Rems und Winterbach · Fluss, Wasser, Natur und Geschichte
Spuren im Hungerberg
Der Hungerberg ist Winterbachs Sonnenseite: Weinberg, Streuobst, Klingen und Waldrand über dem Nordufer der Rems. Wer dort spazieren geht, läuft über tausend Jahre Geschichte, ohne es zu merken – über die Reste einer Burg, eine alte Fernstraße, Grenzgräben, verlassene Steinbrüche und Flächen, die das Land heute als Naturdenkmale schützt. Der Heimatverein Winterbach hat diese Stellen auf seinen kulturgeschichtlichen Wegen beschrieben. Wir haben sie mit einem Werkzeug angeschaut, das Surfer ohnehin benutzen: dem Blick aufs Gelände.
Wer auf Wellen wartet, lernt, Landschaft zu lesen. Am Meer entscheidet die Form des Bodens unter Wasser, ob eine Welle bricht; Windsurfer wissen, dass der Wind an Kaps und Talausgängen anders weht als in der Bucht daneben. Für die Remswelle schauen wir deshalb auf Höhenprofile, Luftbilder und das Geländemodell des Landes – und dabei fallen Dinge auf, die mit Surfen nichts zu tun haben, aber mit Winterbach. → Die Rems · → Kühle Luft für Winterbach
Die Burg in der Burgklinge
Das Gewann Burgklinge, ein Tälchen nördlich der Rems östlich von Rohrbronn, trägt seinen Namen nicht zufällig. Dort lag eine Burg, die heute verschwunden ist. Nach dem Kapitel von Walter Wannenwetsch im Band „Die Burgen im Rems-Murr-Kreis“ (1994) war es eine kleine Wasserburg am Wattenbach, mit den Flurnamen Hof und Hofäcker daneben, die wohl zur Burg gehörten. Erhalten ist der Burgstall: ein langgestreckter Hügel von rund 70 Metern Länge und 12 Metern Breite, oben noch 50 mal 4 bis 5 Meter, durch einen Hausbau und einen eingebauten Luftschutzkeller gestört; beim Bau sollen Kellerreste angeschnitten, aber nicht untersucht worden sein. Der Heimatverein Winterbach beschreibt die Stelle auf seinen kulturgeschichtlichen Wegen vorsichtiger als „Standort einer zeitlich noch nicht eingeordneten Befestigungsanlage auf einem Bergsporn“; sie ist als archäologisches Kulturdenkmal geführt.
Was das Geländemodell zeigt: Im Relief liegt an dieser Stelle ein länglicher Rücken, fast genau nach Norden ausgerichtet, rund 80 Meter lang und 20 Meter breit, mit ebenem Plateau. Er ragt vier bis fünf Meter über die beiden Klingen links und rechts, die sich unterhalb vereinigen – ein Sporn. Bergseits, wo der Rücken in den Hang übergeht, liegt eine Einsattelung von knapp zwei Metern: die Stelle, an der Burgen ihren Halsgraben hatten, der den Sporn vom Berg trennte.

