Rems und Winterbach · Fluss, Wasser, Natur und Geschichte
Was hat das alles mit Surfen zu tun?
Wer sich auf remswelle.de umsieht, findet Seiten über Hochwasser und Kaltluft, über Weinberge von 1832, Zisternen und Bienen. Auf einer Website, die für eine Surfwelle wirbt, ist das ungewöhnlich. Diese Seite erklärt, warum es zusammengehört.
Wir wollen nicht nur eine Welle bauen. Wir wollen verstehen, woher ihr Wasser kommt. Eine Flusswelle lebt vom Wasser, das die Landschaft der Rems zuführt. Für uns ist deshalb nicht nur wichtig, wie viel Regen fällt, sondern was danach mit ihm passiert. Läuft er in wenigen Stunden ab, schwillt die Rems kurz an – und fällt bald wieder. Kann die Landschaft einen Teil davon aufnehmen und langsam wieder abgeben, bleibt länger Wasser im Fluss.
Eine Welle braucht nicht möglichst viel Wasser auf einmal. Sie braucht möglichst lange genug davon.
Das Schöne daran: Für die Welle müssen wir nichts Eigenes verlangen. Was der Landschaft guttut – Böden, die Wasser halten, Natur- und Gewässerschutz, wiederentdeckte alte Landschaftselemente wie Weinbergmauern, Raine und gepflegte Streuobstwiesen –, nützt auch dem Fluss. Mehr Surftage sind dabei ein Nebenprodukt. → Nachhaltigkeit: warum die Remswelle mehr bewegt

Drei Gründe, warum Surfer über Böden, Bäche und Bienen schreiben
1. Wasser für die Welle. Die Welle läuft nur, wenn die Rems in einem bestimmten Bereich liegt – nach unserer Annahme zwischen 3 und 15 Kubikmetern pro Sekunde. Darunter fehlt Wasser, darüber wird die Anlage aus Sicherheitsgründen abgesenkt. Entscheidend ist also, wie viele Tage der Fluss zwischen diesen beiden Grenzen verbringt. Und das hängt an der Landschaft. → Wasserführung der Rems
2. Nur im Einklang mit Natur- und Gewässerschutz. Eine Remswelle wird es nur im Einklang mit Natur- und Gewässerschutz geben – und das wollen wir auch so. Deshalb schauen wir uns genau an, was an der Rems und in ihrer Umgebung lebt und wie es zusammenhängt: Fische und Kleintiere, Wildbienen und Falter, Hecken, Wiesen und Waldränder. → Tiere und Pflanzen der Rems · → Zu viele Bienen?
3. Surfer lesen Landschaften. Am Meer beobachten wir Wind, Strömung, Gezeiten und Wellen. An der Rems beobachten wir Wasser, Gelände und Luft. Wasser fließt durch Täler – kalte Luft übrigens auch. Wer einen Fluss nutzen möchte, sollte seine Landschaft verstehen. Und was man kennt und schätzt, das schützt man. Luft und Wasser hängen dabei enger zusammen, als man denkt: Die offenen Wiesen, Streuobsthänge und Talauen, über die nachts die kühle Luft in den Ort fließt, sind meist dieselben Flächen, die Regen aufnehmen. Wer die Kaltluftbahnen freihält, hält auch die Schwammflächen frei – gut für kühle Nächte in Winterbach und für die Rems. → Kühle Luft für Winterbach · → Spuren im Hungerberg
Wie Landschaft und Welle zusammenhängen
So lesen Sie das Bild: Beide Male fällt gleich viel Regen, und gleich viel Wasser kommt in der Rems an. Links schießt es auf einmal durch: Erst ist es zu viel für die Welle, kurz danach schon zu wenig. Rechts hält der Boden das Wasser fest und gibt es langsam ab. Dann bleibt die Rems länger in dem grünen Bereich, in dem die Welle läuft. Das ist der ganze Trick.
