Remswelle

Flusswellen · bauen, betreiben, surfen

Flusswelle genehmigen: Wasserrecht, Ökologie, Hochwasser

Eine Welle in einem Fluss ist ein Eingriff in ein Gewässer. Dafür gibt es in Deutschland ein klares Verfahren – und klare Fragen, die jede Initiative beantworten muss. Wer sie früh beantwortet, spart Jahre. Wer sie ignoriert, scheitert: nicht an der Politik, sondern am Wasser.

Welche Genehmigung?

Der Umbau eines Wehrs oder der Einbau einer Rampe ist ein Gewässerausbau im Sinne des Wasserhaushaltsgesetzes (§ 67 WHG): eine wesentliche Umgestaltung eines Gewässers oder seiner Ufer. Gewässerausbau braucht nach § 68 WHG eine Planfeststellung durch die Wasserbehörde – oder, wenn keine Umweltverträglichkeitsprüfung nötig ist und keine erheblichen Auswirkungen zu erwarten sind, die einfachere Plangenehmigung. Zuständig ist die untere Wasserbehörde beim Landratsamt, in Baden-Württemberg bei größeren Vorhaben das Regierungspräsidium.

Im Verfahren werden alle betroffenen Belange abgefragt: Hochwasserschutz, Gewässerökologie, Fischerei, Naturschutz, Denkmalschutz, Anlieger. Die Behörde entscheidet nicht nach Sympathie, sondern nach Gutachten. Deshalb ist die Machbarkeitsstudie mit hydraulischem Nachweis die Eintrittskarte, nicht die Unterschriftenliste. → Machbarkeitsstudie

Wasserrahmenrichtlinie und Durchgängigkeit

Die europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) verpflichtet die Länder, Flüsse in einen guten ökologischen Zustand zu bringen. Ein Kernpunkt ist die Durchgängigkeit: Fische und Kleinlebewesen müssen Querbauwerke wie Wehre passieren können. Ein Wellenumbau darf die Durchgängigkeit nicht verschlechtern; wie das im Einzelfall sichergestellt wird, klärt das Verfahren. Nürnberg hat die Fuchslochwelle so gebaut: Kanal parallel zur Pegnitz, Welle im Kanal, Fischtreppe am Fluss. Pforzheim hat die Welle in einen bestehenden Kanal (Metzelgraben) gesetzt, der Fluss selbst blieb unberührt; die Anlage lässt sich außerdem komplett absenken, sodass sie in Ruhe den Abfluss kaum behindert.

Hochwasserschutz

Wie das Rückhaltebecken Schorndorf/Winterbach funktioniert und welche Hochwasser es gab: → Hochwasserschutz an der Rems

Kein Bauwerk im Fluss darf den Hochwasserabfluss verschlechtern. Die Lösung der modernen Wellen ist Verstellbarkeit: Nürnbergs Rampenmodule, Hannovers hydraulisch gesteuertes Wehr und Pforzheims Hydraulikzylinder fahren die Anlage bei steigendem Pegel aus dem Wasser. Der Abflussquerschnitt ist dann der gleiche wie vor dem Bau. Der hydraulische Nachweis dafür gehört in die Machbarkeitsstudie.

Wasserqualität – die Lehre aus Stuttgart

Die Neckarwelle in Stuttgart-Untertürkheim hatte eine Machbarkeitsstudie, einen Verein und politische Unterstützung. Die Stadt lehnte 2019 trotzdem ab: Der Neckar ist mit Krankheitserregern belastet, und wer beim Sturz untertaucht und Wasser schluckt, gefährdet seine Gesundheit. Die Behörde stufte das als K.-o.-Kriterium ein. Die Lehre für jedes Projekt: Wasserqualität ist keine Fußnote, sondern die erste Frage. Messwerte (E. coli, Enterokokken) an der Wellenstelle über eine Saison, Einleitungen oberhalb und Regenüberläufe gehören früh auf den Tisch.

Weitere Belange

Naturschutz. Liegt der Standort in einem Schutzgebiet (FFH, Landschaftsschutz), kommen Verträglichkeitsprüfungen hinzu. Fischerei. Der Fischereiberechtigte ist Beteiligter und oft ein guter früher Gesprächspartner. Lärm und Verkehr. Eine Welle rauscht wie ein Wehr; Betriebszeiten und Zuwegung sind Teil des Betriebskonzepts. Sicherheit. Auslaufzone ohne Hindernisse, Abschaltung bei Hochwasser, Betriebsregeln.

Wie lange dauert das?

Nürnberg: Idee 2011, Verein 2012, Planung ab 2013, Baugenehmigung 2017, Eröffnung 2022 – elf Jahre. Hannover: Planung ab 2013, Baubeginn 2021, Eröffnung 2023 – zehn Jahre. Pforzheim: Vision 2014, Genehmigung 2018, Betrieb 2021 – sieben Jahre. Wer eine Flusswelle will, plant in Jahren, nicht in Saisons.

Häufige Fragen

Welche Genehmigung braucht eine Flusswelle?

Der Umbau eines Wehrs oder der Einbau einer Rampe ist ein Gewässerausbau nach § 67 Wasserhaushaltsgesetz. Er braucht eine Planfeststellung oder, wenn keine Umweltverträglichkeitsprüfung nötig ist, eine Plangenehmigung der Wasserbehörde. Hannover kam mit einer wasserrechtlichen Erlaubnis der Region aus, Pforzheim mit einer Erlaubnis des städtischen Umweltamts.

Wie lange dauert das Genehmigungsverfahren?

Nürnberg brauchte von Planungsbeginn 2013 bis zur Genehmigung 2017 vier Jahre, Hannover von der Idee 2013 bis zur Erlaubnis 2019 sechs Jahre einschließlich Gestattungsvertrag. Mit Vorbereitung, Gutachten und Anhörung sollte man in Jahren rechnen.

Kann eine Flusswelle an der Wasserqualität scheitern?

Ja. Die Neckarwelle in Stuttgart wurde 2019 nicht genehmigt, weil der Neckar mit Krankheitserregern belastet ist. Messwerte an der Wellenstelle über eine Saison gehören deshalb früh auf den Tisch.

Wer ist im Verfahren zu beteiligen?

Die Wasserbehörde führt das Verfahren; angehört werden Naturschutz, Fischerei, Hochwasserschutz, Denkmalschutz und Anlieger. Der Fischereiberechtigte ist ein früher Gesprächspartner – in Hannover kam es zur Klage und danach zur Einigung.

Quellen: Wasserhaushaltsgesetz §§ 67, 68 (gesetze-im-internet.de) · Stuttgarter Zeitung, März 2019, „Aus für die Neckarwelle“ · Nürnberger Dauerwelle e.V., Geschichte und FAQ · blackforestwave e.V., „Welle“ · Wikipedia, „Leinewelle“ · infranken.de, 25.03.2022

Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2026 · Initiative Remswelle