Was wir daraus schließen: Die Form bestätigt den Burgstall – Spornlage, Plateau, Halsgraben sind genau das, was Wannenwetsch beschreibt, und die Maße passen. Wie alt die Anlage ist und ob Palisade oder Mauer auf ihr stand, sagt das Relief nicht; das bleibt Sache der Denkmalpflege.
Was die Burg bedeutete, zeigt die Ortsgeschichte: Winterbach war ein alter Königshof. Kaiser Heinrich III. hielt sich 1046 und 1048 hier auf, 1080 übergab Heinrich IV. den Ort dem Domstift Speyer, 1276 stellte Graf Ulrich II. von Württemberg in Winterbach eine Urkunde aus, und 1467 verkaufte Agatha von Baldeck ihre Winterbacher Güter an Graf Ulrich V. Die Burg in der Burgklinge sicherte vermutlich einen alten Handelsweg – wohl mit Holzpalisade statt Steinmauern.
Eine zweite Burg stand mitten im Ort: eine Turmhügelburg zwischen Hauptstraße, Seestraße, Mühlstraße und Neuer Gasse, 1400 in einem Zinsbüchlein als „Burggraben“ und „burgwieß by der mulin“ erwähnt – die Wiese bei der Mühle. Der Hügel wurde beim Neubau des Viertels eingeebnet. Dass Burg, Mühle und Mühlkanal so nah beieinander lagen, ist kein Zufall: Wasser war Antrieb und Schutz zugleich. → Der historische Remslauf
Eine Burgstelle aus der Keltenzeit?
Auf dem Gewann Rohrbronner nennt der Heimatverein eine weitere „Burgstelle“: den „Standort einer keltischen Befestigungsanlage“, von der im Gelände noch der bergseitige Verteidigungsgraben sichtbar sei. Das Keuperbergland zwischen Neckar und Schwäbischem Wald war in der Hallstatt- und Latènezeit besiedelt; Grabhügel und Viereckschanzen gibt es in der Region viele. Für Winterbach ist der Rohrbronner die einzige Stelle, die so bezeichnet wird.
Was das Geländemodell zeigt: Im Gewann Rohrbronner gibt es eine einzige deutliche, von Menschen angelegte Rinne: einen Graben, der vom Krebsbach schräg den Hang hinauf am Waldrand entlangzieht, gut 140 Meter lang, dann nach Süden abknickt und als flachere Rinne an der Ostseite eines Blocks alter Weinbergstreifen weiterläuft. Auf der ganzen Länge liegt ein niedriger Wall auf der Innenseite, zum Block hin. Der Block ist also bergseits – nach Norden und Osten – von Graben und Wall umschlossen, nach Westen begrenzt ihn ein Weg und die Klinge des Krebsbachs. Ihm ist die Spurensuche weiter unten gewidmet. Einen Sporn mit ebenem Plateau wie in der Burgklinge gibt es hier nicht; der Block ist ein Hang.
Was wir daraus schließen: Der Graben ist da, sichtbar und eindeutig künstlich. Graben außen, Wall innen, bergseits um eine Fläche gezogen – das ist die Form, die der Heimatverein als „bergseitigen Verteidigungsgraben“ beschreibt, und es ist zugleich die Form eines Triebgrabens, der die Weinberge gegen die Waldweide abschloss. Beides sieht im Relief gleich aus. Ob hier also eine keltische Anlage lag, deren Graben später als Grenze und Triebgraben weiterdiente, oder ob der Graben von vornherein eine Grenze war, kann das Geländemodell derzeit nicht entscheiden – nur Fachleute des Landesamts für Denkmalpflege können das, notfalls mit dem Spaten. Wir halten den möglichen Keltenbezug fest und verfolgen ihn bei Gelegenheit weiter: in der Literatur zur Hallstatt- und Latènezeit im Remstal, in den Fundberichten des Landes und im Gespräch mit dem Heimatverein.
Die Salzstraße
Das Hofhäusle am Hungerberg „liegt an der alten Salzstraße, die von Schwäbisch Hall nach Esslingen verlief“, schreibt der Heimatverein. Salz aus den Haller Solquellen war über Jahrhunderte eine der wichtigsten Handelswaren Württembergs, und die Fuhrleute mieden die sumpfigen Talböden: Sie kamen über die Höhen von Norden, stiegen zur Rems ab, querten den Fluss und stiegen auf der anderen Seite wieder auf – bei Winterbach über den Pflasterweg zum Engelberg. Das erklärt, warum an dieser Remsquerung ein Königshof, eine Wehrkirche und gleich zwei Burgen zusammenkommen: Wer den Übergang hielt, hielt die Straße. Wo genau die Trasse am Hungerberg lief, ist nicht überliefert. Alte Fahrwege hinterlassen Hohlwege, und Hohlwege lassen sich im Geländemodell finden – was wir gefunden haben, steht unten unter „Wo die Salzstraße gelaufen sein könnte“.
Grenzen im Gelände: Triebgraben und Grenzsteine
Entlang des Waldrands am Hungerberg zieht sich der Triebgraben, „bis zur Wüstenfurt reichend“ und „noch teilweise gut erhalten“, wie der Heimatverein schreibt. Ein Triebgraben ist die Grenzbefestigung der Waldweide: ein Graben, eine steile Böschung oder eine Mauer zum Feld oder zu den Weinbergen hin, damit das Vieh, das im Wald weidete, nicht in die Kulturen lief. Solche Gräben markierten zugleich Rechte – wer wo weiden, holzen und lesen durfte. Ähnlich alt sind die Grenzsteine an der Markungsgrenze zu Rohrbronn, das heute zu Remshalden gehört: Sie stehen bis heute an den Knickpunkten der Grenze, oft dort, wo auch ein Graben oder ein alter Weg verläuft.
Was das Geländemodell zeigt: Am Waldrand oberhalb der alten Weinbergstreifen läuft ein Graben mit steiler Böschung bergseits und einem niedrigen Wall talseits – die Form, die zu einem Triebgraben gehört. Er liegt auf der Markungsgrenze. Mehr dazu in der Spurensuche unten.
Hohlwege, Steinbrüche, Kerfgruben
Wo Menschen über Jahrhunderte denselben Hang hinauffuhren, gruben sich die Wege ein: Räder, Hufe und Regen tieften sie zu Hohlwegen, oft mehrere Meter tief. Südlich des Orts schützt das Land einen „gehölzbestandenen Hohlweg“ als Naturdenkmal, auf Remshaldener Seite eine „Mergelgrube und Hohlweg mit Flurgehölz“. Auch die Steinbrüche gehören zu diesen Spuren: der ehemalige Stubensandstein-Bruch am Hungerberg, heute Naturdenkmal, aus dem die Weingärtner ihre Fleins für die Wengertmauern holten, ein weiterer kleinerer Bruch, und die Kerfgruben, aus denen sie Mergel als frischen Boden in die Weinberge trugen. → Als hier Meer war
Was das Geländemodell zeigt: Der Hohlweg südlich des Orts ist im Relief ein bis zu vier Meter tiefer Einschnitt mit Böschungen, die steiler als 35 Grad stehen. Der Stubensandstein-Bruch am Hungerberg zeigt Bruchwände von bis zu fünf Metern Höhe und über 60 Grad Neigung – Wände, die kein Hang von selbst bildet. Der kleinere Bruch ist als Kante von ein bis zwei Metern erkennbar. Alles bestätigt, was der Heimatverein beschreibt.


