Rems und Winterbach · Fluss, Wasser, Natur und Geschichte
Tiere und Pflanzen an der Rems
An der Rems in Winterbach leben Barbe, Eisvogel und Wasserfrosch – diese drei stellt der Landesbetrieb Gewässer auf den Infotafeln an der renaturierten Rems vor. Seit 2022 ist dort auch der Biber zurück. Wie gut es den Lebewesen im Fluss insgesamt geht, bewertet die Wasserrahmenrichtlinie: Die Kleinlebewesen am Gewässergrund und die Wasserpflanzen sind in der Rems „gut“, die Fische nur „mäßig“. Wir trennen auf dieser Seite streng, was für Winterbach belegt ist, was für andere Abschnitte der Rems und was nur allgemein gilt. Eine vollständige, amtliche Artenliste für Winterbach gibt es öffentlich nicht.
Viele Lebensräume in einem Fluss
„Die Rems bei Winterbach lässt sich der Barbenregion zuordnen“, schreibt das Regierungspräsidium Stuttgart. Die Barbe ist also der Leitfisch dieses Flussabschnitts – und an ihr sieht man, was ein Fluss braucht: Sie laicht an flachen, kiesigen Stellen im strömenden Wasser, ihre Eier haften zwischen Kies und unter Steinen. Die Jungfische suchen zuerst ruhige Bereiche und wechseln später ins strömende Wasser. Der Eisvogel braucht dagegen ungestörte, bewuchsfreie Steilufer, der Wasserfrosch sonnige Ufer und Flachwasser. Wertvoll ist also nicht eine bestimmte „ideale“ Rems, sondern das Nebeneinander vieler Strukturen: schnelles und langsames Wasser, Kies, tiefe Stellen, Unterstände, Flachwasser und ruhige Ufer.
Bei Winterbach belegt
- Barbe – Grundfisch schnell fließender Flüsse, laicht an flachen Kiesstellen. Charakterart auf den Infotafeln an der renaturierten Rems.
- Eisvogel – brütet in Steilwänden ohne Bewuchs und reagiert empfindlich auf Störungen; auf den Infotafeln, kurz nach der Renaturierung an neuen Brutröhren beobachtet.
- Wasserfrosch – dritte Charakterart der Infotafeln.
- Biber – eindeutige Spuren seit März 2022 zwischen Winterbach und Remshalden, 2023 vermutlich zwei Tiere; nach dem Hochwasser 2024 zeitweise verschwunden, seit April 2025 wieder nachgewiesen. → Renaturierung Winterbach
Aus eigener Beobachtung: Im Bereich Remsknie, am kleinen Wehr und an der Brücke Ostlandstraße sehen wir regelmäßig zahlreiche Stichlinge – kleine Fische, die ruhiges, flaches Wasser mögen. Das ist unsere Beobachtung, kein amtlicher Nachweis.
An anderen Abschnitten der Rems belegt
- Nase – ein Fisch, der auf kiesige Flüsse angewiesen ist; im April 2021 wurden drei tote Nasen bei Plüderhausen gefunden, die Ursache blieb unklar.
- Bachforelle und Groppe – bei Lorch-Waldhausen, nach Angaben der Gewässerführer des dortigen Fischerei- und Hegevereins (2021). Dort sollen auch rund 35 Libellenarten vorkommen, dazu Eisvogel und Wasseramsel.
- Signalkrebs und Bisamratte – eingewanderte Arten aus Nordamerika, bei Lorch; der Signalkrebs verdrängt den heimischen Edelkrebs.
- Unteres Remstal zwischen Waiblingen-Neustadt und Remseck: Eisvogel, Wasseramsel, Graureiher, Gebirgsstelze, Gänsesäger, Feuersalamander und über 150 Vogelarten im Naturschutzgebiet.
Anglerportale nennen für die Strecke bei Schorndorf und Winterbach weitere Arten wie Döbel, Hasel, