Rems und Winterbach · Fluss, Wasser, Natur und Geschichte
Wasser in Winterbach – wo es fällt, wohin es fließt und wo es bleibt
Jeder Regentropfen, der auf die Gemarkung Winterbach fällt, nimmt einen von wenigen Wegen: Er verdunstet, versickert, tritt als Quelle wieder aus, läuft in einen Bach – und landet früher oder später in der Rems. Wir Surfer schauen jeden Tag auf den Pegel, denn die Welle lebt von genau diesem Wasser. Auf dieser Seite folgen wir dem Tropfen von oben nach unten. Die Belege stehen auf den verlinkten Seiten.
1. Oben: Regen auf zwei Hängen
Winterbach liegt zwischen zwei Hängen, die sich gegenüberstehen: im Süden der Schurwald, der auf über 460 Meter steigt, im Norden der Hungerberg mit über 400 Metern. Dazwischen, bei 238 Metern, die Rems. Was auf diese Hänge fällt, fließt dem Tal zu – nicht gleichmäßig, sondern gebündelt in Klingen und Bachtälern, die das Geländemodell deutlich zeigt. Dieselben Täler nutzt nachts die kühle Luft: Wo Wasser abfließt, fließt auch Kaltluft. Beides folgt dem Relief, und deshalb sind die Täler für Winterbach doppelt wichtig. → Kühle Luft für Winterbach · → Wind und Wetter
2. Im Hang: Quellen, wo Sandstein auf Mergel liegt
Ein Teil des Regens versickert und kommt wieder zum Vorschein: Wo im Keuper eine Sandsteinbank auf wasserundurchlässigem Mergel liegt, tritt an der Grenze Wasser aus. Deshalb ist der Schurwaldhang „reich an immer fließenden Quellen“, deshalb gab es am Hungerberg den Pfaffenbrunnen und die Quelle in der Höffenklinge, deshalb hatte Winterbach nach der Oberamtsbeschreibung „das beste Quellwasser im Remsthal“. Hangwasser tritt auch dort aus, wo keine Quelle gefasst ist – an manchen Stellen der Aue ist der Boden deshalb bis heute feucht. → Quellen und Hangwasser
3. Die Bäche: sieben Wege zur Rems
Auf Winterbacher Gemarkung erreichen sieben Bäche die Rems. Von Süden, aus dem Schurwald, kommen der Lehenbach (4,9 Kilometer, 7,1 Quadratkilometer Einzugsgebiet) – unter der Ortsmitte verdolt –, der Krebsbach mit dem Wattenbach, der Bücklensweilerbach und der Alsebach; von Norden, vom Hungerberg, der Weilerbach und die Höffenklinge; an der Grenze zu Remshalden der Schweinbach. Viele davon fließen auf den letzten Metern durch den Ort in Rohren. Bei Gewittern können sie in Minuten anschwellen – das ist das Starkregenproblem, das die Rems selbst gar nicht hat. → Zuflüsse der Rems
4. Die Rems: 418 Quadratkilometer kommen hier an
Was oberhalb von Winterbach fällt – auf der Ostalb, im Welzheimer Wald, im Schurwald –, sammelt die Rems. Am Pegel Schorndorf, zwei Kilometer oberhalb des Remswehrs, entwässert sie 418 Quadratkilometer; der größte Zufluss ist die Wieslauf mit 77 Quadratkilometern. Im Mittel fließen 5,15 Kubikmeter in der Sekunde vorbei, an einem typischen Tag rund 3, im Hochwasser mehr als 100. Diese Zahlen sind für uns die wichtigsten überhaupt: Aus ihnen rechnen wir, an wie vielen Tagen im Jahr die Welle laufen könnte und wann sie „pumpt“. 95 Jahre Pegeldaten haben wir dafür ausgewertet. → Wasserführung der Rems · → Die Rems in Zahlen
Heute: 0,63 m³/s (Tagesmittel 24.09.2026) – sehr wenig Wasser für Ende September (typisch 1,68 m³/s). Die Rems heute →
5. Zu viel: Hochwasser und Starkregen
Hochwasser kommt in Winterbach aus zwei Richtungen. Aus der Rems, wenn es im ganzen Einzugsgebiet lange regnet – dann schließen sich die Tore unter der Brücke Ostlandstraße, und das Rückhaltebecken Schorndorf/Winterbach füllt sich mit bis zu 1,17 Millionen Kubikmetern, wie zweimal im Juni 2024. Und von den Hängen, wenn ein Gewitter über dem Schurwald niedergeht – dann hält der Lehenbachstausee südlich des Orts bis zu 452.000 Kubikmeter zurück, und die Starkregengefahrenkarten des Wasserverbands zeigen, wo das Wasser durch den Ort läuft. Die Pegelreihe zeigt noch etwas: Die großen Rems-Hochwasser fallen fast alle ins Winterhalbjahr, und meist war das Einzugsgebiet schon vorher nass. → Hochwasserschutz an der Rems