Naturdenkmale am Hang
Das Land führt am Hungerberg und in den Klingen eine Reihe flächenhafter Naturdenkmale – kleine Schutzgebiete für einzelne Lebensräume, die die Namen der Landschaft tragen: die Rappenklinge, eine „gehölzbestandene und feuchte Talmulde“, den „ehemaligen Steinbruch“, eine „Wegböschung mit Flurgehölz“, ein „Pflanzenvorkommen auf dem Hungerberg“, den „Teich im Gewann Hofäcker“ neben der Burgklinge und – am Übergang nach Rohrbronn – die „Steppenheide und Waldsaum am Böhnlöchle“. Eine Steppenheide ist ein trockener, sonniger Hang mit lichtem Gehölz und Magerrasen, auf Gipskeuper typisch und selten geworden. Alle diese Flächen lassen sich in der Geschichte-Karte einblenden. → Geschichte-Karte · → Tiere und Pflanzen an der Rems
Zu den Spuren am Hang gehört auch ein Stück Sozialgeschichte: das Homöopathenhäusle in der Höffenklinge, 1930 vom Homöopathischen Verein als Licht- und Luftbad gebaut. → Quellen und Hangwasser
Die Spuren auf einer Karte
Burgen, Salzstraße und Steinbrüche, die Hohlwege, die Naturdenkmale und die Weinberge von 1832: Die Geschichte-Karte zeigt, wo die Spuren dieser Seite liegen. Die Lage der Spuren ist nur ungefähr.
Spurensuche: ein Graben am Waldrand
Was uns aufgefallen ist
Am Rand des Hungerbergs, wo die Gemarkung Winterbach an Rohrbronn grenzt, zieht ein Graben vom Krebsbach den Hang hinauf und dann am Waldrand entlang: etwa zwei Meter tief, zehn Meter breit, stellenweise mit Sandsteinen gefasst. Für einen Hohlweg ist er fast zu steil, für einen Bach liegt er falsch – er läuft quer zum Gefälle. Ein Keltenwall? Der Triebgraben des Heimatvereins? Ein alter Weg? Wir wollten es wissen.
Die Flurkarte von 1832
Der erste Griff ging zur ältesten genauen Karte, die es von Winterbach gibt: der württembergischen Flurkarte der Erstvermessung, gezeichnet 1832. Sie zeigt an dieser Stelle einen Block schmaler Streifen mit Rebzeichen – Weinberge im Bohnlöchle – und darüber Wald. Die gestrichelte Linie zwischen beiden ist die Markungsgrenze. Ein Weg ist am Waldrand nicht eingezeichnet.

Das Luftbild
Das heutige Luftbild half nicht weiter: Der Graben liegt unter Bäumen, und wo die Weinberge waren, stehen Streuobst und Hecken. Man sieht Kronen, keinen Boden.
Die Schummerung
Dann das Geländemodell. Das Land Baden-Württemberg vermisst seine Oberfläche mit Laserscannern aus dem Flugzeug und rechnet Bäume und Häuser heraus; übrig bleibt der nackte Boden, alle paar Zentimeter ein Höhenwert. Damit man ihn sieht, wird er als Schummerung dargestellt – ein altes Wort der Kartenmacher: Früher schummerten sie Berge mit dem Stift, indem sie die Schattenseiten dunkler anlegten, damit das Gelände plastisch wirkt. Heute rechnet das der Computer: Ein gedachtes Licht fällt schräg von Nordwesten auf das Modell, jede Kante wirft einen Schatten, jeder Graben wird zur dunklen Linie mit hellem Gegenhang. Unter dem Wald, wo kein Luftbild etwas zeigt, wird der Boden so lesbar wie ein Relief aus Gips.


In der Schummerung ist der Graben eine scharfe, leicht geknickte Linie – gerade Stücke, die sich an den Hang anpassen. Natur macht keine Geraden. Links davon windet sich die Klinge des Krebsbachs, wie Wasser es tut. Und unterhalb des Grabens liegt ein Muster feiner, hangparalleler Stufen.
Übereinandergelegt
Legt man die Flurkarte von 1832 auf die Schummerung, fällt alles an seinen Platz: Der Graben liegt genau auf der gestrichelten Markungsgrenze, am oberen Rand des Weinbergblocks, mit dem Wald auf der anderen Seite. Die feinen Stufen unterhalb sind die Grenzen der Weinbergstreifen von 1832 – sie stehen bis heute im Boden, obwohl die Reben seit Generationen weg sind.


