Remswelle

Rems und Winterbach · Fluss, Wasser, Natur und Geschichte

Winterbach wächst

Anfang der 1950er-Jahre lag Winterbach noch als kompakter Ort an der Remsbrücke, umgeben von schmalen Äckern und Wiesen. Heute reicht die Bebauung vom Fluss bis an den Waldrand und ist mit Weiler zusammengewachsen. Die Luftbilder des Landes zeigen, wie das in sieben Schritten geschehen ist – alle deckungsgleich, sodass man Jahr für Jahr vergleichen kann. Farbig markiert ist jeweils, welche Flächen seit dem vorigen Bild dazugekommen sind; die weißen Linien zeigen die früheren Stände.

Sieben Luftbilder, ein Ausschnitt

1953

1953: Das älteste Luftbild des Landes von Winterbach. Der Ort liegt um Remsbrücke, Kirche und Bahnlinie, ringsum schmale Acker- und Wiesenstreifen. Östlich des Ortes fließt die Rems noch in Windungen – 1968 ist auch dieser Abschnitt korrigiert. Weiler ist ein eigenes Dorf.

Luftbilder der Landesbefliegungen 1953, 1968, 1978, 1988, 1992/93 und 2007/08 sowie aktuelles digitales Orthophoto, alle in Graustufen, deckungsgleicher Ausschnitt, mit unseren Umrissen der bebauten Fläche (Näherung, siehe unten). 1992/93 und 2007/08 sind je aus zwei Befliegungen zusammengesetzt, daher sind Helligkeitskanten möglich. Luftbilder: LGL-BW (2026), Datenlizenz Deutschland – Namensnennung 2.0.

Wann kam was dazu?

Bebaute Fläche Winterbachs nach Zeiträumen auf dem heutigen Luftbild
Bebaute Fläche Winterbachs nach Zeiträumen auf dem heutigen Luftbild: bebaut 1953 rund 77 ha; dazugekommen 1953–1968 rund 43 ha, 1968–1978 rund 26 ha, 1978–1988 rund 12 ha, 1988–1993 rund 14 ha, 1993–2008 rund 10 ha, 2008 bis heute rund 5 ha (einschließlich der Baugebiete Riedwiesen und Eichenwäldle-Erweiterung, die gerade bebaut werden). Näherung aus Luftbildern und Gebäudegrundrissen des Katasters. Luftbild: LGL-BW (2026), dl-de/by-2-0; Gebäude: ALKIS, LGL (2026).

Die bebaute Fläche Winterbachs hat sich seit 1953 grob mehr als verdoppelt – von rund 77 auf rund 185 Hektar (ohne Weiler, das zu Schorndorf gehört). Am schnellsten ging es in den 1950er- bis 1970er-Jahren: In diesen gut zwei Jahrzehnten kamen fast 70 Hektar dazu, danach wurde es von Jahrzehnt zu Jahrzehnt weniger. Seit 2008 kamen nur noch wenige Hektar dazu: vor allem das Baugebiet Riedwiesen am Ostrand zwischen Ort und Ostlandstraße (Bebauungsplan 2021, rund 4 Hektar, erschlossen 2023/24) und fünf Bauplätze der Eichenwäldle-Erweiterung am Südrand. Beide sind im Luftbild noch kaum bebaut; wir haben sie nach den Bauflächen im Kataster eingezeichnet. Ansonsten wird seit 2008 vor allem innerhalb des Ortes gebaut, in Baulücken und auf früheren Gewerbeflächen.

So sind die Umrisse entstanden. Grundlage sind die Gebäudegrundrisse aus dem amtlichen Liegenschaftskataster (ohne Garagen, Schuppen und Gartenhäuser). Für jedes Gebäude haben wir in jedem Luftbild geprüft, ob an seinem Umriss ein Dach oder Schatten zu erkennen ist. Das früheste Bild, ab dem es durchgehend zu sehen ist, bestimmt seinen Zeitraum. Um die Gebäude eines Stands haben wir eine Fläche gelegt, die Straßen und Gärten dazwischen einschließt. Das Ergebnis ist eine Näherung: Gebäude, die inzwischen abgerissen wurden, fehlen, und an den Rändern kann die Linie um 20 bis 30 Meter abweichen. Genaue Baujahre einzelner Gebiete stehen in den Bebauungsplänen der Gemeinde.

Die Beschreibungen zu den Luftbildern fassen zusammen, was auf den Bildern zu sehen ist. Wer Fehler entdeckt oder mehr weiß, schreibt uns gern: info@remswelle.de.

Schritt für Schritt oder auf einmal?

