Remswelle

Rems und Winterbach · Fluss, Wasser, Natur und Geschichte

Quellen und Hangwasser in Winterbach

Nicht nur die Rems prägt das Tal bei Winterbach. Von beiden Talseiten kommt Wasser: aus Quellen am Schurwald im Süden und am Hungerberg im Norden, über Bäche, Gräben und das Grundwasser in die Remsaue. Schon 1851 hieß es in der amtlichen Beschreibung des Oberamts Schorndorf: „Winterbach hat das beste Quellwasser im Remsthal.“ Hier erklären wir, woher dieses Wasser kommt, wo es sich zeigt und was belegt ist – und was nicht.

Schematischer Talquerschnitt durch Winterbach
Schematischer Talquerschnitt durch Winterbach: Regen versickert an den Hängen von Schurwald und Hungerberg, tritt als Quelle aus, fließt über Bäche und Gräben zur Rems; Grundwasser nah unter der Aue speist den Fluss auch in Trockenzeiten.

Die Schurwaldseite: „reich an immer fließenden Quellen“

Winterbach liegt überwiegend südlich der Rems, am Fuß des Schurwalds. Die Oberamtsbeschreibung von 1851 hält fest: „Überhaupt ist die Schurwaldseite reich an immer fließenden Quellen.“ Als Beispiel nennt sie den Lehenbach – in der Quelle „Lehnenbach“ geschrieben –, der „vom Schurwalde her“ als „nie vertrocknende[r]“ Bach durch den Ort fließt und damals einen kleinen Feuersee bildete. Besonders gerühmt werden zwei Brunnen im Ort, der Etscheter und der Weiherbrunnen. Heute fließt der Lehenbach unter der Ortsdurchfahrt verdolt und mündet unterhalb des Remswehrs in die Rems. → Zuflüsse der Rems

Die Nordseite: Hungerberg und Pfaffenbrunnen

Gegenüber, „jenseits der Rems“, wie es 1851 heißt, liegen die Weinberghänge – die Lagen Wanne, Altenberg und Pfaffenbronn und darüber der Hungerberg. Auch hier gibt es Wasser. Die Gewannbezeichnung Pfaffenbronn verrät es: „Bronn bedeutet Brunnen (Quelle)“, erklärt die Wanderbroschüre der Gemeinde. Nach dem Heimatverein Winterbach diente das Wasser des Pfaffenbrunnens den Bauern und Weingärtnern auch als Trinkwasser; ein zweiter Brunnen, das Muggabrünnele, versorgte die Gewanne Hof, Wanne und Hungerberg. Heute nutzt der Obstbauring den Überlauf der Quelle für seinen Lehrgarten. Die Biotopkartierung des Landes führt eine „Quelle im Gewann Pfaffenbronn“ als geschütztes Biotop.

Auf den kulturgeschichtlichen Wegen um den Hungerberg zeigt der Heimatverein, wie Menschen das Hangwasser genutzt und gelenkt haben: gefasste Quellen und Wasserstellen, Entwässerungsgräben zwischen den Weinbergen. Dazu gehört die Quelle beim Homöopathenhäusle: Sie speist den Bach der Höffenklinge, der oberhalb der Brücke Ostlandstraße in die Rems mündet. → Tiere und Pflanzen an der Rems

Das Homöopathenhäusle an der Höffenklinge oberhalb von Winterbach, mit alten Trockenmauern am Hang
Das Homöopathenhäusle an der Höffenklinge oberhalb von Winterbach, mit alten Trockenmauern am Hang. Das Häuschen wird derzeit wiederhergestellt. Foto 2026, Initiative Remswelle.

Das Homöopathenhäusle in der Höffenklinge

Was die Menschen 1930 an der Höffenklinge suchten – kühle Luft, Wasser, Aussicht –, beschreibt der Klimaatlas des Landes heute mit Kaltluftbahnen und Ausgleichsräumen. → Kühle Luft für Winterbach · → Spuren im Hungerberg

Vom Hang in die Aue

Wie aus Regen Quellwasser wird, ist an beiden Talseiten im Prinzip gleich. Regen versickert in Wald, Wiesen und Weinbergen. Im Boden fließt das Wasser langsam hangabwärts, bis es auf dichtere Schichten trifft und an der Oberfläche austritt – als Quelle, als nasse Stelle im Hang oder in einem Graben. Bäche und Gräben tragen es in die Talaue. Dort steht das Grundwasser nah unter der Oberfläche und ist mit dem Fluss verbunden.