Das Geländemodell liefert auch Zahlen. Ein Schnitt quer durch den Graben zeigt bergseits eine rund fünf Meter hohe Böschung, eine schmale Sohle und talseits einen niedrigen Wall von gut anderthalb Metern; darunter folgt eine fast ebene Terrasse, dann der Hang mit seinen Stufen. Die Sohle selbst steigt entlang des Grabens mit über 25 Prozent an – mehr als das Doppelte dessen, was ein Fuhrwerk bewältigt.
Was wir daraus schließen
Der Graben ist kein Hohlweg: Für Räder ist er viel zu steil, und 1832 führte hier kein Weg. Er ist auch kein Bach. Er ist eine Grenze – der Graben zwischen Wald und Weinberg auf der Markungsgrenze, mit dem Aushub als Wall auf der Weinbergseite. Genau so beschreibt der Heimatverein den Triebgraben: die Grenzbefestigung der Waldweide, damit das Vieh aus dem Wald nicht in die Reben lief. Ob der Graben dafür gezogen wurde oder ob er älter ist und die Grenze ihm nur folgt, kann keine Karte sagen; 1832 war er als Grenze jedenfalls schon da. Und älter könnte er durchaus sein: Der Heimatverein verortet im selben Gewann eine keltische Befestigung mit bergseitigem Graben, und Graben außen, Wall innen, um eine Fläche gezogen, ist genau die Form, die wir sehen. Ein Triebgraben, der einen viel älteren Graben weiterbenutzt, wäre nichts Ungewöhnliches – Grenzen sind zäh. Diesen Faden nehmen wir bei Gelegenheit wieder auf. Sicher ist die Deutung nicht: Das Modell zeigt Formen, nicht Alter und Zweck. Wer solche Spuren findet, sollte nicht graben, sondern sie dem Landesamt für Denkmalpflege melden – Bodendenkmale sind geschützt, und die Fachleute freuen sich über Hinweise.
Und die Schwellen?
Wer am Hungerberg über die Wiesen geht, stolpert immer wieder über Stufen: Ein Waldstreifen liegt einen Meter höher als die Wiese daneben, ein Stückle einen halben Meter tiefer als das nächste, am deutlichsten oberhalb der Wege. Woher kommen sie? Wir haben die Möglichkeiten durchgespielt – was es sein kann, was es eher nicht ist, und was sonst noch infrage käme.
Was es sein kann – am wahrscheinlichsten: ein Stufenrain. Wo über Jahrhunderte am Hang gepflügt oder gehackt wird, wandert Boden innerhalb jedes Grundstücks langsam hangabwärts. An der unteren Grenze bleibt er liegen, an der oberen geht er ab. Ein unbewirtschafteter Rain, eine Hecke oder ein Waldrand behält sein altes Niveau, das bearbeitete Stück daneben wird mit jeder Generation ein wenig tiefer. So entstehen Stufen von einem halben bis zwei Metern – genau an den Grundstücksgrenzen, hangparallel, mit weicher, gerundeter Kante, und gestaffelt: jede Parzellengrenze eine eigene Schwelle. Ein Waldstreifen, der einen Meter über der Wiese liegt, und dahinter die nächste Stufe zum nächsten Stückle – das ist das Bild des Stufenrains. Dass die Stufen oberhalb der Wege am deutlichsten sind, passt dazu: Ein Weg am Hang unterbricht den Bodenfluss, oberhalb staut sich Material, unterhalb fehlt es, und der Weg selbst ist meist in den Hang eingeschnitten und verstärkt die Kante.
Was es auch sein kann: eine aufgegebene Weinbergterrasse. Der Hungerberg war Weinberg, und die Wengerter bauten ihre Terrassen mit Trockenmauern aus Fleins, den harten Sandsteinbänken aus dem Steinbruch am Hang. Nach Aufgabe der Reben sind die Mauern eingefallen und heute oft nur noch grasbewachsene Erdstufen: oben eben, vorn steil, im Wald vom Wurzelfilz gehalten, in der Wiese gerundet. Erkennen lässt sich das am Material – wer an der Kante nachfasst und auf Sandsteinbrocken stößt, hat eine Mauer gefunden – und an der Form: Terrassen sind waagrecht und ebener als ein Rain.
Was es ebenfalls sein kann: ein Lesesteinriegel. Die beim Roden und Hacken aufgelesenen Steine wurden an die Grundstücksgrenze geworfen, Jahr für Jahr. Daraus wird ein Wall, der auf dem Hang liegt, zu beiden Seiten tiefer, und der schnell mit Gehölz zuwächst, weil dort niemand mäht. Ein zehn Meter breiter Waldstreifen genau auf einer Grenze wäre auch so zu erklären – der Unterschied zum Stufenrain ist der Wall selbst: Der Rain ist eine Stufe, der Riegel ein Buckel.
Was es an einer Stelle ist: der Wall zum Graben. Direkt neben dem Graben am Waldrand liegt talseits ein Wall von gut anderthalb Metern, wie das Querprofil zeigt. Das ist schlicht der Aushub des Grabens, auf die Weinbergseite geworfen. Ein Grabenwall liegt immer nur neben der Rinne, ist asymmetrisch – steil zum Graben, flach zum Feld – und läuft mit dem Graben mit, auch um Ecken. Weiter unten am Hang, weit weg vom Graben, kann er nicht die Ursache sein.
Was es eher nicht ist. Eine natürliche Gesteinsstufe scheidet meist aus: Harte Sandsteinbänke treten als Kante zutage, aber sie folgen der Schicht, nicht den Grundstücksgrenzen, und laufen quer durch die Parzellen weiter. Eine Rutschung hinterlässt eine Abrisskante oben und einen wulstigen Fuß unten, dazwischen unruhiges, welliges Gelände; das sieht anders aus als eine saubere, gerade Stufe. Und ein Hohlweg hat zwei Böschungen mit einer Sohle dazwischen, keine einzelne Stufe.
Was sonst noch infrage käme. Grenzhecken, die als Windschutz oder Viehsperre gepflanzt wurden und über die Jahrzehnte Boden aufgefangen haben – eine Spielart des Stufenrains. Alte Wegböschungen, wenn ein heute verschwundener Weg an der Grenze entlanglief; die Flurkarte von 1832 zeigt, wo solche Wege lagen. Und Grenzwälle, die bewusst als Grenze aufgeworfen wurden, wie es bei Markungs- und Herrschaftsgrenzen vorkam – am Hungerberg wären die Grenzsteine der Zeuge.
Wie man es unterscheidet. Die Lage zuerst: Stufen an jeder Parzellengrenze, hangparallel, sprechen für Raine oder Terrassen; ein einzelner Wall neben einer Rinne für den Grabenaushub. Dann das Querprofil: symmetrische, weiche Treppe beim Rain, ebene Stufe mit steiler Front bei der Terrasse, Buckel beim Riegel, asymmetrischer Wall am Graben. Und zuletzt das Material: Sandsteinbrocken in der Kante heißen Mauer, lose Lesesteine heißen Riegel, reiner Boden heißt Rain. Am Waldrand des Hungerbergs zeigt die Schummerung das Muster, das Querprofil die Zahlen, und den Rest sagt der Spaten. Wer gräbt, sollte allerdings wissen: Wo ein Bodendenkmal vermutet wird, ist Graben Sache der Denkmalpflege.
Wo die Salzstraße gelaufen sein könnte
Der Heimatverein sagt: Das Hofhäusle liegt an der alten Salzstraße. Mehr ist nicht überliefert. Aber alte Fahrwege hinterlassen Hohlwege, und Hohlwege lassen sich messen: Wir haben für jeden heutigen Weg und Pfad am Hungerberg aus dem Geländemodell bestimmt, wie tief er unter dem Gelände zu beiden Seiten liegt.