Regen nimmt zwei Wege zur Rems. Der schnelle Weg führt über die Oberfläche: über verdichtete oder versiegelte Böden, Straßen, Dächer und Kanäle in die Bäche. Er bringt viel Wasser in kurzer Zeit. Der langsame Weg führt durch den Boden: Wasser versickert, wird in Poren, Humus und Wurzelraum gehalten, sickert ins Hang- und Grundwasser und tritt Tage oder Wochen später an Quellen und im Bachbett wieder aus. Dieser langsame Teil hält die Rems am Leben, wenn es länger nicht regnet.
Nach unserer Auswertung der Pegelreihe Schorndorf kommt von 1996 bis 2025 gut die Hälfte des Rems-Wassers auf dem schnellen Weg, knapp die Hälfte auf dem langsamen. Jeder Tropfen, der vom schnellen auf den langsamen Weg wechselt, verschiebt Wasser aus der Spitze nach einem Regen in die Tage und Wochen danach. Genau dort liegen die Surftage, die heute knapp verloren gehen. → Wasser in Winterbach
Die Rems ist sprunghafter geworden
Aufgefallen ist uns das beim Auswerten der Pegelreihe: Die Rems bringt heute im Mittel so viel Wasser wie vor 90 Jahren – aber es kommt sprunghafter. Nach Regen steigt sie stärker an, danach fällt sie schneller wieder ab.
So lesen Sie die Grafik: Jeder Balken zeigt, wie stark der Abfluss der Rems in einem Jahrzehnt von Tag zu Tag geschwankt hat. Gemessen wird das mit dem Flashiness-Index: Man addiert, um wie viel sich der Abfluss jeden Tag gegenüber dem Vortag verändert hat, und teilt durch die gesamte Wassermenge. Je höher der Wert, desto sprunghafter der Fluss. Grau sind die Jahrzehnte bis 1979, orange die letzten dreißig Jahre.
- Von 1931 bis 1979 lag der Index im Mittel bei 0,31, von 1996 bis 2025 bei 0,37 – rund 17 Prozent höher.
- Der mittlere Abfluss ist dabei praktisch gleich geblieben: 5,1 und 5,0 Kubikmeter pro Sekunde.
- Über alle 89 vollständigen Jahre ist der Anstieg statistisch deutlich (Trendtest nach Mann und Kendall, Irrtumswahrscheinlichkeit unter 0,1 Prozent). Ein Zufall ist das nicht.
Für die Welle ist das genau die falsche Richtung: Mehr Wasser in kurzen Spitzen, in denen die Welle abgesenkt werden muss, und schneller wieder zu wenig. Woran es liegt, können wir aus der Pegelreihe allein nicht trennen. Wahrscheinlich wirkt vieles zusammen – heftigere Regen im Klimawandel, versiegelte und drainierte Flächen, begradigte Bäche. Die Rückhaltebecken seit 2005 wirken sogar in die andere Richtung. Für uns war der Befund der Anlass, uns bewusst mit der Geschichte der Landschaft zu befassen: mit der Flurkarte von 1832, alten Luftbildern, Flurnamen und dem Geländemodell. Sie zeigen, wie das Remstal am Beispiel Winterbach früher aussah – mit Mäandern, nassen Wiesen und Weinbergstufen – und wo die Landschaft Wasser gehalten hat. Daraus holen wir uns Anregungen, wie die Rems wieder gleichmäßiger fließen kann. → Aus der Geschichte lernen
Ein Rechenspiel mit unseren Pegeldaten
Wie viel könnte das ausmachen? Eine Prognose können wir nicht rechnen. Ein Rechenspiel schon. Wir nehmen die gemessenen Tageswerte der Rems in Schorndorf von 1996 bis 2025 und fragen: Was wäre, wenn ein Teil des schnellen Abflusses stattdessen versickert wäre und über einige Wochen verteilt zurückgekommen wäre? Ein Teil davon verdunstet unterwegs; wir setzen dafür 30 Prozent an.
So lesen Sie die Grafik: Die rote Linie zeigt, an wie vielen Tagen eines Monats die Welle heute im Mittel laufen könnte. Die grüne Linie zeigt dasselbe, wenn die Landschaft ein Fünftel des schnellen Abflusses hält. Die grüne Fläche dazwischen sind die gewonnenen Surftage – zusammen 15 im Jahr. Die gestrichelte Linie zeigt die obere Grenze, wenn unterwegs nichts verdunstet: dann wären es 23.
