Remswelle

Rems und Winterbach · Fluss, Wasser, Natur und Geschichte

Wind und Wetter in Winterbach

Wer surft, schaut vor jeder Session auf Wind, Wetter und Wasser – für Surfreviere gibt es dafür Wind- und Klimakalender: Monat für Monat, wie oft der Wind weht, wie warm Luft und Wasser sind und welcher Neoprenanzug passt. So einen Kalender haben wir für Winterbach und die Rems erstellt. Ein Windsurfrevier ist das Remstal nicht – für Wing-Inlineskating (Inlineskates und ein Wing wie beim Wingfoilen in der Hand) oder Windskaten (ein Windsurfsegel auf einem Rollbrett) reicht der Wind aber oft. Vor allem erklärt der Blick auf Wind, Luft und Wasser viel über unseren Ort, von kühlen Sommernächten bis zu den Tagen, an denen die Remswelle laufen könnte. → Kühle Luft für Winterbach

Der Wind- und Klimakalender

Wind- und Klimakalender Winterbach
Wind- und Klimakalender Winterbach: Balken für die Tage mit mindestens 3 Beaufort je Monat in den Jahren 2023, 2024 und 2025, blaue Linie für das Mittel 1991–2020; darunter je Monat die mittlere Luft­temperatur mittags und nachts, die Wassertemperatur der Rems, Sonnenstunden, Regentage, surfbare Tage auf der Rems und eine Neopren-Empfehlung.

Lesebeispiel: Im Juli wird es mittags im Mittel 24 °C warm, nachts 15 °C, die Rems hat rund 19 °C – dafür führt sie oft zu wenig Wasser, im Schnitt gibt es nur 7 surfbare Tage. Im Januar ist das Wasser mit rund 5 °C kalt, aber die Rems führt meist genug: rund 21 surfbare Tage. Die Surfsaison auf der Rems ist also eher eine Winter- und Frühjahrssaison – mit dickem Neopren. → Wasserführung der Rems

Woher die Zahlen stammen: Wind, Luft, Sonne und Regen sind Modelldaten für Winterbach (ERA5-Reanalyse des europäischen Copernicus-Dienstes, abgerufen über Open-Meteo), das Raster ist grob – einzelne Straßen oder Hänge kann es nicht abbilden. Die Wassertemperatur ist dagegen gemessen: Die Landesanstalt für Umwelt misst sie täglich an der Rems in Waiblingen-Neustadt, flussabwärts von Winterbach. Die surfbaren Tage stammen aus unserer Auswertung des Pegels Schorndorf.

Woher der Wind weht – und warum meist von Westen

Tage je Monat nach vorherrschender Windrichtung in Winterbach, Mittel 1991–2020
Tage je Monat nach vorherrschender Windrichtung in Winterbach, Mittel 1991–2020: Westwind in jedem Monat am häufigsten, im Sommer besonders deutlich; Ostwind an 6 bis 9 Tagen im Monat, Südwind vor allem im Winterhalbjahr.

An rund 140 Tagen im Jahr kommt der Wind in Winterbach vorwiegend aus Westen, an rund 90 Tagen aus Osten, an rund 80 aus Süden und nur an rund 45 aus Norden (Mittel 1991–2020).

Warum Westwind? Zwischen den warmen Subtropen und den kalten Polargebieten besteht ein großes Temperatur- und Luftdruckgefälle – bei uns zwischen dem Azorenhoch im Süden und dem Islandtief im Norden. Die Luft würde auf direktem Weg vom Hoch zum Tief strömen, doch die Erddrehung lenkt sie auf der Nordhalbkugel nach rechts ab (Corioliskraft). So entsteht in den mittleren Breiten ein Band aus Westwinden, die „Westwinddrift“, mit der die Tiefdruckgebiete vom Atlantik nach Osten ziehen. Sie bringen den meisten Regen und im Winter die kräftigsten Winde. Tage mit mindestens 3 Beaufort (ab 12 km/h, mindestens drei Stunden lang) – genug für Wing-Inlineskating und Windskaten – gibt es in Winterbach von Dezember bis März an rund 16 bis 19 Tagen im Monat, im Sommer an rund 11 bis 14. Kräftigen Wind ab 4 Beaufort gibt es fast nur im Winter, dann rund siebenmal im Monat.