6. Zu wenig: Niedrigwasser und warmes Wasser
Im Spätsommer wird das Wasser knapp. Dann fließt in Schorndorf an vielen Tagen weniger als ein Kubikmeter in der Sekunde – 2026 bis Ende September an 76 Tagen –, die Rems wird warm – im Juni 2026 erstmals über 25 Grad im Tagesmittel –, und Fische wie die Barbe geraten in Stress. Wie viel Wasser nach einem Regen noch Wochen später aus dem Hang nachläuft, entscheidet, wie tief die Rems im August sinkt. Eine Landschaft, die Wasser hält – Wald, Wiesen, Streuobst, feuchte Aue –, stützt den Fluss in der Trockenzeit. → Schwammlandschaft Winterbach · → Die Rems wird wärmer · → Wasserqualität der Rems
7. Die Aue: wo Wasser bleiben darf
Unterhalb des Orts hat die Rems seit 2018 wieder Platz: Auf gut einem Kilometer wurde sie renaturiert, und im Juni 2024 ließ das Landratsamt genau diese Flächen fluten, um das Rückhaltebecken zu entlasten. Die Aue ist der natürliche Speicher des Tals – bei Hochwasser nimmt sie Wasser auf, in der Trockenzeit gibt der Auenboden es langsam ab, und dazwischen leben Biber, Eisvogel und Barbe davon. Was die Aue leisten kann, hängt davon ab, wie viel davon frei bleibt. → Renaturierung in Winterbach · → Tiere und Pflanzen · → Winterbach wächst
Zwei Karten zum Wasser
Wo in Winterbach Wasser ist – Bäche, Quellen, Seen, Teiche und Rückhaltebecken – zeigt die Gewässer-Karte:
Wohin es bei Starkregen und Hochwasser fließt – Fließwege an den Hängen, Einzugsgebiete mit ihren Wasserscheiden und die Hochwasserflächen vom zehnjährlichen bis zum Extremhochwasser – zeigt die Hochwasser-Karte. → Starkregen in Winterbach
Was das für die Remswelle heißt
Die Welle braucht Wasser, das verlässlich kommt – nicht zu wenig im Sommer, nicht zu viel im Winter. Beides hängt an derselben Landschaft: an Hängen, die Wasser halten, an Bächen, die es langsam abgeben, an einer Aue, die Hochwasser Platz lässt. Wer die Welle will, hat ein Interesse daran, dass Winterbach mit seinem Wasser gut umgeht. → Was hat das alles mit Surfen zu tun? · → Standort Winterbach
Häufige Fragen
Woher kommt das Wasser der Rems in Winterbach?
Aus einem Einzugsgebiet von 418 Quadratkilometern oberhalb des Pegels Schorndorf: Ostalb, Welzheimer Wald, Schurwald. Der größte Zufluss ist die Wieslauf, die kurz vor Schorndorf mündet.
Wie viele Bäche fließen in Winterbach in die Rems?
Sieben: Lehenbach, Krebsbach mit Wattenbach, Bücklensweilerbach und Alsebach vom Schurwald, Weilerbach und Höffenklinge vom Hungerberg, der Schweinbach an der Grenze zu Remshalden.
Kommt Hochwasser in Winterbach aus der Rems oder aus den Bächen?
Aus beiden. Rems-Hochwasser entsteht bei langem Regen im ganzen Einzugsgebiet, meist im Winterhalbjahr; die Bäche schwellen bei Sommergewittern über den Hängen in Minuten an.
Warum haben Täler mit Wasser und Kaltluft zu tun?
Weil beides dem Relief folgt: Regenwasser fließt in den Klingen und Bachtälern ab, und nachts fließt dort die kühle Luft von den Hängen in den Ort.
Quellen
Die Belege stehen auf den verlinkten Seiten: LUBW (Pegel Schorndorf, Hochwassergefahrenkarten, Daten aus dem Umweltinformationssystem), Wasserverband Rems (Rückhaltebecken, Starkregengefahrenkarten), Oberamtsbeschreibung Schorndorf 1851, Landeskunde Baden-Württemberg, Geländemodell DGM1 des LGL-BW (Datenlizenz Deutschland – Namensnennung 2.0), Klimaatlas Region Stuttgart, Landratsamt Rems-Murr-Kreis.
Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2026 · Initiative Remswelle