So lesen Sie die Grafik: Der graue Balken oben zeigt, an wie vielen Tagen im Jahr die Rems von 1996 bis 2025 im Mittel im Betriebsfenster lag: an 149 Tagen. Darunter dieselbe Rems im Rechenspiel. Der orange Teil ist der Gewinn: rund eine Woche, wenn ein Zehntel des schnellen Abflusses in der Landschaft bleibt, rund zwei Wochen bei einem Fünftel. Ohne Verdunstung wären es 11 und 23 Tage – das ist die obere Grenze. Bei einem Fünftel liegt der Gewinn also zwischen 15 und 23 Surftagen im Jahr, je nachdem, wie viel Wasser unterwegs verdunstet.
So lesen Sie die Grafik: Grau ist, was die Rems im Frühjahr 2018 tatsächlich gemacht hat, orange dieselbe Rems im Rechenspiel. Den Zeitraum haben wir ausgewählt, weil der Unterschied hier gut zu sehen ist. Nach jedem Regen steigt die orange Linie etwas weniger hoch und fällt danach etwas langsamer. Wo die graue Linie knapp unter 3 m³/s rutscht, bleibt die orange noch darüber – das sind die grünen Tage. Mitte Juni bleibt die orange Spitze unter 15 m³/s, während die graue darüber steigt: Auch dort gewinnt die Welle einen Tag.
Was das Rechenspiel zeigt:
- Der Gewinn entsteht vor allem in den Tagen und Wochen nach Regenphasen, wenn die Rems langsamer unter die untere Grenze fällt. Eine lange Trockenzeit überbrückt auch ein guter Schwamm nicht.
- Die Spitzen werden gedämpft, aber nicht abgeschnitten. Der höchste Tageswert der 30 Jahre sinkt im Rechenspiel von 145 auf 131 m³/s (10 Prozent) oder 118 m³/s (20 Prozent). Den Hochwasserschutz ersetzt das nicht.
- 10 Prozent klingen wenig, sind aber viel. Es hieße, dass im ganzen Einzugsgebiet der Rems oberhalb von Schorndorf, auf 418 Quadratkilometern, im Jahr rund 21 Liter pro Quadratmeter zusätzlich im Boden bleiben. Das schafft kein einzelner Ort.
Ein Rechenspiel ist keine Vorhersage. Es zeigt die Richtung und die Größenordnung – und dass es sich lohnt, darüber zu reden. Wie wir gerechnet haben, steht unten. → So haben wir gerechnet
Was Wasser hält – sechs Hebel
| Hebel | Was er bewirkt | Mehr dazu |
|---|---|---|
| Humusreiche Böden | nehmen Regen besser auf und speichern mehr davon | Wald oder Wiese? |
| Wiesen, Streuobst, Wald | bremsen den Abfluss an der Oberfläche, Wurzeln öffnen den Boden | Wald oder Wiese? |
| Raine, Terrassen, Mauern | gliedern den Hang in viele kleine Stufen | Spuren im Hungerberg |
| Retentionszisternen | halten Regen vom Dach zurück und geben ihn gedrosselt ab | Schwammlandschaft |
| Entsiegelung | lässt Regen dort versickern, wo er fällt | Starkregen in Winterbach |
| Auen und naturnahe Bäche | geben hohem Wasser Raum und halten es in der Fläche | Renaturierung Winterbach |
Der Boden als Wasserspeicher

Der größte Speicher der Landschaft ist kein Becken, sondern der Boden. Regen fällt auf die Pflanzendecke, sickert in den Oberboden, wird in Poren, Humus und Wurzelraum gehalten, wandert ins Hang- und Grundwasser und kommt an Quellen und Bächen wieder heraus. Wie gut das gelingt, hängt stark am Humus. Die Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg nennt für Weinbergsböden mit steigendem Humusgehalt eine verbesserte Wasserspeicherung, eine bessere Wasseraufnahme bei Starkregen und eine geringere unproduktive Verdunstung. Ein Boden, der befahren und verdichtet wird, verliert diese Fähigkeit – und einmal zerstörter Boden lässt sich nicht wiederherstellen, wie das Umweltministerium Baden-Württemberg festhält.
