Rems und Winterbach · Fluss, Wasser, Natur und Geschichte
Starkregen in Winterbach
Hochwasser kündigt sich an: Die Rems steigt über Stunden, der Pegel in Schorndorf zeigt es, das Rückhaltebecken an der Ostlandstraße schließt seine Tore. Starkregen kündigt sich kaum an. Ein Gewitter bleibt über dem Schurwald hängen, und eine Viertelstunde später laufen Wasser und Schlamm durch Straßen, an denen nie ein Bach war. Mehr als die Hälfte aller Hochwasserschäden in Deutschland entsteht heute durch Starkregen, schreibt die Gemeinde Winterbach. Diese Seite erklärt, ab wann Regen gefährlich wird, was die amtlichen Karten für Winterbach zeigen und was jeder selbst tun kann. Woher das Wasser kommt und wohin es fließt, steht auf Wasser in Winterbach.
Wie viel ist viel?
Ein Millimeter Regen ist ein Liter auf dem Quadratmeter. 100 Liter je Quadratmeter bedeuten: Würde nichts abfließen und nichts versickern, stünde das Wasser auf jedem Quadratmeter zehn Zentimeter hoch. Ob eine Menge gefährlich ist, entscheidet die Zeit, in der sie fällt. Der Deutsche Wetterdienst warnt in diesen Stufen:
| Warnung | in 1 Stunde | in 6 Stunden |
|---|---|---|
| Starkregen (Stufe 2) | 15 bis 25 l/m² | 20 bis 35 l/m² |
| Heftiger Starkregen (Stufe 3, Unwetter) | 25 bis 40 l/m² | 35 bis 60 l/m² |
| Extrem heftiger Starkregen (Stufe 4, extremes Unwetter) | mehr als 40 l/m² | mehr als 60 l/m² |
Für Dauerregen gelten längere Zeiträume: Warnstufe 2 ab 30 Litern in 24 Stunden, extrem ergiebiger Dauerregen ab mehr als 80 Litern in 24 Stunden. Mit dem Rechner lässt sich jede Menge einordnen – zum Beispiel ein Gewitter über dem Einzugsgebiet des Lehenbachs (rund 7 Quadratkilometer).
Regenrechner: Wie viel Wasser ist das?
Warnstufen: Deutscher Wetterdienst, Warnkriterien für Starkregen (1 und 6 Stunden) und Dauerregen (12 bis 72 Stunden).
Die Starkregengefahrenkarten für Winterbach
Für alle Gemeinden im Wasserverband Rems hat der Verband Starkregengefahrenkarten erstellen lassen, bearbeitet vom Ingenieurbüro geomer. Die Karten für Winterbach lagen im Dezember 2024 vor und wurden am 22. Januar 2025 in der Lehenbachhalle öffentlich vorgestellt. Sie sind der erste Schritt des kommunalen Starkregenrisikomanagements nach dem Leitfaden des Landes: Auf die Gefährdungsanalyse folgen eine Risikoanalyse und ein Handlungskonzept.
Was die Karten zeigen. Ein Computermodell lässt auf das Geländemodell einen gedachten Starkregen fallen und rechnet, wohin das Wasser an der Oberfläche fließt und wo es sich sammelt. Die Karten zeigen die größte Überflutungstiefe – je dunkler das Blau, desto höher steht das Wasser – und die Fließgeschwindigkeit. So werden die Abflussbahnen sichtbar: die Wege, auf denen sich Hangwasser über Wiesen, Wege und Straßen seinen Weg sucht, und die Senken, in denen es stehen bleibt.
Drei Szenarien. Nach dem Leitfaden des Landes werden drei Fälle gerechnet: ein seltenes Ereignis (einstündiger Regen, wie er statistisch etwa alle 30 Jahre vorkommt), ein außergewöhnliches (etwa alle 100 Jahre) und ein extremes mit 128 Litern je Quadratmeter in einer Stunde – so viel fiel 2016 beim Unwetter von Braunsbach. Für Winterbach stellt die Gemeinde die Karten für das außergewöhnliche Abflussereignis als PDF bereit, in fünf Blättern; die interaktive Karte für die Rems-Gemeinden betreibt geomer.
Wie man die Karte liest. Am besten sucht man das eigene Haus und schaut, ob eine Abflussbahn darauf zuläuft, ob das Grundstück in einer Senke liegt und wo das Wasser an Kellerabgängen, Lichtschächten und Garageneinfahrten ankäme. Die Karten zeigen eine Modellrechnung, keine Vorhersage: Verstopfte Einläufe, Treibgut an Rechen oder geöffnete Tore kennt das Modell nicht. Wir machen bewusst keine eigene Gefahrenkarte; verbindlich ist die amtliche.