Das Tal lenkt mit. Das Remstal verläuft bei Winterbach ungefähr von Osten nach Westen. Bodennahe Winde folgen dem Tal – deshalb kommt der Wind hier meist entweder von Westen oder von Osten, selten quer aus Norden.

Ostwind weht, wenn ein Hoch über Skandinavien oder Osteuropa liegt und trockene Festlandsluft heranführt: im Winter klirrend kalt, im Sommer warm und trocken. In unseren Modelldaten hat der Ostwind zugenommen – von rund 87 Tagen im Jahr in den 1990er-Jahren auf rund 109 Tage in den letzten zehn Jahren. 2018 und 2025, beides sehr trockene Jahre, gab es sogar deutlich mehr Ost- als Westwindtage.

Nachts weht es talabwärts

Wenn großräumig wenig Wind weht, entwickelt das Tal sein eigenes Windsystem. Tagsüber erwärmen sich die Hänge, die Luft steigt hangaufwärts und zieht talaufwärts, bei uns nach Osten. Nachts kehrt sich das um: Die Luft kühlt an den Hängen ab, fließt hinunter und sammelt sich im Tal – und weil das Remstal nach Westen hin tiefer wird, fließt sie mit der Rems talabwärts nach Westen. Die kühle Nachtluft strömt also gerade entgegen der üblichen Westwindrichtung. Aus Winterbacher Sicht kommt sie aus dem Lehenbachtal, dem Bronnbachtal und dem Tal bei Weiler im Süden, vom Hungerberg im Norden und talabwärts aus Richtung Schorndorf. → Kühle Luft für Winterbach

Die „Stauwärme-Nacht“: wenn die Kühle ausbleibt

Nicht in jeder Sommernacht kommt die kühle Luft von den Hängen. Wolken halten die Wärme wie eine Decke am Boden, und Wind verweht die kühle Luft, bevor sie sich im Tal sammeln kann. Die Wärme des Tages staut sich dann im Tal und im Ort – wir nennen das eine „Stauwärme-Nacht“. Im Großen kennt man das Prinzip vom El Niño im Pazifik: Dort bleibt das kalte Wasser aus, das normalerweise vor Südamerika aus der Tiefe aufsteigt – das Meer wird warm, und das Wetter spielt verrückt. Die Stauwärme-Nacht ist gewissermaßen sein kleiner Bruder im Remstal: Auch hier bleibt die gewohnte Kühlung aus, nur eben die kühle Luft von den Hängen statt des kalten Wassers aus der Tiefe.

Sommertage in Winterbach je Jahr 1991–2025 und was in der Nacht danach geschah
Sommertage in Winterbach je Jahr 1991–2025 und was in der Nacht danach geschah: blau die Nächte, in denen Kaltluft fließen konnte, orange die bewölkten oder windigen („Stauwärme-Nacht“). Die meisten Sommertage gab es 2003, 2018, 2022 und 2023.

So lesen Sie die Grafik: Jeder Balken steht für einen Sommer. Seine Höhe ist die Zahl der Sommertage, also der Tage mit 25 °C und mehr. Die Farben zeigen, was in der Nacht danach geschah. Blau: Die Nacht war klar und windstill, die Hänge kühlten aus, und die Kaltluft konnte ins Tal fließen. Orange: Wolken oder Wind verhinderten das, die Wärme des Tages blieb im Ort hängen – eine „Stauwärme-Nacht“.

Ein Beispiel: 2003 gab es 82 Sommertage. Nach etwa 31 davon funktionierte in der Nacht das Kaltluftsystem, und es kühlte ab. Nach etwa 51 nicht.

Im Mittel 1991–2020 gab es in Winterbach rund 41 Sommertage im Jahr (Höchstwert mindestens 25 °C). In gut einem Drittel der Nächte danach waren die Bedingungen für die Kaltluft ideal – klar und windstill –, in knapp zwei Dritteln war es eine „Stauwärme-Nacht“. In den letzten zehn Jahren ist beides häufiger geworden, weil es mehr Sommertage gibt: im Schnitt 51 statt 35 wie in den 1990er-Jahren. Die meisten Sommertage hatten die Sommer 2003, 2018, 2022 und 2023.