Und was ist mit Pflanzenkohle und Terra Preta?
Terra Preta, die „schwarze Erde“ aus dem Amazonasgebiet, ist ein von Menschen über Jahrhunderte angereicherter Boden mit Holzkohle, Küchen- und Pflanzenresten. Heute wird Pflanzenkohle oft als Mittel für bessere Böden empfohlen. Das Umweltbundesamt schreibt, dass sie durch ihre poröse Struktur und große innere Oberfläche Wasser und Nährstoffe speichern kann. Die Kommission Bodenschutz beim Umweltbundesamt mahnt aber zur Vorsicht: Die Wirkungen hängen stark vom Ausgangsmaterial ab, die Aussagen zu den Folgen im Boden sind widersprüchlich, und die Effekte auf das Bodenleben sind noch nicht ausreichend verstanden. Für uns heißt das: ein spannender Baustein, keine Lösung. Der sichere Weg zu mehr Wasser im Boden bleibt Humus – durch Bewuchs, Wurzeln, Kompost und einen Boden, der nicht verdichtet wird.
Viele kleine Stufen statt einer Falllinie

Wo heute am Hungerberg Wald und Wiese stehen, lagen um 1832 rund 90 Hektar Weinberge. Das Geländemodell zeigt bis heute ihre Spuren: Stufen, Raine und Mauerreste, die den Hang in viele kleine Abschnitte gliedern. Solche Strukturen verändern, wie schnell Wasser und Boden einen Hang verlassen. Die Weinsberger Versuchsanstalt beschreibt für die Weinberge am Neckar, wie in den Trockenmauern behauene Keupersandsteine die Mergel vor dem Abrutschen sichern. Dass sie den Abfluss der Rems messbar verändern, behaupten wir nicht. Aber die alten Weinberge zeigen, wie stark Menschen den Weg des Wassers am Hang früher gestaltet haben.
Sollten alte Terrassen am Hungerberg wieder sichtbar werden? Die Frage verbindet Geschichte, Landschaftsbild, Artenvielfalt, Weinbau und Wasser. Eine einfache Antwort gibt es nicht: Trockenmauern sind als Biotope gesetzlich geschützt, und wo der Hang längst zugewachsen ist, kann aus der Fläche rechtlich Wald geworden sein. Was sich ohne Weiteres sagen lässt: Mauern und Raine, die es noch gibt, lohnt es zu erhalten. → Spuren im Hungerberg · → Weinbau von morgen
Pflegen statt verbuschen lassen
Ähnlich ist es mit den Streuobstwiesen. Viele Stückle am Hang werden heute nicht mehr regelmäßig gemäht; sie verbuschen, und aus offener Wiese wird nach und nach Gestrüpp und Wald. Eine gemähte Streuobstwiese mit dichter Grasnarbe und humosem Boden ist nach unserer Beobachtung am Hungerberg der bessere Schwamm. Damit Stückle gepflegt werden, muss man hinkommen – mit Mäher, Anhänger und Leiter. Gut befahrbare Feldwege sind deshalb keine Nebensache, sondern eine Voraussetzung dafür, dass die Landschaft am Hang offen und Wasser in ihr bleibt. Ist ein Feldweg schwer befahrbar? In der Feldwege-Karte sind alle Feldwege eingezeichnet. Schicken Sie uns ein Foto mit Ort oder Koordinaten an info@remswelle.de. Wir sammeln die Hinweise und geben sie gebündelt weiter. → Feldwege-Karte · → Wald oder Wiese?