Das ist auch für die Rems wichtig: Wenn es wochenlang nicht regnet, lebt sie fast nur noch von diesem Grundwasser und den Quellen im Einzugsgebiet. Im Spätsommer 2026 lag sie am Pegel Schorndorf an vielen Tagen unter einem Kubikmeter pro Sekunde. → Die Rems in Zahlen

Warum die Aue an manchen Stellen feucht ist

Wer durch die Remsaue geht, sieht Stellen mit Schilf, nassen Wiesen und Gräben. Alte Flurnamen passen dazu: Die württembergische Flurkarte von 1832 für Weiler und Winterbach nennt unter anderem die Gewanne Altlachen, Riedwiesen und Breitwiesen – „Ried“ steht für feuchtes, oft schilfbestandenes Land, eine „Lache“ für eine Wasserstelle. Solche Namen zeigen, wie die Menschen das Land damals erlebt und genutzt haben.

Warum eine Stelle heute feucht ist, kann aber verschiedene Gründe haben: Quell- und Hangwasser vom Talrand, Grundwasser nah an der Oberfläche, Senken, in denen sich Wasser sammelt, Gräben – oder eine alte Rinne der Rems. Welche Erklärung jeweils stimmt, lässt sich nur mit Geländedaten und alten Karten klären.

→ Zeitreise: der historische Remslauf in Winterbach

Hangwasser, Starkregen und Hochwasser

Quell- und Hangwasser fließt ständig und meist unauffällig. Starkregen ist etwas anderes: Dann fließt in kurzer Zeit so viel Wasser von den Hängen über Wege und Straßen, dass es Keller und Straßen fluten kann. Die Gemeinde Winterbach hat dafür seit Dezember 2024 Starkregengefahrenkarten, die zeigen, wo sich Wasser bei extremem Regen sammelt und wie schnell es fließt. Und Rems-Hochwasser kommt noch einmal von woanders: aus dem ganzen Einzugsgebiet flussaufwärts. → Hochwasserschutz an der Rems

Was das für die Remswelle heißt

Für die Wassermenge einer Welle spielen Quellen und Hangbäche in Winterbach kaum eine Rolle – die meisten münden unterhalb des Standorts, und die Rems bringt ihr Wasser von weit oberhalb. Sie erklären aber, warum die Aue so ist, wie sie ist, und warum hier so viel Leben ist. Wer eine Welle an der Rems baut, baut sie in eine Wasserlandschaft, die über Jahrhunderte genutzt und verändert wurde – und die es verdient, dass man sie kennt. → Die Rems im Wandel · → Standort Winterbach

Häufige Fragen

Hat Winterbach besonders gutes Quellwasser?

Die Beschreibung des Oberamts Schorndorf von 1851 sagt: „Winterbach hat das beste Quellwasser im Remsthal“, besonders gut seien der Etscheter und der Weiherbrunnen. Über die heutige Trinkwasserversorgung sagt das nichts.

Was ist der Pfaffenbrunnen in Winterbach?

Eine Quelle im Gewann Pfaffenbronn am Weinberghang nördlich der Rems. Ihr Wasser diente früher Bauern und Weingärtnern als Trinkwasser; heute nutzt der Obstbauring den Überlauf für seinen Lehrgarten. Das Land führt sie als geschütztes Biotop.

Woher kommt das Wasser in den Hängen?

Aus Regen, der in Wald, Wiesen und Weinbergen versickert und im Boden hangabwärts fließt, bis er als Quelle austritt oder im Grundwasser der Aue ankommt.

Lief die Rems früher durch die feuchten Wiesen?

Das ist nicht belegt. Flurnamen wie Riedwiesen und Altlachen zeigen eine früher nassere Aue, feuchte Stellen können aber auch von Quellen, Grundwasser oder Gräben kommen. Klären ließe sich das nur mit alten Karten und Geländedaten.

Quellen: Homöopathischer Verein Winterbach und Umgebung e. V., Chronik des Vereins (hv-winterbach.de) · Heimatverein Winterbach e. V., Beitrag „Gemeinschaftsarbeit“ vom 07.03.2022 · Beschreibung des Oberamts Schorndorf, hg. vom Königlich statistisch-topographischen Bureau, Stuttgart 1851 (Wikisource), Kapitel B 27 (Winterbach) · Heimatverein Winterbach und Gemeinde Winterbach, Infoblatt und Faltblatt „Kulturgeschichtliche Wege um den Hungerberg“; Heimatverein Winterbach, „Brot und Wein in Winterbach“, 11.07.2019 · Gemeinde Winterbach, Broschüre „Wandern in Winterbach“ (2022) · Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Ludwigsburg EL 68 VI Nr 2356, Flurkarte NO XXVIII 29, Stand 1832 (Weiler, Winterbach), über LEO-BW · LUBW, Biotopkartierung (Abfrage 26.09.2026) · Gemeinde Winterbach, Starkregengefahrenkarten · Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende

Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2026 · Initiative Remswelle