Wärmer werden die Nächte trotzdem – das zeigen Messungen

Das Modell für Winterbach zeigt seit etwa 2001 kaum noch einen Anstieg der warmen Nächte. Messungen erzählen etwas anderes. Winterbach hat keine eigene Wetterstation; die nächste lange Messreihe des Deutschen Wetterdienstes stammt aus Stuttgart-Schnarrenberg am Stadtrand. Dort hatte es in den 1980er-Jahren an rund 43 Abenden im Sommer um Mitternacht noch 18 °C und mehr – wir nennen das eine „Balkonnacht“. In den letzten fünf Jahren waren es im Schnitt rund 65. Die Tropennächte, in denen es auch am frühen Morgen nicht unter 20 °C abkühlt, haben sich mehr als verdreifacht: von gut 2 auf 8 bis 9 im Jahr. Um Mitternacht ist es im Sommer heute im Mittel rund 2 Grad wärmer als in den 1980er-Jahren.

Balkonnächte (um Mitternacht noch 18 °C und mehr) und Tropennächte je Sommer an der Station Stuttgart-Schnarrenberg …
Balkonnächte (um Mitternacht noch 18 °C und mehr) und Tropennächte je Sommer an der Station Stuttgart-Schnarrenberg 1978–2025; beide nehmen deutlich zu, Spitzen 2003, 2018 und 2022.

Stuttgart ist nicht Winterbach: Am Schnarrenberg wirkt die Wärme der Stadt mit. Am eher ländlich gelegenen Flughafen Echterdingen ist der Anstieg ähnlich – Balkonnächte von rund 31 in den 1990er-Jahren auf 44 in den 2010er-Jahren, Tropennächte von 1 auf 3 im Jahr. In Winterbach dürften die Werte dazwischen liegen. Gerade deshalb wird die kühle Luft von den Hängen wichtiger. Wie viel sie im Ort tatsächlich ausmacht, lässt sich nur messen. → Was wir prüfen wollen

Selbst ausprobieren: Nehmen Sie an einem Sommerabend ein Thermometer mit auf den Spaziergang – einmal in einer klaren, windstillen Nacht und einmal in einer bewölkten. In der klaren Nacht ist der Unterschied zwischen Ortsmitte und Talrand deutlich größer.

Wie wir zählen: Sommertag = Höchstwert mindestens 25 °C; betrachtet wird die Nacht danach von 22 bis 5 Uhr. Klar und windstill heißt: im Mittel weniger als 8 km/h Wind und weniger als 40 % Bewölkung. Grundlage sind Modelldaten, keine Messungen in Winterbach. Balkon- und Tropennächte zählen wir an den Messwerten des Deutschen Wetterdienstes in Stuttgart: Balkonnacht = um Mitternacht 18 °C oder mehr, Tropennacht = auch die kälteste Stunde zwischen 22 und 5 Uhr 20 °C oder mehr.

Die Wassertemperatur der Rems

MonatJanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Mittel 1991–2020 (°C)4,64,97,311,514,917,819,419,115,712,18,35,6
20236,76,28,410,515,120,720,819,618,313,99,87,4
20245,48,49,511,914,716,519,320,616,813,79,66,3
20255,25,78,512,915,920,520,119,315,912,48,56,2

Monatsmittel der Tagesmittel, Messstation Rems/Neustadt der LUBW.

Jahresmittel der Wassertemperatur der Rems in Waiblingen-Neustadt 1981–2025 und Zahl der Tage mit mindestens 20 °C
Jahresmittel der Wassertemperatur der Rems in Waiblingen-Neustadt 1981–2025 und Zahl der Tage mit mindestens 20 °C: das Jahresmittel steigt von rund 10,5 °C in den 1980er-Jahren auf rund 12,5 bis 13 °C, die warmen Tage von rund 10 auf rund 45 im Jahr.