Aus der Geschichte lernen
Weil die Rems sprunghafter geworden ist, schauen wir uns an, wie sie und ihre Hänge früher aussahen: auf der Flurkarte von 1832, in Luftbildern seit 1953, im Geländemodell. Nicht, weil wir zurück in eine frühere Zeit wollen, sondern weil die alte Landschaft zeigt, wie Wasser, Boden und Leben hier zusammengespielt haben, bevor Flüsse begradigt, Bäche verdolt und Hänge umgenutzt wurden. Das ist kein Sonderweg von Surfern, sondern gängige Praxis: Bei der Renaturierung von Gewässern dient der naturnahe Zustand als Leitbild, und die Wasserrahmenrichtlinie misst den Zustand der Fische an einer Referenz: den Arten, die in einem naturnahen Zustand zu erwarten wären. Was die alte Rems an Mäandern, Auen und nassen Wiesen hatte, und was die Hänge an Stufen, Rainen und Wiesen hatten, sind Hinweise darauf, wo Wasser gehalten werden kann. → Historischer Remslauf · → Renaturierung Winterbach · → Tiere und Pflanzen
Auch mit Wasser zurückhalten hat das Remstal Erfahrung – nur mit dem umgekehrten Ziel: Für die Holztrift staute man es in Schwellseen und ließ es auf einen Schlag ab. Wir wollen, dass die Landschaft Wasser hält und langsam wieder hergibt. → Die vergessene Welle von Winterbach
Früher schnell ableiten, heute auch halten
Zwischen 1958 und 1968 wurde Winterbach „hochwasserfrei gelegt“: Damm im Lehenbachtal, Verdolung des oberen Fleckenbachs, Abbau des alten Remswehrs, Verfüllung des Mühlkanals. Der Gedanke dahinter war, das Wasser so schnell wie möglich aus dem Ort zu bringen. Das hat Winterbach sicherer gemacht. Heute kommt ein zweiter Gedanke dazu: Wasser dort zu halten, wo es fällt. → Hochwasserschutz an der Rems
Beides gilt auch für neue Baugebiete. Die Riedwiesen am Ostrand tragen ihren Namen von Schilf und Sumpf; nach der Begründung des Bebauungsplans lag das Gebiet früher teilweise im Bereich des hundertjährlichen Hochwassers, und das Regenwasser wird heute der Mischkanalisation zugeführt. Ein Schwamm wird dort zum Wohngebiet. Wir hätten die Riedwiesen lieber in drei Abschnitten über einige Jahre bebaut gesehen, so wie der Sterrenberg in Etappen gewachsen ist: Dann liegt nicht so viel Boden auf einmal offen und wird befahren, man kann aus dem ersten Abschnitt für die nächsten lernen – und mehrere Jahrgänge junger Winterbacherinnen und Winterbacher finden einen Bauplatz im Ort. → Winterbach wächst
Winterbach allein kann die Rems nicht zum Schwamm machen
Für die Welle zählt das Wasser, das von oben kommt. Was in Winterbach versickert, fließt größtenteils unterhalb der Wellenstelle in die Rems. Die Hebel liegen im Einzugsgebiet oberhalb: von Essingen, Mögglingen, Böbingen und Schwäbisch Gmünd über Lorch, Plüderhausen und Urbach bis Schorndorf, dazu die Wieslauf mit Kaisersbach, Welzheim und Rudersberg, der wichtigste Zufluss für die Welle. → Zuflüsse der Rems · → Karte der ganzen Rems
Winterbach allein kann die Rems nicht zum Schwamm machen. Aber Winterbach kann zeigen, wie es geht. Dass die Kommunen an der Rems zusammenarbeiten können, haben sie beim Hochwasserschutz längst bewiesen: Im Wasserverband Rems haben sie gemeinsam die großen Rückhaltebecken gebaut. Wasser in der Landschaft zu halten ist die andere Seite derselben Aufgabe – gegen Hochwasser, gegen Trockenheit und, ganz nebenbei, für die Welle. Wir Surfer würden davon profitieren. Das sagen wir offen.
Mehr Flow für die Rems – was wir vorhaben
„Mehr Flow für die Rems“ ist für uns kein Programm mit Forderungen, sondern eine Frage, der wir nachgehen: Wie kann das Einzugsgebiet der Rems Regen länger halten, Spitzen dämpfen und Trockenzeiten besser überstehen?