Die Luftbilder zeigen auch, wie Baugebiete entstanden sind. Am Sterrenberg ging es in Etappen: Der Bebauungsplan Sterrenberg Ost wurde in vier Bauabschnitten von 1973 bis 1976 aufgestellt, bebaut wurde das Gebiet vor allem in den 1970er- und 1980er-Jahren. Danach folgten Sterrenberg-Gaisberg (Bebauungsplan 1989, bebaut vor allem in den 1990er-Jahren) und dessen dritter Bauabschnitt (1998, bebaut bis in die 2000er-Jahre). So kamen am Sterrenberg über rund drei Jahrzehnte immer wieder neue Bauplätze dazu.

Das Baugebiet Riedwiesen ist anders entstanden: Bebauungsplan 2021, rund 4 Hektar mit rund 40 Bauplätzen und rund 220 Wohnungen, in einem Zug erschlossen 2023/24. Im selben Zeitraum kamen fünf Bauplätze der Eichenwäldle-Erweiterung dazu. Ein Wohngebiet dieser Größe in einem Schritt hat es in Winterbach nach unserer Auswertung der Bebauungspläne im letzten halben Jahrhundert nicht gegeben.

WohngebietBebauungsplanFläche etwabebaut vor allem
Sterrenbergwiesen19636,5 ha1950er- und 1960er-Jahre
Eichenwäldle – Weihergärten19644,6 ha1960er-Jahre
Sterrenberg Ost, vier Bauabschnitte1973–197611 ha zusammen1970er- und 1980er-Jahre
Sterrenberg-Gaisberg19892,8 ha1990er-Jahre
Sterrenberg-Gaisberg, 3. Bauabschnitt19982,8 habis in die 2000er-Jahre
Schießwiesen20022,1 ha2000er-Jahre
Riedwiesen20214,1 ha, rund 220 Wohnungenseit 2024

Flächen: Geltungsbereich des Bebauungsplans nach unserer Karte der Bebauungspläne, gerundet (Riedwiesen nach Projektbeschreibung). „Bebaut vor allem“: aus den Luftbildern, mit derselben Methode wie die Umrisse oben. Gewerbegebiete sind nicht aufgeführt.

Unser Blick darauf: Neue Bauplätze sind für uns vor allem eine Chance für junge Menschen aus Winterbach, hier eine Familie zu gründen und im Ort zu bleiben. Wird ein großes Gebiet auf einmal vergeben, kommt diese Chance vor allem bei denen an, die gerade so weit sind. Wer ein paar Jahre später bauen möchte, findet dann kaum noch etwas. Für eine Erschließung in einem Zug spricht, dass Straßen und Leitungen nur einmal gebaut werden. Sie hätten sich aber auch für das ganze Gebiet vorbereiten und in den späteren Abschnitten erst nach und nach fertig ausbauen lassen. Wir hätten deshalb ein Vorgehen in Abschnitten für richtig gehalten, wie am Sterrenberg – etwa in drei Dritteln, über einige Jahre verteilt.

Abschnitte hätten auch dem Boden und dem Wasser gutgetan. Die Riedwiesen tragen ihren Namen von Schilf und Sumpf: Nach der Begründung des Bebauungsplans lag das Gebiet früher teilweise im Bereich des hundertjährlichen Hochwassers, es liegt fast vollständig in der Fläche eines Extremhochwassers, und das Regenwasser wird der Mischkanalisation zugeführt. Mit der Bebauung geht ein Stück nasse Aue verloren, die Wasser halten konnte. Wird in Abschnitten gebaut, liegt nicht so viel Boden auf einmal offen und wird befahren – verdichteter Boden nimmt kaum noch Wasser auf, und einmal zerstörter Boden lässt sich nicht wiederherstellen, wie das Umweltministerium Baden-Württemberg betont. Und man kann aus dem ersten Abschnitt für die nächsten lernen: wie sich Grundwasser, Regenwasser und Boden verhalten, bevor das ganze Gebiet bebaut ist. → Was hat das alles mit Surfen zu tun?

Wann wurde wo gebaut? Die Bebauungspläne

Wo ein Neubaugebiet entsteht, steht am Anfang meist ein Bebauungsplan. Die Karte zeigt die wirksamen Bebauungspläne der Gemeinde, gefärbt nach dem Jahr: hell die alten, dunkel die neuen. Die ältesten noch gültigen Pläne stammen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mit dem Regler „Zeitreise“ lässt sich zusehen, wie der Ort Plan für Plan gewachsen ist. Ein Tippen auf eine Fläche zeigt Nummer, Name und Jahr und führt zu den Plänen bei der Gemeinde. Die Geltungsbereiche sind vereinfacht; ältere Ortsteile, die ohne Bebauungsplan entstanden sind, bleiben leer.

