Flusswellen · bauen, betreiben, surfen
Machbarkeitsstudie: was geprüft wird
Jede Welle, die heute läuft, hatte eine. Jedes Projekt, das gescheitert ist, ist an einer Frage gescheitert, die eine Studie hätte früher stellen können: Regensburg an fehlenden Standorten, Stuttgart an der Wasserqualität, Wolfratshausen an den Kosten. Die Machbarkeitsstudie ist deshalb kein Papier für die Schublade, sondern das Werkzeug, mit dem man entscheidet, ob man weitergeht.
Stufe 1: Ist der Standort grundsätzlich geeignet?
Hydrologie. Abflussdaten des Pegels über viele Jahre: mittlerer Abfluss, Niedrig- und Hochwasser, und vor allem die Dauerlinie – an wie vielen Tagen im Jahr liegt der Abfluss im Fenster, in dem die Welle surfbar wäre? In Baden-Württemberg liefert die Landesanstalt für Umwelt (LUBW) die Pegeldaten. Bern plant mit rund 100 Surftagen im Jahr; darunter wird es eng.
Gefälle und Geometrie. Welcher Höhenunterschied zwischen Ober- und Unterwasser sich am Bauwerk erzeugen lässt, Breite, Sohle, Ufer. Das wird vermessen (Laserscan, Echolot) – Bern hat so begonnen, bevor überhaupt modelliert wurde.
Wasserqualität. Badegewässerqualität an der Wellenstelle, Einleitungen oberhalb, Regenüberläufe. Siehe Stuttgart.
Rahmenbedingungen. Eigentum an Ufer und Wehr, Schutzgebiete, Hochwasserschutz, Denkmalschutz, Erreichbarkeit.
Ergebnis der Stufe 1 ist ein Ja, ein Nein oder ein „Ja, mit diesen Auflagen“. Regensburg hat sieben Standorte prüfen lassen und bei keinem ein uneingeschränktes Ja bekommen – das ist auch ein Ergebnis, und ein nützliches.
Stufe 2: Wie sähe die Welle aus?
Hydraulische Modellierung. Für ein bis zwei Varianten wird berechnet, welche Bauform (Rampe, Verengung, Anstau) bei welchem Abfluss welche Welle ergibt: Höhe, Breite, Froude-Zahl, Rückströmung, Verhalten bei Hochwasser. Das geschieht heute meist numerisch, bei größeren Projekten zusätzlich im physikalischen Modell an einer Hochschule. Die Universität Innsbruck (Wasserbau) hat solche Modelle mit dem Wellenbauer Dreamwave entwickelt; die Technische Hochschule Augsburg hat die Surfwelle Augsburg in Carbonbeton begleitet.
Kostenschätzung. Bau, Planung, Gutachten, Betrieb – mit Puffer.
Verfahrensweg. Planfeststellung oder Plangenehmigung, beteiligte Behörden, Zeitplan. → Ökologie und Genehmigung
Stufe 3: Versuchsaufbau am Wehr
Zwischen Modell und Bau gibt es einen Schritt, den viele Wellen gegangen sind, bevor sie „gebaut“ wurden: den Versuch im Fluss. Die Eisbachwelle ist so entstanden – mit Holzplanken unter der Brücke, die Surfer über Seile nachstellten, jahrelang geduldet, 2010 legalisiert. Salzburg hat 2010 eine Holzrampe in den Almkanal gesetzt, rund 90.000 Euro, und stellt sie bis heute kostenlos zur Verfügung. Pforzheims erste Rampe kostete etwa 80.000 Euro plus Eigenleistung, und in Nürnberg begann die Fuchslochwelle als Rampenidee für 500.000 Euro, bevor sie im Verfahren zum Wasserbauwerk wurde. Ein Versuchsaufbau beantwortet die Frage, die kein Modell ganz beantwortet: Steht an dieser Stelle bei diesem Abfluss eine Welle, auf der man surfen kann?
Für Winterbach ist das besonders naheliegend, weil Bauwerk, Ufer und Zugang schon da sind. Eine Stufe gibt es dort nicht – die Rems fließt bei normalem Wasserstand eben durch das Durchlassbauwerk. Gerade deshalb ist ein Versuch aufschlussreich: Ein verstellbares Brett oder eine kleine Rampe, drei bis vier Meter breit, wäre der günstigste Weg, die Form der Welle und den Abfluss zu finden, ab dem sie trägt. Die Spanne reicht dabei bewusst bis ganz nach unten: von einem einzelnen angestellten, verstellbaren Brett an den vorhandenen Trittsteinen über eine Holzrampe wie in Salzburg bis zu einem verstellbaren Stahlelement, wie es Pforzheim 2026 einbaut – Kosten von wenigen tausend Euro mit Eigenleistung bis in den fünfstelligen Bereich, dazu die hydraulische Vorprüfung durch einen Wasserbauer. Und ja: Aus dem Versuch kann die Dauerlösung werden, wenn er zeigt, dass eine kleine, verstellbare Welle das ist, was der Standort hergibt.