Das Bild zeigt eine Linie, die auffällt: Vom Ortsrand steigt ein Weg nach Norden über die Hofäcker zum Hof und weiter in die Burgklinge – und er liegt auf gut dreihundert Metern zwei bis drei Meter tief im offenen Feld, wo kein Bach ihn gegraben haben kann. Auf der Flurkarte von 1832 ist er als Straße eingezeichnet, als Doppellinie von den Bernhardsäckern durch die Hofäcker bis zum Hof.


Und entlang dieser Linie steht, was alte Straßen begleitet. Am Ortsrand, wo der Hohlweg beginnt, zwei Gruhen – niedrige und hohe Steinbänke, auf denen Trägerinnen und Träger ihre Lasten absetzen und wieder aufnehmen konnten, ohne sie vom Rücken zu heben; solche Bänke standen an Steigen, die zu Fuß mit Kiepe und Kraxe begangen wurden. Oben am Hof die Hofhalle, das Hofhäusle des Heimatvereins: ein Unterstand für Feldarbeiter und Reisende. Und weiter nördlich, wo der Weg aus der Burgklinge auf die Höhe der Berglen kommt, der Königstein an der Straße nach Buoch – eine Steinsäule auf einem Quader, mit Inschriften auf allen vier Seiten. Rastbank, Unterstand, Steinsäule: drei Zeugen alter Wegnutzung auf derselben Linie, dazu die Burg in der Burgklinge daneben, denn eine Burg sichert eine Straße.
Belegt ist damit noch nichts, aber die Hypothese hat Gewicht: Die Salzstraße könnte vom Remsübergang durch den Ort nach Norden über die Hofäcker, den Hof und die Burgklinge auf die Berglen gezogen sein, Richtung Buoch – und von dort weiter nach Winnenden und Backnang, woher das Haller Salz kam. Die Trasse läuft zwischen Bohnlöchle und Höffenklinge hindurch; die Wege dort sind flacher.
Wo 1832 Reben standen
Der Hungerberg war ein Weinberg – das sagt nicht nur die Überlieferung, das zeigt die Flurkarte von 1832. Auf ihr hat jede Nutzung ihr Zeichen: Wald ist mit kleinen Bäumchen gezeichnet, Wiesen mit Punkten und Strichen, Äcker bleiben weiß. Rebland erkennt man an einem kleinen senkrechten Strich mit Fuß, dem Rebpfahl, in jedem der schmalen Weinbergstücke. Wir haben die ganze Karte zwischen Geradstetten und Weiler Kachel für Kachel nach diesen Rebzeichen abgesucht.

Das Ergebnis: 1832 standen allein auf Winterbacher Gemarkung auf rund 90 Hektar Reben, fast alle am Südhang des Hungerbergs zwischen dem Ortsrand und der Waldkante – in den Lagen Hungerberg, Rufen, Rohrbronner, Wanne, Altenberg, Pfaffenbrunn, Hof und Muckenhalde. Heute sind es nach OpenStreetMap noch rund 5 Hektar. Aus den Weinbergen wurden Streuobstwiesen, Gärten, Wald und am unteren Hang Wohngebiete. Anders in Geradstetten und Hebsack: Dort ist ein großer Teil der alten Lagen bis heute Weinberg.
Die Flurnamen Kelteräcker und Kelterwiesenbach erinnern dem Namen nach an eine Kelter. Namen auf -halde bedeuten dagegen einfach „Hang“: Die Gläserhalde oder die Roßhalde etwa liegen außerhalb der Rebflächen von 1832, die Muckenhalde zur Hälfte darin.
Was der Hang noch weiß. Im Geländemodell sind viele der alten Weinbergstücke bis heute zu sehen. Am deutlichsten am Waldrand im Rohrbronner, an dem Block, den wir oben bei der Spurensuche gezeigt haben: 1832 ist er in schmale Weinbergstücke geteilt, jedes mit Rebzeichen. Heute ist dort Wiese und Obstgarten – aber das Gelände hat die alte Einteilung behalten. Quer zum Hang liegen Stufen, längs die alten Grenzen.