Wo nicht gebaut werden soll

Dass Winterbach nicht beliebig weiterwachsen kann, liegt nicht nur an Hängen, Wald und Rems. Der Regionalplan des Verbands Region Stuttgart, verbindlich seit 2010, legt fest, welche Flächen von Bebauung freizuhalten sind. Regionale Grünzüge sichern große zusammenhängende Freiräume – bei Winterbach den Schurwald mit seinen Rodungsinseln, die Hänge des Hungerbergs und Teile der Remsaue. Grünzäsuren sind schmalere Streifen, die verhindern sollen, dass Orte zusammenwachsen: eine zwischen Winterbach und Hebsack, eine zwischen Winterbach und Weiler. Beides sind Ziele der Raumordnung, an die sich die Bauleitplanung der Gemeinden halten muss.

Regionale Grünzüge (grün) und Grünzäsuren (magenta) des Regionalplans Region Stuttgart auf der Gemarkung Winterbach, dazu …
Regionale Grünzüge (grün) und Grünzäsuren (magenta) des Regionalplans Region Stuttgart auf der Gemarkung Winterbach, dazu die Rems und die Gemarkungsgrenze. Ausgespart bleiben die Siedlungsflächen. © Daten aus dem Geoportal Raumordnung Baden-Württemberg, Stand 27.09.2026; Luftbild: LGL-BW (2026), Datenlizenz Deutschland – Namensnennung 2.0.

Die Grünzüge und Grünzäsuren lassen sich in der Karte „Wann wurde wo gebaut?“ oben einblenden, die Schutzgebiete in der Natur-Karte. · → Kühle Luft für Winterbach

Was das für die Remswelle heißt

Die Remswelle braucht keine neue Fläche: Sie soll im Fluss entstehen, an einem Bauwerk, das es schon gibt. Gerade in einem Ort, der so gewachsen ist, wird der Raum am Wasser wertvoller – als Treffpunkt und als Stück Landschaft mitten im Ort. → Standort Winterbach · → Uferwege an der Rems

Häufige Fragen

Wie stark ist Winterbach gewachsen?

Nach unserer Auswertung der Luftbilder von rund 77 Hektar bebauter Fläche 1953 auf rund 185 Hektar heute – mehr als das Doppelte. Den größten Schub gab es zwischen 1953 und 1978.

Wurden die Riedwiesen auf einmal bebaut?

Ja. Das Baugebiet Riedwiesen (Bebauungsplan 2021, rund 4 Hektar, rund 220 Wohnungen) wurde 2023/24 in einem Zug erschlossen. Am Sterrenberg kamen Bauplätze dagegen in mehreren Abschnitten von 1973 bis 1998 dazu. Wir hätten auch bei den Riedwiesen Abschnitte für richtig gehalten, damit mehrere Jahrgänge junger Winterbacherinnen und Winterbacher im Ort bauen können.

Woher stammen die Luftbilder?

Aus den Kartendiensten des Landesamts für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg: historische Orthophotos der Landesbefliegungen und das aktuelle digitale Orthophoto. Alle Bilder sind eingemessen und zeigen denselben Ausschnitt.

Was ist ein Regionaler Grünzug?

Ein im Regionalplan festgelegter Freiraum, der nicht für Siedlungen oder größere Bauten genutzt werden soll. Er sichert Landwirtschaft, Erholung, Naturhaushalt und Klima.

Was ist eine Grünzäsur?

Ein schmalerer, ebenfalls freizuhaltender Streifen zwischen zwei Orten, damit diese nicht zusammenwachsen. Bei Winterbach gibt es zwei: Richtung Hebsack und Richtung Weiler.

Quellen: LGL Baden-Württemberg, historische digitale Orthophotos 1960–1969, 1970–1979, 1980–1989, 1990–1999 (1992, 1993), 2000–2009 (2007, 2008) und digitales Orthophoto 20 cm, Datenlizenz Deutschland – Namensnennung 2.0 · Verband Region Stuttgart, Regionalplan (verbindlich seit 12.11.2010), Regionale Grünzüge und Grünzäsuren (Vorranggebiete), © Daten aus dem Geoportal Raumordnung Baden-Württemberg, Stand 27.09.2026, dl-de/by-2-0 · Gemarkungsgrenze: LGL, ALKIS · Gebäudegrundrisse: ALKIS (ohne Eigentümerangaben), LGL Baden-Württemberg (2026), Datenlizenz Deutschland – Namensnennung 2.0 · Auswertung der Umrisse: Initiative Remswelle · Riedwiesen: Gemeinde Winterbach, Begründung zum Bebauungsplan „Riedwiesen“ (2021); Klinger und Partner, Projektbeschreibung „Erschließung des Wohngebietes Riedwiesen in Winterbach“ · Eichenwäldle-Erweiterung: Zeitungsverlag Waiblingen, 04.10.2021 und 30.07.2022 · Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg, „Bodenschutz beim Bauen“ · Bebauungspläne und Bauabschnitte: Gemeinde Winterbach, Liste der rechtsverbindlichen Bebauungspläne (winterbach.de, abgerufen 27.09.2026); Flächen und Bebauungszeiträume: eigene Auswertung

Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2026 · Initiative Remswelle