Was ein Versuchsaufbau nicht ist: ein Eisbach-Anfang „erst mal Bretter rein“. Das Wehr in Winterbach ist Teil eines Hochwasserrückhaltebeckens, die Rems ein Gewässer erster Ordnung. Ein Versuch braucht eine befristete wasserrechtliche Erlaubnis des Landratsamts, das Einverständnis des Wasserverbands Rems als Betreiber der Anlage, eine Bauweise, die sich bei Hochwasser herausnehmen oder absenken lässt, und eine Zusage zum Rückbau. Die Trittsteine, an die ein Brett gestellt würde, gehören vermutlich zum Durchlassbauwerk – ihre Funktion muss geklärt sein, bevor etwas an ihnen befestigt wird. Das ist kein Hindernis, sondern die Reihenfolge: erst die Erlaubnis, dann der Versuch. → Was eine Flusswelle kostet
Wer macht das?
Drei Wege, oft kombiniert: ein Ingenieurbüro für Wasserbau (belastbar für die Behörde, kostet fünfstellig), eine Hochschule mit Wasserbau-Lehrstuhl (Abschlussarbeiten, Modellversuche – Augsburg und Ingolstadt haben so angefangen) und ein Wellenbauer (Dreamwave, Meo River Concept u. a.), der Vorprüfungen anbietet, aber naturgemäß seine Technik im Blick hat. Was ehrenamtlich geht: Pegeldaten auswerten, Standort dokumentieren, Gespräche mit Behörden vorbereiten. Was nicht ehrenamtlich geht: der hydraulische Nachweis, den die Wasserbehörde akzeptiert.
Und die Remswelle?
Wir stehen in Stufe 1. Das Projektteam trägt die Grundlagen zusammen: Pegeldaten der Rems (unsere eigene Auswertung liegt vor), Vermessung des Wehrs, Rahmenbedingungen, Gespräche. Als Stufe 3 halten wir einen Versuchsaufbau am Wehr für den richtigen Weg – klein, verstellbar, mit Erlaubnis. Die Ergebnisse veröffentlichen wir auf dieser Seite, sobald sie belastbar sind – auch, wenn sie unbequem sind. → Projektstand
Häufige Fragen
Was kostet eine Machbarkeitsstudie für eine Flusswelle?
Belegte Zahlen sind selten. Die Stadt Regensburg hat 2023 eine Standortstudie für sieben Standorte beauftragt; das Steyrer Projekt lässt Archäologie, Geotechnik und Vorplanung über ein LEADER-Projekt mit rund 30.000 Euro fördern. Eine hydraulische Modellierung mit Vermessung liegt erfahrungsgemäß im fünfstelligen Bereich; der genaue Umfang bestimmt den Preis.
Wer erstellt eine Machbarkeitsstudie?
Wasserbaubüros und Hochschulinstitute mit Erfahrung im Wellenbau, etwa der Arbeitsbereich Wasserbau der Universität Innsbruck (Nürnberg, Kempten, Wolfratshausen), DonauConsult (Salzburg) oder regionale Ingenieurbüros wie WALD+CORBE (Pforzheim). Die Anbieter der Wellentechnik liefern meist eine eigene Voreinschätzung.
Welche Daten braucht die Studie?
Abflussdaten über mehrere Jahre (Mittelwasser, Niedrigwasser, Hochwasser), eine Vermessung von Wehr, Sohle und Ufern, Angaben zum Baugrund, zur Wasserqualität und zu Schutzgebieten sowie die Betriebsregeln des Wehrs.
Kann man eine Welle nicht einfach ausprobieren, statt sie zu berechnen?
Man kann, und viele haben es getan – der Eisbach, Salzburg, die erste Rampe in Pforzheim. Ein Versuchsaufbau mit einem verstellbaren Brett oder einer kleinen Rampe ist der günstigste Weg, die Welle zu finden. Voraussetzung sind eine befristete wasserrechtliche Erlaubnis, das Einverständnis des Anlagenbetreibers und eine Bauweise, die bei Hochwasser aus dem Wasser geht.
Was passiert, wenn die Studie negativ ausfällt?
Dann ist das Projekt am geprüften Standort beendet oder muss verändert werden – das ist der Sinn der Studie. Regensburg hat 2023 sieben Standorte prüfen lassen und keinen uneingeschränkt geeigneten gefunden, Wolfratshausen wurde 2022 wegen der Kosten beendet. Ehrlich zu prüfen ist billiger als spät zu scheitern.
Quellen: Wikipedia „Eisbachwelle“ (Holzplanken, Legalisierung 2010) · Stadt Salzburg, „Almkanal“ (Holzrampe 2010) · blackforestwave e.V., Umbau 2026 · nn.de, 25.03.2022 (Nürnberg: von 500.000 Euro zur Anlage) · Stadt Regensburg, Machbarkeitsstudie Surferwelle, 16.02.2023 · Flusswelle Bern, „Projekt“ (flusswelle.be) · Universität Innsbruck, „Die perfekte Welle“, 2015 · TH Augsburg, „Die Surfwelle in Augsburg“ · Surfers Mag, 02.08.2022 (Wolfratshausen) · Stuttgarter Zeitung, März 2019 (Neckarwelle)
Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2026 · Initiative Remswelle