Remswelle

Rems und Winterbach · Fluss, Wasser, Natur und Geschichte

Die vergessene Welle von Winterbach

Von Holztrift, Wasserzurückhaltung und der Rückkehr der Remswelle

Wurde auf der Rems schon vor 300 Jahren gesurft? Die Frage klingt verrückt. Aber je länger wir in alten Akten lesen, desto weniger verrückt wird sie. Denn drei Dinge sind belegt: Durch Winterbach trieb über ein Jahrhundert lang Holz den Fluss hinab. Dafür wurde Wasser in künstlichen Seen gesammelt und gezielt freigegeben. Und im Winterbacher Mühlwehr gab es eine Floßgasse – eine verengte Passage, durch die das Wasser schoss. Ob dahinter je eine surfbare Welle stand und ob je ein Mensch versucht hat, sie zu reiten, wissen wir nicht. Genau deshalb gehen wir auf Spurensuche.

Illustration, keine historische Abbildung
Illustration, keine historische Abbildung: So könnte die Trift an einer Floßgasse im Remstal um 1750 ausgesehen haben. Illustration Initiative Remswelle, KI-gestützt.

Der Stand unserer Spurensuche

Die Spurensuche in vier Kapiteln

→ Als die Rems Brennholz transportierte – Wie das Holz aus dem Schwäbischen Wald nach Ludwigsburg kam: die Trift von 1715 bis 1862, die Männer im Wasser, die Mühlen im Stillstand – und was die Akten über Winterbach sagen.

→ Das Netz der Schwellseen – Ebnisee, Walkersbacher See und ihre kleinen Geschwister: Wie man vor 280 Jahren Wasser zurückhielt, um es auf einen Schlag zu nutzen. Alles davon floss durch Winterbach.

→ Das Rätsel der Floßgasse – Die Detektivgeschichte: eine Erwähnung von 1660, ein Inventar von 1736, eine Akte im Staatsarchiv – und die Frage, wo im alten Mühlwehr die Gasse saß.

Visualisierung (KI-erzeugt), keine historische Darstellung
Visualisierung (KI-erzeugt), keine historische Darstellung: ein Trifter, der im tosenden Wasser auf einem treibenden Holz balanciert. So könnte der erste Remssurfer ausgesehen haben – ob es ihn gab, weiß niemand.

→ Der erste Remssurfer? – Das Gedankenspiel zum Schluss: Hätte es gehen können? Was Flößer anderswo auf treibendem Holz taten, wer 1955 die erste Flusswelle Europas ritt – und warum wir ehrlich sagen: belegt ist nichts.

Warum uns diese Geschichte nicht loslässt

Die Trift war das Gegenteil dessen, was wir heute wollen – und gerade darum lohnt der Blick zurück. Damals wurde Wasser in Seen gesammelt, um es stoßweise zu verschwenden: ein paar Tage Schwall, dann war es fort. Die Oberamtsbeschreibung von 1851 hält sogar fest, dass „die Fischbruten durch das Holzflößen leiden". Heute denken wir umgekehrt: Nicht Wasser sammeln und ablassen, sondern die Landschaft so stärken, dass sie Wasser hält und langsam abgibt. Gespeichertes und stoßweise freigegebenes Wasser ist für die Remswelle kein Konzept – weder aus dem Ebnisee noch sonst woher. Die Welle soll mit dem Wasser laufen, das die Rems von sich aus führt. Wie Landschaft und Surftage zusammenhängen, steht im roten Faden unserer Seiten: → Mehr Flow für die Rems

Häufige Fragen

Wurde auf der Rems wirklich gesurft?

Das wissen wir nicht – und behaupten es nicht. Belegt sind die Holztrift (1715–1862), die Schwellseen und die Winterbacher Floßgasse. Ob dort eine surfbare Welle stand und ob je jemand versucht hat, sie zu reiten, ist offen beziehungsweise unbelegt. Unsere Seiten trennen das sauber: Was wir wissen, was wir vermuten, was wir noch herausfinden möchten.

Was ist eine Floßgasse?

Eine Öffnung oder Rinne im Mühlwehr, durch die das Triftholz samt Wasser am Wehr vorbeigeleitet wurde, ohne die Mühle zu beschädigen. Die württembergische Müllerordnung von 1627 verpflichtete die Wehrbesitzer, solche „Flotz-Gassen" zu öffnen und das Holz „ohnverhindert" durchzulassen.

Will die Initiative Wasser aufstauen und ablassen wie damals?

Nein. Die historischen Schwellseen erzählen wir als Geschichte. Für die Remswelle planen wir keinen Schwallbetrieb – die Welle soll laufen, wenn die Rems von sich aus genug Wasser führt. Mehr Surftage wollen wir über eine Landschaft erreichen, die Wasser speichert und langsam abgibt. → Mehr Flow für die Rems

Woher stammt das Wissen auf diesen Seiten?

Aus dem Forschungsaufsatz von Uwe Jens Wandel (1987), der die Akten der Staatsarchive ausgewertet hat, aus den Oberamtsbeschreibungen von 1845 und 1851 und aus den Online-Findmitteln des Landesarchivs Baden-Württemberg. Die Akte „Floßgasse zu Winterbach" haben wir dort gefunden – einsehen konnten wir sie noch nicht. Jede Seite nennt ihre Quellen.

Quellen: Uwe Jens Wandel, „Zur Flößerei auf Rems und Wieslauf", in: Waiblingen in Vergangenheit und Gegenwart, Bd. 9 (1987), S. 177–195 · Beschreibung des Oberamts Schorndorf, Stuttgart 1851, Kapitel A 5 (Wikisource) · Beschreibung des Oberamts Welzheim, Stuttgart 1845, Kapitel A 2 (Wikisource) · Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Ludwigsburg, F 120 Bü 153 „Floßgasse zu Winterbach" (Online-Findmittel, Permalink (öffnet in neuem Tab)) · → Die Rems im Wandel

Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2026 · Initiative Remswelle