Uns sind in diesen Wiesen auch Reihen von Steinen quer zum Hang aufgefallen. Zum Bild von 1832 passen zwei Erklärungen: Reste von Trockenmauern, die die Weinbergterrassen stützten, oder Lesesteinriegel, auf die man die Steine aus dem Boden warf – die Schwellen-Grafik weiter oben zeigt beide. Wer genau hinschaut: Stehen die Steine in einer Front und die Stufe dahinter ist eben, war es eine Mauer; liegen sie lose als Haufen auf der Grenze, war es ein Riegel.
So sind wir vorgegangen: Die Flurkarte des Landesamts haben wir in voller Auflösung ausgewertet und je 25 × 25 Meter gezählt, wie viele Rebzeichen – der kleine Strich mit Fuß für den Rebpfahl – darauf stehen. Baumzeichen und Häuser haben wir mitgezählt, damit Wald, Obstwiesen und die Ortslage nicht fälschlich als Weinberg gelten. Die Flächen von heute stammen aus OpenStreetMap; kleinere Weinberge können dort fehlen. Das Ergebnis ist vereinfacht: Kleine Rebstücke können fehlen, einzelne Flächen falsch zugeordnet sein. Südlich der Rems fanden sich nur vereinzelte, unsichere Treffer; wir haben sie weggelassen. Die Flächen sind auch als Ebene in der Geschichte-Karte zu sehen.
Vom Weinberg zum Wald – wie der Hungerberg genutzt wurde
Der Hang über Winterbach sah nicht immer so aus wie heute. Der Heimatverein Winterbach beschreibt in seinem Infoblatt zu den kulturgeschichtlichen Wegen die Abfolge: Zuerst weidete das Vieh auf der Hochfläche und im angrenzenden Wald, in den flacheren Lagen wurde Ackerbau betrieben. Ab dem hohen Mittelalter, etwa 1100 bis 1300, legte man auch an den steileren Hängen terrassierte Weinberge an. Ab dem frühen 19. Jahrhundert traten Obstbäume an die Stelle vieler Reben, ab 1935 kam teilweise der Weinbau zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele Stücke zu Garten- und Wochenendgrundstücken – und heute wachsen viele davon langsam zu.
Wie das im Gelände aussieht, zeigen die Flurkarte von 1832 und die Luftbilder des Landesamts. Sie decken alle denselben Ausschnitt ab: den Südhang des Hungerbergs zwischen dem Remstal unten und dem Wald oben.

1832: Die Flurkarte zeigt den Hang in schmale Weinbergstücke geteilt, die bis an die Waldkante reichen. Wald gibt es nur oben auf dem Berg und in den Klingen.
Was der Wald verdeckt. Unter den Bäumen ist die alte Einteilung nicht verschwunden. Im Geländemodell, das die Bäume herausrechnet, erscheinen dort, wo 1953 noch offene Stücke mit Obstbäumen lagen und heute Wald steht, gerade Linien und Stufen quer zum Hang – die Grenzen und Böschungen der alten Weinberg- und Obststücke. Das Bildpaar zeigt einen Ausschnitt am Hang unterhalb der Burgklinge. Warum die offenen Stücke, die geblieben sind, so wertvoll sind, steht auf Wald oder Wiese?


Die Waldweide. Bevor Wald und Feld streng getrennt waren, trieben die Bauern ihr Vieh zur Weide in den Wald oberhalb der Weinberge. Der Herdweg diente dem Heimatverein zufolge als Triebweg dorthin, im Gewann Scheuplätze (im Infoblatt „Scheuerplatz“) standen Scheuern, in denen das Weidevieh Unterschlupf fand. Damit das Vieh nicht in die Reben lief, trennte der Triebgraben den Wald vom Weinberg – wie er im Gelände verläuft, haben wir oben beschrieben.
Ein Blick auf den Pfaffenbronn. Auf seinem Pfaffenbronn-Weg weist der Heimatverein bei einer Winterlinde, einem Naturdenkmal, auf ein „Hochtal“ zwischen Waldrand und Weg hin, das wahrscheinlich durch den Abbau von Mergel und Steinen entstanden sei. Im Geländemodell ist die Stelle gut zu sehen: Neben der Linde liegt eine geschlossene Mulde von etwa 60 auf 45 Meter mit flachem Boden, rund 4 Meter tiefer als ihre Ränder – auf einer Hangkante, hinter der der Hang steil zum Remstal abfällt. Eine solche Form entsteht selten von selbst. Sie spricht eher für Abbau, wie ihn das Infoblatt vermutet: In den Kerfgruben gewannen die Weingärtner Mergel, um ihre Weinberge zu düngen, und Steine für die Mauern. Ganz ausschließen lässt sich eine natürliche Entstehung, etwa durch eine Hangrutschung, wie sie im Keuper vorkommt, nicht.
Aufschlussreich ist die Flurkarte von 1832: Genau an dieser Stelle knickt die gestrichelte Grenze zwischen Wald und Weinbergen, und gleich daneben steht der Flurname „Scheuplatz“. Waldrand, Weideplatz und Grube liegen also beieinander. Unter dem heutigen Wald oberhalb zeigt das Geländemodell viele weitere Gruben, Kanten und Halden – vermutlich die Kerfgruben und Steinbrüche, die das Infoblatt am Waldrand nennt. Unterhalb ziehen sich die schmalen Stufen der alten Weinbergstücke durch den Hang, auf denen heute Obstwiesen und Gärten liegen.