Starkregengefahrenkarten der Gemeinde Winterbach (öffnet in neuem Tab) · Interaktive Karte für die Rems-Gemeinden (öffnet in neuem Tab)
Wohin das Regenwasser an den Hängen läuft und wie weit die Rems bei Hochwasser steigen kann, zeigt unsere Hochwasser-Karte. Die Fließwege sind aus dem Geländemodell berechnet und keine Gefahrenkarte – verbindlich sind die amtlichen Karten.
Was in Winterbach passiert ist
1. bis 3. Juni 2024. Nach tagelangem Regen lief das Rückhaltebecken an der Ostlandstraße zweimal randvoll; gleichzeitig traten die Bäche über: Der Lehenbach drückte unter der Ortsmitte Schachtdeckel hoch, der Bücklensweilerbach flutete die Unterführung in der Westergasse, auch Krebsbach und Wattenbach liefen über. → Hochwasserschutz an der Rems
19. Juli 2025. Ein Gewitter brachte am Samstagabend rund 40 Liter je Quadratmeter in kurzer Zeit. Am Lehenbach staute sich Treibgut am Einlauf in die Verdolung, das Wasser stieg; die Feuerwehr war an mehreren Stellen im Einsatz.
4. August 2025. Wieder Starkregen, diesmal am Wattenbach: Er stand kurz davor, ins Industriegebiet überzulaufen, Keller liefen voll; die Feuerwehr pumpte aus und beobachtete die gefährdeten Stellen im Oberdorf. Wenige Tage später sagte der stellvertretende Kommandant der Feuerwehr über diese Einsätze: „Die Vorwarnzeit war gleich null.“
Die drei Ereignisse zeigen die zwei Gesichter des Wassers in Winterbach: Im Juni 2024 kamen Rems-Hochwasser und Starkregen zusammen, im Sommer 2025 war die Rems niedrig – und trotzdem liefen die Bäche über. Starkregen ist ein Problem der kleinen Täler und Hänge, nicht des Flusses.
Der Lehenbachstausee
Der Lehenbach ist der größte Bach, der in Winterbach in die Rems mündet: Sein Einzugsgebiet umfasst rund 7 Quadratkilometer, gut ein Drittel der Gemarkung. Südlich des Orts hält ihn seit 1963/64 der Lehenbachstausee zurück – ein Hochwasserrückhaltebecken mit 18 Meter hohem Erddamm und einem Dauerstau, der als Fischteich genutzt wird. Nach dem Anlagenverzeichnis der LUBW fasst das Becken bei Hochwasser rund 452.000 Kubikmeter; oberhalb des Damms liegen 5,8 Quadratkilometer Einzugsgebiet.
Was das bedeutet, zeigt eine Überschlagsrechnung: 40 Liter je Quadratmeter auf 5,8 Quadratkilometer sind rund 230.000 Kubikmeter – das Becken kann einen solchen Regen aufnehmen, wenn es vorher leer ist. Unterhalb des Damms kommen aber noch gut ein Quadratkilometer Fläche dazu, ein großer Teil davon bebaut: Dort fließt das Wasser nicht mehr durch den See, sondern über Straßen und Kanäle direkt zum Bach. Das ist der Grund, warum die Ortsmitte auch mit dem Stausee nicht vor jedem Starkregen sicher ist.
Frühwarnung an den Bächen
Seit Februar 2025 messen an drei Stellen Radarsensoren rund um die Uhr den Wasserstand: am Zusammenfluss von Krebsbach und Wattenbach, am Mönchsklingenbach beim Bücklensweilerweg und am Lehenbach vor der Verdolung im Oberdorf. Die Daten gehen in Echtzeit an das Rathaus und an die Einsatzkräfte und sind mit FLIWAS verknüpft, dem Hochwasserinformationssystem des Landes. Die Sensoren verkürzen die Zeit, bis jemand weiß, dass ein Bach steigt – verhindern können sie es nicht.
