Flusswellen · bauen, betreiben, surfen
Glossar: Fachbegriffe rund um die Flusswelle
Wasserbau, Wasserrecht und Surfszene haben jeweils ihre eigene Sprache. Dieses Glossar erklärt die Begriffe, die in unseren Artikeln, in Gutachten und Behördenvorlagen vorkommen – kurz, ohne Formeln, mit dem Verweis auf den Artikel, der es genauer erklärt. Alphabetisch sortiert.
A–F
Abfluss
Die Wassermenge, die pro Sekunde durch einen Flussquerschnitt fließt, gemessen in Kubikmetern pro Sekunde (m³/s) – umgangssprachlich die Wasserführung. Nicht zu verwechseln mit einem abzweigenden Wasserlauf, der fachlich Ausleitung heißt. Der Abfluss schwankt in einem natürlichen Fluss täglich und ist die wichtigste Stellgröße jeder Flusswelle: Zu wenig Wasser ergibt keine Welle, zu viel eine unsurfbare oder gefährliche. Kennwerte sind MQ (mittlerer Abfluss), MNQ (mittlerer Niedrigwasserabfluss) und MHQ (mittlerer Hochwasserabfluss). → Hydraulik
Absenkbare Rampe
Eine Wellenrampe, die sich hydraulisch ganz aus dem Wasser oder auf die Sohle fahren lässt. Bei Hochwasser bleibt der Abflussquerschnitt frei, und Fische können passieren; in Pforzheim und Nürnberg war die Absenkbarkeit Auflage der Genehmigung. → Wellentypen und Technik
Allgemeinverfügung
Ein Verwaltungsakt, der sich an einen bestimmbaren Personenkreis richtet, etwa an alle, die an einer Stelle surfen. Die Stadt München regelt das Surfen am Eisbach seit 2010 auf diesem Weg – mit Surfzeiten, Leash-Regel und Mindestalter, aber ohne Betreiber. → Fallstudie Eisbach
Auslaufzone
Der Bereich unterhalb der Welle, in den Surfende nach einem Sturz gespült werden. Sie muss frei von Hindernissen wie Störsteinen, Pfeilern und Untiefen sein und einen sicheren Ausstieg haben – eine der zentralen Sicherheitsanforderungen an eine gebaute Welle. → Träger und Betrieb
Dauerlinie
Eine Kurve, die zeigt, an wie vielen Tagen im Jahr ein bestimmter Abfluss erreicht oder überschritten wird. Aus ihr lässt sich ablesen, an wie vielen Tagen eine Welle mit einem bestimmten Wasserbedarf laufen würde – die Surftage-Rechnung. → Machbarkeitsstudie
Durchgängigkeit
Die Möglichkeit für Fische und andere Wasserlebewesen, ein Bauwerk im Fluss flussauf- und flussabwärts zu passieren. Die Wasserrahmenrichtlinie verlangt sie; ein Fischaufstieg, eine Sohlgleite oder eine absenkbare Rampe stellen sie her. In Nürnberg wurde die Welle deshalb mit einem Fischpass gebaut. → Ökologie und Genehmigung
Fischaufstieg
Ein Bauwerk, das Fischen das Überwinden eines Wehrs ermöglicht: eine Treppe aus Becken, ein naturnaher Umgehungsbach oder eine raue Rampe. Auch Fischtreppe oder Fischpass genannt. → Ökologie und Genehmigung
Froude-Zahl
Die Kennzahl, die entscheidet, ob Wasser „strömend“ (ruhig, tief) oder „schießend“ (schnell, flach) fließt. Sie setzt die Fließgeschwindigkeit ins Verhältnis zur Ausbreitungsgeschwindigkeit einer Oberflächenwelle, die von der Wassertiefe abhängt. Unter 1 strömt das Wasser, über 1 schießt es; eine surfbare Welle braucht schießendes Wasser vor dem Sprung, als Erfahrungswert etwa Fr 2,3 und mehr. Benannt nach dem englischen Ingenieur William Froude. → Hydraulik
G–R
Gemeingebrauch
Das Recht, ein Gewässer ohne besondere Erlaubnis zu nutzen – zum Baden, Schwimmen, Fahren mit kleinen Booten ohne Motor. In Baden-Württemberg regelt es § 20 des Wassergesetzes. Surfen auf einer natürlichen Welle fällt darunter; das Errichten einer Anlage im Fluss nicht, dafür braucht es eine wasserrechtliche Zulassung. → Ökologie und Genehmigung
Hydraulischer Sprung
Siehe Wechselsprung.