- Boden: Humus, Verdichtung, Versickerung – was Wiese, Wald und Acker unterscheidet
- Hang: Wiesen, Streuobst, Raine und Terrassen am Hungerberg und im Schurwald
- Siedlung: Retentionszisternen, Entsiegelung, Mulden im Garten
- Gewässer: Quellen, Bäche und Aue
- Geschichte: welche Speicher die Landschaft früher hatte
- Messen: Pegel, Niederschlag und eigene Beobachtungen, ausgewertet auf dieser Website
Was wir herausfinden, schreiben wir hier auf – mit Quellen und mit dem Hinweis, wo etwas belegt ist und wo nicht.
Häufige Fragen
Was hat Bodenschutz mit einer Surfwelle zu tun?
Eine Flusswelle braucht nicht möglichst viel Wasser auf einmal, sondern möglichst lange genug davon. Ein Boden, der Regen aufnimmt und langsam wieder abgibt, hält die Rems länger im Bereich, in dem die Welle laufen kann. In unserem Rechenspiel sind das eine bis drei Wochen im Jahr.
Bringen die Maßnahmen in Winterbach der Welle etwas?
Kaum. Was in Winterbach versickert, erreicht die Rems größtenteils unterhalb der Wellenstelle. Für die Welle zählt das Einzugsgebiet oberhalb, von Essingen bis Schorndorf und an der Wieslauf. Winterbach kann aber zeigen, was möglich ist.
Wie viele Surftage mehr wären möglich?
Das wissen wir nicht. Unser Rechenspiel mit den Pegeldaten 1996–2025 ergibt rund 7 zusätzliche Tage im Jahr, wenn ein Zehntel des schnellen Abflusses in der Landschaft gehalten würde, und rund 15 bei einem Fünftel. Ohne Verdunstung wären es 11 und 23. Das ist eine Größenordnung, keine Prognose.
Ist die Rems wirklich unruhiger geworden?
Ja. Der mittlere Abfluss ist seit den 1930er-Jahren gleich geblieben, aber die Schwankung von Tag zu Tag ist gestiegen: Der Flashiness-Index lag 1931–1979 im Mittel bei 0,31, 1996–2025 bei 0,37, rund 17 Prozent höher. Der Trend über 89 Jahre ist statistisch deutlich. Die Ursachen lassen sich aus der Pegelreihe allein nicht trennen.
Schützt eine Schwammlandschaft vor Hochwasser?
Sie dämpft Spitzen nach Regen etwas, ersetzt aber keinen Hochwasserschutz. Die großen Rems-Hochwasser kommen meist, wenn die Böden ohnehin nass sind – dann ist auch der Schwamm voll. Im Rechenspiel sinkt der höchste Tageswert von 145 auf 131 m³/s.
Ist Terra Preta die Lösung?
Nein. Pflanzenkohle kann Wasser speichern, ihre Wirkung hängt aber stark vom Material ab, und die Kommission Bodenschutz beim Umweltbundesamt rät zur Vorsicht. Der sichere Weg ist Humus durch Bewuchs, Wurzeln, Kompost und einen Boden, der nicht verdichtet wird.
Warum schreibt eine Surfinitiative über Naturschutz?
Weil es eine Remswelle nur im Einklang mit Natur- und Gewässerschutz geben wird – und weil wir das so wollen. Wer einen Fluss nutzen möchte, muss wissen, was in ihm und an ihm lebt.
Weitere Fragen und Antworten zu Fluss und Landschaft: → Fragen zur Rems
So haben wir gerechnet
Daten. Tagesmittelwerte des Abflusses am Landespegel Schorndorf/Rems (431, Einzugsgebiet 418 km²), LUBW: für die Sprunghaftigkeit 1931 bis 2025, für das Rechenspiel 1. Januar 1996 bis 31. Dezember 2025. Einzelne fehlende Tage sind mit dem Vortageswert gefüllt.
Sprunghaftigkeit. Für jedes Kalenderjahr von 1932 bis 2025 mit mindestens 350 Tageswerten (89 Jahre) berechnen wir den Flashiness-Index nach Richards und Baker (Baker u. a. 2004): die Summe der Beträge aller Tagesänderungen des Abflusses, geteilt durch die Summe aller Tagesabflüsse. Den Trend prüfen wir mit dem Mann-Kendall-Test (Kendalls Tau 0,34, p = 0,000002). Die Werte je Jahr: rems-sprunghaftigkeit.csv (öffnet in neuem Tab), die Kennzahlen: rems-sprunghaftigkeit.json (öffnet in neuem Tab).
