Projekt Remswelle
Das Remswehr in Winterbach
Wenige Gehminuten vom Ortskern und vom S-Bahn-Halt entfernt fließt die Rems unter der Brücke der Ostlandstraße durch das Durchlassbauwerk des Hochwasserrückhaltebeckens Schorndorf/Winterbach – vor Ort „Remswehr“ genannt. Bei normalem Wasserstand fließt sie hier eben hindurch; nur bei Hochwasser schließen sich die Tore des Bauwerks und stauen das Tal oberhalb ein. Betonblöcke – die Trittsteine – queren den Fluss, die Ufer sind mit Steinen befestigt, direkt daneben führt der Remstal-Radweg vorbei. Hier soll die Remswelle entstehen.

VisualisierungGanz neu wäre es nicht, dass die Rems in Winterbach etwas trägt: Bis 1862 trieb auf ihr Brennholz für Ludwigsburg, durch eine Floßgasse auch am Winterbacher Mühlwehr. → Die Rems im Wandel
Was der Ort mitbringt
- Ein Bauwerk, das es schon gibt. Das Durchlassbauwerk verengt den Fluss und kann ihn mit seinen Toren aufstauen. Eine Stufe, über die das Wasser fällt, gibt es heute nicht – das Gefälle für eine Welle muss erst erzeugt werden, durch einen Einbau oder über das Bauwerk selbst. Inwiefern sich dafür das Vorhandene nutzen lässt, klärt die Machbarkeitsprüfung.
- Befestigte Ufer und Zugang. Uferbefestigung, Trittsteine und Wege sind vorhanden. Die vorhandene Infrastruktur kann weitgehend genutzt werden; ein neuer Standort auf unbebauter Fläche wäre nicht nötig.
- Erreichbarkeit. Der S-Bahn-Halt Winterbach liegt wenige Gehminuten entfernt, der Remstal-Radweg führt direkt am Wehr vorbei. Wer surfen will, kommt ohne Auto.
Ein Ort, an dem man gern bleibt
Heute ist der Bereich unter der Brücke wenig genutzt: befestigte Böschungen, Graffiti, kaum ein Platz zum Sitzen. Mit einer Welle könnte daraus ein Treffpunkt am Wasser werden – auch für alle, die nie selbst surfen: zum Zuschauen, Verweilen und Ausruhen am Radweg. Die Fläche liegt außerhalb des Hochwasserrückhaltebeckens auf der Winterbacher Seite. Wie ein solcher Ort gestaltet wird, ist Sache einer späteren Planung mit Gemeinde und Wasserverband; das Bild zeigt nur eine Idee. Mehr über den Fluss an dieser Stelle: → Die Rems in Winterbach

VisualisierungWie man vom Gleisdorfer Platz auf beiden Ufern bis hierher gehen könnte, zeigt unsere Vision eines Rundwegs an der Rems. → Uferwege an der Rems
Die Lücke, die Winterbach schließen kann
Die Region Stuttgart hat 2,8 Millionen Einwohner auf 3.654 Quadratkilometern – fast so viele Menschen wie die gesamte Metropolregion Nürnberg auf einem Sechstel der Fläche. Nürnberg hat eine Flusswelle, München zwei, die Region Stuttgart keine. Die nächste liegt in Pforzheim, gut eine Stunde entfernt; Nürnberg und München sind mehr als zwei Stunden weit. Winterbach liegt mitten in diesem Einzugsgebiet, mit S-Bahn-Anschluss. → Karte aller Flusswellen
Zwei Varianten
Variante Wehr. Die Welle entsteht direkt am Durchlassbauwerk unter der Brücke. Dort, wo das Bauwerk den Fluss ohnehin verengt, würde ein Einbau das Wasser so beschleunigen und führen, dass ein hydraulischer Sprung entsteht – eine gezielte, eher schmale Welle. Vorteil: wenig Eingriff, die bestehende Bausubstanz wird genutzt. Nachteil: Der Raum unter der Brücke ist begrenzt, der Einstieg muss gelöst werden.