Was jeder am eigenen Haus tun kann
Für Schutzmaßnahmen am eigenen Gebäude ist jeder Eigentümer selbst verantwortlich. Die Gemeinde empfiehlt in ihrem Faltblatt „Schutz vor Starkregen“ unter anderem:
- die Starkregengefahrenkarte für das eigene Grundstück ansehen
- Kellerabgänge, Lichtschächte und ebenerdige Öffnungen gegen eindringendes Wasser sichern, Fenster und Türen druckdicht ausführen
- Kellerböden und -wände abdichten
- eine Rückstausicherung einbauen, damit das Wasser nicht aus dem Kanal ins Haus drückt
Dazu kommt, was auf dem Grundstück Wasser zurückhält: Flächen entsiegeln, Regen in Mulden versickern lassen, Dächer begrünen – und, wenn eine Zisterne geplant ist, eine mit Rückhalteraum und Drossel. Eine reine Gießwasserzisterne ist bei Starkregen oft schon voll. → Was ist eine Retentionszisterne?
Was das für die Remswelle heißt
Für die Welle ist Starkregen kein Hochwasser: Die großen Rems-Hochwasser kommen fast alle im Winter und Frühjahr, wenn die Böden nass sind; die Sommergewitter treffen die kleinen Bäche. Für uns gehört das Thema trotzdem hierher. Wer an der Rems surft, schaut jeden Tag auf Wasser und Wetter – und sieht, dass dieselben Hänge, die im Sommer Wasser für den Fluss nachliefern, bei einem Gewitter in Minuten zu Sturzbächen werden. Je besser die Landschaft Wasser hält, desto weniger stürzt es ab und desto länger fließt die Rems im Sommer. → Schwammlandschaft Winterbach · → Hochwasser-Karte mit Fließwegen und Einzugsgebieten
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Hochwasser und Starkregen?
Hochwasser entsteht, wenn ein Fluss über die Ufer tritt, meist nach langem Regen im ganzen Einzugsgebiet; es kündigt sich über Stunden an. Starkregen ist sehr viel Regen in kurzer Zeit an einem Ort. Das Wasser fließt dann oberflächlich ab, auch dort, wo kein Bach ist, und lässt kleine Bäche in Minuten anschwellen.
Ab wann warnt der Wetterdienst vor Starkregen?
Ab 15 Litern je Quadratmeter in einer Stunde oder 20 Litern in sechs Stunden. Mehr als 25 Liter in einer Stunde gelten als Unwetter, mehr als 40 Liter in einer Stunde als extremes Unwetter.
Wo finde ich die Starkregengefahrenkarte für mein Haus?
Auf der Website der Gemeinde Winterbach unter Starkregenrisikomanagement als PDF in fünf Blättern und als interaktive Karte auf starkregengefahr.de für die Rems-Gemeinden.
Kann auch ein Haus fernab der Bäche betroffen sein?
Ja. Starkregen fließt über Wiesen, Wege und Straßen ab und sammelt sich in Senken. Gerade Häuser am Hangfuß, an Straßen, die bergab führen, oder mit tiefliegenden Eingängen können betroffen sein, auch weit weg von jedem Bach.
Was bringt der Lehenbachstausee bei Starkregen?
Er hält das Wasser aus rund 5,8 Quadratkilometern oberhalb des Damms zurück, bis zu rund 452.000 Kubikmeter. Was unterhalb des Damms fällt – darunter ein großer Teil des Orts –, erreicht den Bach ohne den See.
Quellen
- Deutscher Wetterdienst: Warnkriterien für Starkregen und Dauerregen (abgerufen 03.10.2026)
- Gemeinde Winterbach: Starkregenrisikomanagement; Starkregengefahrenkarten (fünf Blätter, Stand 23.01.2025); Infoveranstaltung 22.01.2025 (Vortrag geomer); Faltblatt „Schutz vor Starkregen“ (abgerufen 03.10.2026)
- geomer GmbH: Starkregengefahrenkarten für die Rems-Gemeinden, starkregengefahr.de
- LUBW: Leitfaden Kommunales Starkregenrisikomanagement in Baden-Württemberg (Szenarien selten, außergewöhnlich, extrem); Anlagenverzeichnis Hochwasserrückhaltebecken (HRB Lehenbach: Baujahr 1963, Rückhalteraum 452.000 m³, Einzugsgebiet 5,8 km²); Gewässereinzugsgebiete 1:10.000 – Grundlage: Daten aus dem UIS der LUBW, abgerufen 03.10.2026
- Netze BW: Frühwarnsystem für Hochwasser in Winterbach (NOYSEE, 2025)
- Zeitungsverlag Waiblingen: Starkregen 19.07.2025 (Lehenbach); 04.08.2025 (Wattenbach, Industriegebiet); 08.08.2025 („Keine Vorwarnzeit“); Juni 2024 (Hochwasser Winterbach)
Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2026 · Initiative Remswelle