Schneller und langsamer Abfluss. Wir trennen die Tageswerte mit dem digitalen Filter nach Lyne und Hollick (1979) in einen schnellen und einen langsamen Anteil, mit dem üblichen Parameter 0,925 und drei Durchläufen (Nathan und McMahon 1990). Ergebnis: rund 44 Prozent langsamer Abfluss.
Rechenspiel. Ein Anteil des schnellen Abflusses (10 oder 20 Prozent) läuft nicht sofort ab, sondern durch einen zusätzlichen Speicher, der jeden Tag ein Dreißigstel seines Inhalts abgibt (mittlere Verweilzeit 30 Tage). 30 Prozent des gespeicherten Wassers gehen durch Verdunstung verloren. Surftag ist ein Tag mit einem Tagesmittel von 3 bis 15 m³/s, wie auf der Seite zur Wasserführung.
Welche Fläche. Das Rechenspiel gilt für das ganze Einzugsgebiet des Pegels Schorndorf: die Rems von der Quelle bei Essingen bis Schorndorf mit allen Seitentälern, einschließlich der Wieslauf, zusammen 418 Quadratkilometer. Zwischen Pegel und Wellenstelle kommt nur noch wenig Fläche dazu. Würde nur ein Teil des Einzugsgebiets so viel Wasser halten, wäre der Gewinn ungefähr im selben Verhältnis kleiner – die Wieslauf allein (77 Quadratkilometer, knapp ein Fünftel) brächte also etwa ein Fünftel davon.
Was die Rechnung nicht kann. Sie sagt nicht, wo und wie das Wasser gehalten wird, und rechnet für das ganze Einzugsgebiet gleich. Verweilzeit und Verdunstung sind Annahmen; andere Werte ändern das Ergebnis in der Größe, nicht in der Richtung. Tagesmittel glätten kurze Regenwellen.
Begriffe. Abfluss, Pegel, Betriebsfenster und mehr erklärt das Glossar; wie eine Flusswelle funktioniert, steht im Bereich Wissen.
Nachrechnen. Die Ergebnisse je Jahr: mehr-flow-rechenspiel.csv (öffnet in neuem Tab), die Kennzahlen: mehr-flow-rechenspiel.json (öffnet in neuem Tab). Fehler oder bessere Annahmen bitte an info@remswelle.de.
Quellen: LUBW, Pegel Schorndorf/Rems (431), Abfluss-Tagesmittelwerte, eigene Auswertung · Lyne, V. und Hollick, M. (1979): Stochastic time-variable rainfall-runoff modelling. Institute of Engineers Australia, Hydrology and Water Resources Symposium · Baker, D. B., Richards, R. P., Loftus, T. T. und Kramer, J. W. (2004): A new flashiness index: characteristics and applications to midwestern rivers and streams. Journal of the American Water Resources Association 40(2) · Nathan, R. J. und McMahon, T. A. (1990): Evaluation of automated techniques for base flow and recession analyses. Water Resources Research 26(7) · LVWO Weinsberg, „Vorsicht bei der Phosphatdüngung – Humuszufuhr auch langfristig ermöglichen!“ (Mai 2018) und „Trollinger, Trockenmauern und mehr – Bemerkungen zum landschaftsprägenden Weinbau am Neckar“ · Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg, „Bodenschutz beim Bauen“ · Umweltbundesamt, „Pflanzenkohle möglichst umweltfreundlich kaufen oder herstellen“ · Kommission Bodenschutz beim Umweltbundesamt, „Boden als Kohlenstoffspeicher“ (Dezember 2024) · Heimatverein Winterbach, Heimatfilme 1958–1968 (24.11.2019) · Gemeinde Winterbach, Begründung zum Bebauungsplan „Riedwiesen“ (2021) · Wasserverband Rems, „Geschichte des Verbands“ · Bilder „Der Boden als Wasserspeicher“ und „Viele kleine Stufen“: KI-erzeugte Visualisierungen
Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2026 · Initiative Remswelle