Die Rems ist in den letzten Jahrzehnten deutlich wärmer geworden: Das Jahresmittel lag in den 1980er-Jahren bei rund 10,7 °C, in den letzten zehn Jahren bei rund 12,6 °C. Tage mit mindestens 20 °C Wassertemperatur gab es früher gut zehnmal im Jahr, heute im Schnitt über 40-mal – 2003 sogar 82-mal. Am 27. Juni 2026 erreichte das Tagesmittel mit 25,4 °C einen neuen Höchstwert. Für Fische ist das nicht egal: Warmes Wasser kann weniger Sauerstoff lösen. → Die Rems wird wärmer → Tiere und Pflanzen an der Rems · → Wasserqualität der Rems

Was das für die Remswelle heißt

Die Remswelle hängt nicht am Wind, sondern am Wasser. Am meisten Wasser führt die Rems im Winter und Frühjahr – also dann, wenn Luft und Wasser kalt sind. Surfen auf der Rems heißt deshalb meistens: dicker Neoprenanzug, Schuhe und manchmal Handschuhe. Wer vom Meer kommt, kennt das von der Nordsee. Im Sommer ist das Wasser angenehm warm, dann aber oft zu wenig davon. → Wie viele Tage die Welle laufen könnte

Häufige Fragen

Warum weht der Wind in Winterbach meistens aus Westen?

Weil Winterbach in der Westwindzone der mittleren Breiten liegt: Das Luftdruckgefälle zwischen Azorenhoch und Islandtief und die Ablenkung durch die Erddrehung lassen die Luft überwiegend von Westen nach Osten strömen. Das Remstal lenkt die bodennahen Winde zusätzlich in Ost-West-Richtung.

Warum fließt die kühle Nachtluft nach Westen, wenn der Wind doch meist von Westen kommt?

Die kühle Nachtluft ist kein Wind aus der Ferne, sondern entsteht vor Ort: Sie fließt als schwere, kalte Luft hangab und dann talabwärts – im Remstal, wie die Rems, nach Westen. Das klappt vor allem in klaren, windstillen Nächten, wenn kein großräumiger Wind sie verweht.

Was ist eine „Stauwärme-Nacht“?

Unser Name für eine Sommernacht nach einem heißen Tag, in der die kühle Luft von den Hängen ausbleibt, weil Wolken oder Wind die Abkühlung verhindern. Die Wärme des Tages staut sich dann im Ort. Ein amtlicher Fachbegriff ist das nicht – er beschreibt nur, was in solchen Nächten passiert. Das Prinzip entspricht dem El Niño im Pazifik, nur im Kleinen: Die gewohnte Kühlung bleibt aus – dort das kalte Tiefenwasser, hier die kühle Luft von den Hängen.

Was ist eine Balkonnacht?

Unser Name für eine Sommernacht, in der es um Mitternacht noch 18 °C oder mehr hat – warm genug, um noch draußen zu sitzen, aber auch zu warm, um die Wohnung durch offene Fenster abzukühlen. In Stuttgart gibt es heute rund die Hälfte mehr Balkonnächte als in den 1980er-Jahren.

Wie warm ist die Rems im Sommer?

Im Juli und August im Mittel um 19 °C, an heißen Tagen über 22 °C (Messstation Rems/Neustadt). Im Januar sind es im Mittel knapp 5 °C.

Kann man in Winterbach windsurfen?

Auf dem Wasser eher nicht – ein passendes Gewässer fehlt. An Land aber schon: Für Wing-Inlineskating und Windskaten reichen 3 Beaufort, und die gibt es in Winterbach an etwa der Hälfte der Tage. Die Remswelle selbst braucht keinen Wind – sie entsteht durch die Strömung der Rems.

Quellen: Open-Meteo, Historical Weather API, ERA5- und ERA5-Land-Reanalyse (Copernicus Climate Change Service, ECMWF), Gitterpunkt Winterbach, stündliche Werte 1991–2025, abgerufen 28.09.2026 – eigene Auswertung · LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg, Online-Messstation Neustadt (CRS136), Rems, Wassertemperatur Tagesmittel 1981–2026, Daten- und Kartendienst der LUBW, abgerufen 28.09.2026 · Surfbare Tage: eigene Auswertung Pegel Schorndorf (LUBW/HVZ), 1996–2025 · Neopren: unsere Empfehlung · Deutscher Wetterdienst, Climate Data Center: Stundenwerte der Lufttemperatur, Stationen Stuttgart-Schnarrenberg (seit 1977) und Stuttgart-Echterdingen (seit 1988), abgerufen 01.10.2026 – eigene Auswertung Mai bis September

Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2026 · Initiative Remswelle