1832: Oben der Wald (Räppennest), darunter die schmalen Weinbergstücke im Pfaffenbronn. An der Mulde knickt die gestrichelte Waldgrenze, daneben steht der Flurname „Scheuplatz“.
Das Reliefbild: Stufen, Raine, Gruben. Wie viel von der alten Bewirtschaftung im Hang steckt, zeigt ein Reliefbild des 25-Zentimeter-Geländemodells. Dafür ziehen wir von jedem Punkt die mittlere Höhe seiner Umgebung ab. Übrig bleibt nur das kleine Relief: Was etwas höher liegt als die Umgebung, erscheint hell, was tiefer liegt, blau. Auf dem ganzen Südhang des Hungerbergs fällt dabei ein Unterschied auf. In den Flächen, die 1832 Weinberg waren, ist der Hang fein gegliedert – Stufen, Grenzraine und Terrassen, oft auch dort, wo heute Wald steht. Im alten Wald oben ist das Gelände dagegen glatt; dort fallen nur Klingen, Wege und Gruben auf.

Hinter vielen dieser Stufen können Trockenmauern stecken, die heute verschüttet oder überwachsen sind. Ob an einer Stelle eine Mauer steht oder nur eine Böschung, zeigt allerdings erst der Blick vor Ort. Trockenmauern und Steinriegel sind seit 2022 gesetzlich geschützte Biotope; Eidechsen, Insekten und viele Pflanzen finden in ihren Fugen Platz. Automatisch zählen lassen sich die Stufen übrigens nicht zuverlässig: Ein Rechenverfahren erfasst ebenso Klingenränder, Wegböschungen und Bachufer. Deshalb zeigen wir das Bild und nennen keine Zahl.
Besonders gut zu sehen ist das am Waldrand im Böhnlöchle:

1832: Am Waldrand im Böhnlöchle liegt ein Block aus schmalen Weinbergstücken, links die Klinge des Krebsbachs, oben der Wald.
Wo die Sonne hinkommt – Hangneigung, Ausrichtung und der Weinberg von morgen
Wer draußen Sport treibt, lernt Hänge zu lesen. Auf Skitouren und beim Skifahren abseits der Piste schauen wir auf Steilheit und Himmelsrichtung: Wo hat die Sonne den Schnee schon aufgeweicht, wo liegt er noch pulvrig, wo kann es gefährlich werden? Mit demselben Blick schauen wir hier auf den Hungerberg.
Dass der Hungerberg Weinberg wurde, hat einen einfachen Grund: Er schaut nach Süden. Das Geländemodell macht daraus Zahlen. Wir haben für jeden Quadratmeter der Gemarkung nördlich der Rems berechnet, wie steil er ist und in welche Richtung er fällt.