Variante Trittsteine. An der Reihe von Betonblöcken, die vor dem Bauwerk als Trittsteine durch die Rems führen. Hier ist der Fluss breiter; die Welle könnte breiter ausfallen, mit größerem nutzbaren Bereich („mehr Flow“). Der Eingriff in die Sohle wäre größer. Geprüft werden soll auch, ob sich die Trittsteine teilweise schließen lassen, um das Wasser auf eine Rampe zu lenken – mit Verschlüssen, die sich bei Hochwasser und Niedrigwasser öffnen lassen.
Welche Variante trägt, entscheidet die Machbarkeitsprüfung anhand von Abfluss, dem Gefälle, das sich erzeugen lässt, und den Auflagen des Wasserrechts – und im Gespräch mit dem Wasserverband Rems, dem das Bauwerk gehört.
Was geklärt werden muss
Wasser. Wie viel Wasser die Rems bei Winterbach im Jahresverlauf führt und ab welchem Abfluss eine Welle surfbar ist, ermittelt die Machbarkeitsprüfung; die Zahlen veröffentlichen wir hier, sobald sie belastbar sind. Entscheidend ist, an wie vielen Tagen im Jahr genug Wasser da ist – und wie die Welle bei Niedrigwasser abgeschaltet und bei Hochwasser unschädlich gemacht wird. Zur Einordnung die Kennwerte des Landespegels Schorndorf, wenige Kilometer oberhalb (Einzugsgebiet 418 km²), aus den Tagesmittelwerten der LUBW 1932–2025: mittlerer Abfluss 5,2 m³/s, mittlerer Niedrigwasserabfluss 0,9 m³/s, mittlerer Hochwasserabfluss 69 m³/s; im letzten Jahrzehnt liegen alle drei Werte niedriger. Was das für surfbare Tage bedeutet, haben wir aus über 90 Jahren Pegeldaten abgeschätzt: Abfluss der Rems – wie viele Tage im Jahr wäre eine Welle surfbar? Wer sehen will, wie viel Wasser die Rems gerade führt: Die Hochwasservorhersagezentrale des Landes zeigt den Pegel Schorndorf, wenige Kilometer oberhalb, laufend an (Pegel Schorndorf/Rems, HVZ Baden-Württemberg (öffnet in neuem Tab)). Wie sauber das Wasser ist, behandelt der Artikel Wasserqualität der Rems.
Hochwasserschutz. Das Remstal hat 2024 erlebt, was Hochwasser bedeutet. Die Remswelle darf den Hochwasserabfluss nicht verschlechtern. Verstellbare Systeme, wie sie in Nürnberg und Hannover laufen, werden bei Hochwasser komplett aus dem Wasser genommen. Das Wehr selbst ist Teil dieses Schutzes: Es ist das Durchlassbauwerk des Hochwasserrückhaltebeckens Schorndorf/Winterbach, das der Wasserverband Rems im Oktober 2005 in Betrieb genommen hat; bei Hochwasser werden hier die Tore geschlossen, und das Tal oberhalb wird zum Stauraum. Jede Welle muss so gebaut sein, dass das unverändert funktioniert – der Verband ist dafür unser erster Ansprechpartner.
Fische und Gewässerökologie. Die Wasserrahmenrichtlinie verlangt Durchgängigkeit. In Nürnberg wurde die Welle mit einer Fischtreppe gebaut. Für die Rems wird die ökologische Bewertung Teil des Verfahrens sein. Die Durchgängigkeit für Fische ist für uns Bedingung, nicht Verhandlungsmasse: Eine Anlage muss passierbar bleiben – etwa absenkbar wie in Pforzheim oder mit einer Umgehung wie in Nürnberg. Wie das am Remswehr gelingt, klärt die Machbarkeitsprüfung mit den Fachleuten.
Brücke. Die Welle liegt in der Nähe der Brückenpfeiler. Ob und wie sich veränderte Strömung auf das Bauwerk auswirkt, ist eine Frage an die Tragwerksplanung – und an den Träger der Brücke, mit dem wir das Gespräch suchen werden.
Diese Fragen sind kein Grund, es nicht zu versuchen. Sie sind der Grund, es ordentlich zu machen. Mehr dazu im Wissensbereich: Ökologie und Genehmigung.