Leash
Die Fangleine zwischen Surfbrett und Surfer. Im Meer Standard, an Flusswellen umstritten, weil sie sich an Steinen oder Bauteilen verfangen kann; nach dem tödlichen Unfall am Eisbach 2025 schreibt München eine Leash vor, die sich unter Zug löst, Pforzheim verbietet sie ganz. → Träger und Betrieb
Machbarkeitsstudie
Die Untersuchung, ob und wie eine Welle an einem Standort funktionieren kann: Abfluss und Dauerlinie, Hydraulik, Hochwasser, Ökologie, Genehmigungsfähigkeit, Kosten. Sie steht am Anfang jedes Projekts und wird meist von einem Wasserbaubüro oder einer Hochschule erstellt. → Machbarkeitsstudie
Oberwasser
Das Wasser oberhalb eines Wehrs oder einer Rampe – gestaut, langsam, höher als das Unterwasser. Der Höhenunterschied zwischen Ober- und Unterwasser (das Gefälle) treibt die Welle an. → Hydraulik
Pegel
Eine Messstelle, an der Wasserstand und Abfluss eines Flusses laufend erfasst werden. Für die Rems gibt es Pegel in Schorndorf und Neustadt; ihre langjährigen Reihen sind die Grundlage jeder Surftage-Rechnung. → Standort Winterbach
Polder
Im Wasserbau ein eingedeichter Raum, der bei Hochwasser gezielt geflutet werden kann, um Wasser zurückzuhalten. Die Initiative hat früher die Betonblöcke (Trittsteine) vor dem Winterbacher Bauwerk so genannt; weil das fachlich missverständlich ist, heißt diese Standortvariante jetzt „Variante Trittsteine“. → Standort Winterbach
Rapid Surfing
Das Surfen auf stehenden Wellen als Wettkampfsport, mit eigenen Regeln, Deutschen Meisterschaften seit 2019 und seit 2026 einer Europameisterschaft. Nicht olympisch – olympisch ist das Surfen im Meer. → Rapid Surfing
Rettungsschwimmer
Person mit Rettungsschwimmabzeichen (bei DLRG oder Wasserwacht, meist in Silber), die den Surfbetrieb absichert. Die Vereine in Pforzheim, Augsburg und Nürnberg besetzen jede Session mit ausgebildeten Rettungsschwimmern. → Träger und Betrieb
S–Z
Schießender Abfluss
Fließzustand mit Froude-Zahl über 1: Das Wasser ist schnell und flach, Störungen können sich nicht flussaufwärts ausbreiten. Er entsteht am Fuß eines Wehrs oder auf einer Rampe und ist die Voraussetzung für einen Wechselsprung. Gegenteil: strömender Abfluss. → Hydraulik
Slot
Ein gebuchtes Zeitfenster für den Surfbetrieb, meist 60 bis 90 Minuten für acht bis zwölf Personen, betreut von Wellenwart und Rettungsschwimmern. Slots sind das Organisationsprinzip aller neueren Flusswellen. → Träger und Betrieb
Sohle
Der Grund des Flussbetts. Ihre Form unterhalb eines Wehrs entscheidet mit darüber, ob eine Welle steht; in Thun entsteht eine der beiden Wellen an einem Absturz in der Sohle. Eine Sohlschwelle ist eine feste Stufe im Flussbett. → Wellentypen und Technik
Stehende Welle
Eine Welle, die an einem Ort bleibt, während das Wasser hindurchfließt – im Gegensatz zur wandernden Meereswelle. Physikalisch ein Wechselsprung. Auch Flusswelle, Stehwelle oder, in der Szene, „Wave“ genannt. → Hydraulik
Strömender Abfluss
Fließzustand mit Froude-Zahl unter 1: ruhig, tief, wie die Rems an den meisten Tagen. Aus strömendem Wasser entsteht keine Welle; es muss erst durch Anstau, Verengung oder eine Rampe zum Schießen gebracht werden. → Hydraulik
Surftage
Die Zahl der Tage im Jahr, an denen eine Welle bei ausreichendem und nicht zu hohem Abfluss läuft. Sie ergibt sich aus der Dauerlinie und dem Betriebsbereich der Anlage; Bern nannte für sein Projekt ein Ziel von 100 Tagen. → Machbarkeitsstudie
Träger
Die Organisation, die eine Welle rechtlich verantwortet: Vertragspartner der Behörde, Inhaber der Erlaubnis, Träger der Verkehrssicherungspflicht. Bei den deutschen Flusswellen ein gemeinnütziger Verein, in Salzburg die Stadt. → Träger und Betrieb
Unterwasser
Das Wasser unterhalb eines Wehrs oder einer Rampe. Seine Tiefe bestimmt, wo der Wechselsprung steht und wie die Welle aussieht: Zu tiefes Unterwasser „ertränkt“ die Welle, zu flaches macht sie zur Walze. → Hydraulik
Verkehrssicherungspflicht