Das Ergebnis: Außerhalb der Siedlung liegen auf der Hungerbergseite rund 115 Hektar Südhang mit 10 bis 35 Prozent Neigung – die klassische Weinbergneigung, steil genug für Sonne und Kaltluftabfluss, flach genug zum Arbeiten. Fast die Hälfte davon, gut 50 Hektar, liegt im untersten Band zwischen 240 und 280 Metern, direkt über dem Ort; je 20 bis 25 Hektar folgen in den Bändern bis 320 und bis 360 Meter, knapp 15 Hektar zwischen 360 und 400 Metern, darüber nichts mehr – der Hungerberg ist oben aus. Dazu kommen rund 37 Hektar Südhang, die steiler als 35 Prozent sind: die alten Terrassenlagen, die nur mit Mauern zu bewirtschaften waren. Nordhänge gibt es auf dieser Talseite nur 35 Hektar, Ost- und Westhänge 18.
Was heißt das für den Weinbau von morgen? Ein Gedankenexperiment, kein Gutachten: Die Luft wird pro 100 Höhenmeter etwa 0,6 Grad kühler. Erwärmt sich das Klima um zwei Grad, findet man das Klima, das der Weinberg in 300 Metern Höhe früher hatte, rund 300 Meter höher – und so hoch ist der Hungerberg nicht. Der Weinbau kann hier also nicht einfach den Hang hinaufwandern. Er kann um die Ecke wandern: Ost- und Westlagen, die früher zu kühl waren, werden interessant, und die heißesten Südlagen unten am Ort werden für Trollinger und Riesling eher zu warm und zu trocken, für wärmeliebende Sorten dagegen erst recht geeignet. Am Hungerberg wäre die Verlagerung deshalb weniger eine nach oben als eine der Sorten und der Ausrichtung. Und die Kaltluft spielt mit: Die kühlen Nächte, die vom Hang in den Ort fließen, sind dieselben, die den Trauben ihre Säure lassen. → Kühle Luft für Winterbach · → Die Rems wird wärmer · → Weinbau von morgen am Hungerberg
Was das für die Remswelle heißt
Die Remswelle soll an einem Übergang entstehen, der seit tausend Jahren einer ist: Hier querte die Salzstraße den Fluss, hier lagen Königshof und Burgen, hier sicherte später das Wehr das Tal vor Hochwasser. Ein Ort am Wasser, an dem sich Menschen treffen, wäre für Winterbach nichts Neues – nur die Welle wäre es. → Standort Winterbach
Häufige Fragen
Gab es in Winterbach eine Burg?
Ja, sogar zwei: eine kleine Burg in der Burgklinge nördlich der Rems, deren Burgstall erhalten ist und im Geländemodell als Sporn mit Plateau und Halsgraben erscheint, und eine Turmhügelburg mitten im Ort, die 1400 erwähnt wird und beim Neubau des Viertels eingeebnet wurde.
Führte die Salzstraße durch Winterbach?
Nach dem Heimatverein Winterbach lag das Hofhäusle am Hungerberg an der alten Salzstraße von Schwäbisch Hall nach Esslingen; sie querte die Rems bei Winterbach und stieg über den Pflasterweg zum Engelberg auf. Der genaue Verlauf am Hungerberg ist nicht überliefert; das Geländemodell legt als Hypothese einen Hohlweg vom Ortsrand über den Hof in die Burgklinge nahe.
Was ist ein Triebgraben?
Die Grenzbefestigung der Waldweide: ein Graben, eine steile Böschung oder eine Mauer zwischen Wald und Feld oder Weinberg, damit das im Wald weidende Vieh nicht in die Kulturen lief. Am Hungerberg ist er entlang des Waldrands teilweise erhalten; im Geländemodell erscheint er als Graben mit steiler Böschung bergseits und niedrigem Wall talseits.
Waren die Kelten in Winterbach?
Der Heimatverein zeigt auf dem Gewann Rohrbronner den Standort einer keltischen Befestigungsanlage mit sichtbarem Verteidigungsgraben. Im Geländemodell ist dort ein künstlicher Graben auf der Markungsgrenze zu sehen; ob er zu einer Befestigung gehört, ist nicht entschieden. Eine wissenschaftliche Datierung ist nicht veröffentlicht.
Gab es in Winterbach früher Weinbau?
Ja. Die Flurkarte von 1832 zeigt am Südhang des Hungerbergs rund 90 Hektar Weinberge auf Winterbacher Gemarkung. Heute sind es nach OpenStreetMap noch rund 5 Hektar; aus den übrigen Lagen wurden Streuobstwiesen, Gärten, Wald und Wohngebiete.
Was ist eine Schummerung?
Eine Darstellung des Geländes, bei der ein gedachtes Licht schräg auf das digitale Höhenmodell fällt: Hänge zum Licht erscheinen hell, Hänge im Schatten dunkel. So wirkt das Gelände plastisch, und selbst kleine Kanten, Gräben und Wälle werden sichtbar – auch unter Wald, weil die Bäume aus dem Modell herausgerechnet sind. Das Wort kommt vom Schummern, dem Schattieren mit dem Stift, mit dem Kartenzeichner früher Berge darstellten.
Was ist ein Stufenrain?
Eine Geländestufe an einer Grundstücksgrenze am Hang, die durch jahrhundertelanges Pflügen entstanden ist: Der Boden wandert innerhalb jedes Stücks hangabwärts und sammelt sich an dessen unterem Rand, während der unbearbeitete Rain sein Niveau behält. Am Hungerberg zeichnen solche Stufen bis heute die Weinbergstreifen der Flurkarte von 1832 nach.
Quellen: Luftbilder 1953, 1968, 1978, 1993, 2008 (Historische Orthophotos) und digitales Orthophoto: LGL-BW (2026), dl-de/by-2-0 · Weinberge 1832: Historische Flurkarte 1:2500 (Stand 1832), LGL-BW (2026), dl-de/by-2-0, Auswertung der Rebzeichen: Initiative Remswelle; Weinberge heute: © OpenStreetMap-Mitwirkende (landuse=vineyard, Stand 30.09.2026) · Wikipedia, „Burg Winterbach“ und „Turmhügelburg Winterbach“ (abgerufen 29.09.2026), nach Walter Wannenwetsch in: Die Burgen im Rems-Murr-Kreis (1994) · Heimatverein Winterbach e. V., „Kulturgeschichtliche Wege um den Hungerberg“, Infoblatt und Faltblatt (2019, Remstal Gartenschau) · Heimatverein Winterbach e. V., „Steinbrecher in Winterbach“ (05.04.2021) · LUBW, Verzeichnis der flächenhaften Naturdenkmale (Rems-Murr-Kreis), Grundlage: Daten aus dem Umweltinformationssystem (UIS) der LUBW · LGL Baden-Württemberg, Digitales Geländemodell DGM1 und DGM025, Digitales Orthophoto und Historische Flurkarte 1:2500, Stand 1832, Datenlizenz Deutschland – Namensnennung 2.0; Auswertung: Initiative Remswelle · OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), Einträge Gruhe, Hof-Halle, Königstein, Wege und Pfade (abgerufen 29.09.2026) · Homöopathischer Verein Winterbach und Umgebung e. V., Chronik des Vereins
Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2026 · Initiative Remswelle