochwasserrückhaltebeckens (vor Ort „Remswehr“) ist da, die Ufer sind befestigt, Zugang und Trittsteine vorhanden. Es muss kein Kanal gegraben werden – einer der teuersten Posten der Vergleichsprojekte fällt damit weg. Der Aufwand konzentriert sich auf das, was die Welle selbst ausmacht: ein Einbau, der das nötige Gefälle erzeugt und die Welle formt – eine Stufe gibt es heute nicht –, gegebenenfalls eine verstellbare Rampe, Ein- und Ausstieg, Sicherheit. Das macht Winterbach zu einer wirtschaftlich interessanten Möglichkeit: Die meisten Wellenprojekte müssen ihre Infrastruktur erst schaffen – hier ist wesentliche Infrastruktur vorhanden. Wie stark das die Gesamtkosten senkt und wo in der Spanne die Remswelle landet, sagt erst die Machbarkeitsprüfung – und der Weg über die Gemeinde zum Tourismusinfrastrukturprogramm ist der, den wir zuerst prüfen.

Das Bauwerk steht – jetzt geht es um seine Nutzung

Das Remswehr unter der Brücke Ostlandstraße ist kein Zufallsbauwerk. Es ist das Durchlassbauwerk des Hochwasserrückhaltebeckens Schorndorf/Winterbach, das der Wasserverband Rems – ein Zusammenschluss von zwölf Städten und Gemeinden von Essingen bis Remseck, beiden Landkreisen und dem Land – von 2002 bis 2005 gebaut hat: rund 14,3 Millionen Euro, 1,17 Millionen Kubikmeter Stauraum, in Betrieb seit Oktober 2005 als erstes Becken des Verbands. Die Brücke ist zugleich der Damm; bei Hochwasser werden hier die Tore geschlossen. Bezahlt haben das die Bürgerinnen und Bürger des Remstals und des Landes, über Verbandsumlage und Steuern. Es ist ein „grünes“ Becken: normalerweise leer, nur bei Hochwasser eingestaut – an fast allen Tagen des Jahres fließt die Rems hier eben durch das offene Bauwerk.

Das Durchlassbauwerk des Hochwasserrückhaltebeckens an der Ostlandstraße
Das Durchlassbauwerk des Hochwasserrückhaltebeckens an der Ostlandstraße: 14,3 Millionen Euro öffentliches Geld – im Einsatz an den wenigen Hochwassertagen des Jahres.

Wir finden: Wenn sich ein öffentliches Bauwerk ohne Beeinträchtigung seiner Hauptaufgabe sinnvoll mehrfach nutzen lässt, entsteht zusätzlicher Nutzen für die Allgemeinheit. Eine Beeinträchtigung des Hochwasserschutzes kommt nicht infrage – das ist Voraussetzung jeder Planung. Aber außerhalb der wenigen Hochwassertage könnte dieselbe Anlage einen Ort für Sport, Bewegung und Begegnung tragen. Mitreden sollten die, die sie bezahlt haben. Deshalb suchen wir das Gespräch mit dem Wasserverband Rems, dem Landratsamt als Wasserrechtsbehörde und dem Regierungspräsidium – dort liegt die Zuständigkeit für die Anlage.

Was sich das Remstal leistet – und warum eine Welle dazugehört

Zur Remstal Gartenschau 2019 haben sich sechzehn Kommunen je eine Landmarke gebaut, das Architekturprojekt „16 Stationen“. Winterbachs Beitrag ist der Monopteros am Engelberger Panoramaweg – laut Gemeinde „gut für Aussicht und Einsicht, für Träumer und Sterngucker – und für die Schönheit“. Vorgesehen waren 70.000 Euro je Station, hälftig von Kommune und Region getragen; für den Monopteros lagen die erwarteten Kosten nach einer Umplanung bei 140.000 bis 150.000 Euro, davon 70.000 bis 75.000 Euro Gemeindeanteil. Wir finden, dass sich die Reihe fortsetzen lässt – für Aussicht und Einsicht, für Träumer und Sterngucker, und auch für Bewegung und Freude. Eine Flusswelle ist eine Landmarke, die man benutzt: täglich, über Jahrzehnte, von Menschen aus der ganzen Region. Sie kostet mehr als eine Station – die Vergleichsprojekte oben zeigen die Größenordnung –, aber sie ist auch mehr: Sportstätte, Treffpunkt und Wahrzeichen zugleich. Die Eisbachwelle führt das Münchner Tourismusamt als „eine von Münchens Top-Attraktionen“, und Hannovers Oberbürgermeister sprach nach den Finals 2026 von der „Surfstadt Hannover“. Für das Remstal wäre die Welle das, was Landmarken sein sollen: ein Grund, hierherzukommen.

Häufige Fragen

Wie viel kostet eine Flusswelle?

Zwischen einigen zehntausend und einigen Millionen Euro. Pforzheim (Rampe im vorhandenen Kanal) rund 80.000 Euro plus Eigenleistung, Salzburg 90.000 Euro, Augsburg rund 350.000 Euro, Hannover 2,4 bis 2,5 Millionen, Nürnberg rund 3 Millionen Euro mit eigenem Kanal und Fischpass. Entscheidend ist, wie viel Infrastruktur schon steht.

Gibt es Fördermittel für eine Flusswelle in Baden-Württemberg?

Ein eigenes Programm gibt es nicht. In Frage kommen das Tourismusinfrastrukturprogramm des Landes (Antrag durch die Gemeinde, bis 30 Prozent) und die kommunale Sportstättenförderung; ob eine Welle förderfähig ist, entscheidet das Regierungspräsidium im Einzelfall. Bayern hat Nürnberg zur Hälfte und Augsburg zu gut einem Drittel bezahlt.

Wer bezahlt den laufenden Betrieb?

Bei allen deutschen Wellen der Betreiberverein – über Mitgliedsbeiträge, Slot-Gebühren, Sponsoren und Spenden. Die Kosten liegen bei Versicherung, Wartung, Strom für die Steuerung und Ehrenamt; Nürnberg trägt den Betrieb mit rund 60 Freiwilligen.

Warum wurden die Kosten in Nürnberg und Hannover so viel höher als geplant?

In Nürnberg wuchs aus einer einfachen Rampe ein vollständiges Wasserbauwerk mit Kanal, zwei Wehren und Fischpass; in Hannover verlangte der Lehmuntergrund eine verstärkte Gründung. Beides zeigt: Eine Kostenschätzung ist erst belastbar, wenn Genehmigungsplanung und Baugrunderkundung vorliegen.

Quellen: Wasserverband Rems, HRB 6 Schorndorf/Winterbach, Geschichte und Mitglieder des Verbands · ZVW, 12.08.2021 (Hochwasserschutz Winterbach) · ZVW, 30.01. und 27.02.2019 (Monopteros) · winterbach.de, Sehenswertes · muenchen.travel, Eisbachwelle · hannover-entdecken.de, 27.07.2026 · DOSB, „28 Sportarten für Los Angeles 2028“ · Deutscher Wellenreitverband, DM Rapid Surfing bei den Finals 2026 · Wikipedia „Rapid Surfing“ · infranken.de, 25.03.2022 (Nürnberg) · Wikipedia „Leinewelle“ · blackforestwave.de/welle · Surfers Mag, 23.06.2017 und 02.08.2022 (Wolfratshausen) · Stuttgarter Zeitung, März 2019 (Neckarwelle) · foerderdatenbank.de, Tourismusinfrastrukturprogramm BW · rp.baden-wuerttemberg.de, Sportstättenbau kommunal

Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2026 · Initiative Remswelle