Die Pflicht dessen, der eine Anlage betreibt oder eine Gefahrenquelle schafft, die erforderlichen und zumutbaren Vorkehrungen gegen Schäden zu treffen. Für eine Flusswelle: Auslaufzone, Regeln, Einweisung, Aufsicht, Abschaltung bei Hochwasser. → Träger und Betrieb
Walze
Eine Rückströmung, bei der Wasser an der Oberfläche flussaufwärts zurückläuft und einen rotierenden Wasserkörper bildet. Kleine Walzen gehören zu jeder brechenden Welle; große Walzen unterhalb von Wehren halten Menschen und Gegenstände fest und sind die klassische Gefahr an Wehren. Eine gute Surfwelle hat eine Walze, die trägt, statt festzuhalten. → Hydraulik
Wasserrahmenrichtlinie (WRRL)
Die EU-Richtlinie von 2000, die für alle Gewässer einen „guten Zustand“ verlangt und Verschlechterungen verbietet. Jeder Eingriff in einen Fluss, auch eine Welle, wird an ihr gemessen; die Bewertung erfolgt je Wasserkörper nach Biologie, Chemie und Gewässerstruktur. → Ökologie und Genehmigung
Wasserrechtliche Erlaubnis
Die behördliche Zulassung für die Errichtung und den Betrieb einer Anlage in einem Gewässer nach Wasserhaushaltsgesetz und Landeswassergesetz. Der Umbau eines Wehrs oder der Einbau einer Rampe ist darüber hinaus ein Gewässerausbau, der eine Planfeststellung oder Plangenehmigung der Wasserbehörde braucht. → Ökologie und Genehmigung
Wechselsprung
Der abrupte Übergang von schießendem zu strömendem Abfluss: Schnelles, flaches Wasser trifft auf langsames, tiefes und wirft dabei einen stehenden Wasserwall auf. Jede stehende Welle ist ein Wechselsprung, auch hydraulischer Sprung genannt. Seine Form hängt von der Froude-Zahl vor dem Sprung ab. → Hydraulik
Wehr
Ein Bauwerk quer zum Fluss, das das Wasser aufstaut – zur Wasserkraft, zur Regulierung oder historisch für Mühlen. Feste Wehre haben eine unveränderliche Krone, bewegliche Wehre Klappen oder Schütze. Das „Remswehr“ in Winterbach ist genau genommen kein Wehr, sondern das Durchlassbauwerk des Hochwasserrückhaltebeckens Schorndorf/Winterbach: Bei normalem Wasserstand fließt die Rems eben hindurch, nur bei Hochwasser schließen Tore den Durchlass und stauen das Tal ein. Es ist der Ausgangspunkt der Remswelle. → Standort Winterbach
Wellenwart
Die aufsichtführende Person eines Slots, in Hannover „Wavemaster“, in Augsburg „Wellenwärter“ genannt: steuert die Rampe, weist ein, setzt die Regeln durch und entscheidet, wann nicht gesurft wird. Ehrenamtlich, meist mit Rettungsschwimmerausbildung. → Träger und Betrieb
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Flusswelle, stehender Welle und Stehwelle?
Keiner – die Begriffe meinen dieselbe Sache: eine Welle, die an einem Ort im fließenden Wasser steht. „Rapid Surfing“ ist der Name des Sports darauf.
Was bedeutet Froude-Zahl 2,3?
Dass das Wasser vor dem Sprung 2,3-mal so schnell fließt, wie sich eine Oberflächenwelle in dieser Wassertiefe ausbreiten könnte. Ab etwa diesem Wert entsteht nach Erfahrungswerten eine kräftig brechende, surfbare Welle; deutlich darüber wird die Walze zu stark.
Warum ist die Walze unter einem Wehr gefährlich?
Weil das zurückströmende Wasser an der Oberfläche einen Körper immer wieder zum Wehr zurückzieht. Gebaute Surfwellen sind so geformt, dass die Walze trägt und die Strömung dahinter in eine freie Auslaufzone führt.
Quellen: Ven Te Chow, Open-Channel Hydraulics, 1959 (Einteilung des Wechselsprungs) · Universität Innsbruck, Arbeitsbereich Wasserbau, Newsroom 01.04.2022 · Wassergesetz für Baden-Württemberg, § 20 (Gemeingebrauch) · Richtlinie 2000/60/EG (Wasserrahmenrichtlinie) · Landeshauptstadt München, Allgemeinverfügung Surfen Eisbach vom 08.05.2026 · Nürnberger Dauerwelle e.V., Leinewelle e.V., blackforestwave e.V., Surffreunde Augsburg e.V., Betriebsregeln und FAQ (siehe Träger und Betrieb) · Wasserverband Rems, „Der Verband“ · Stadt Bern, Projekt Flusswelle (Surftage-Ziel; siehe Machbarkeitsstudie)
Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2026 · Initiative Remswelle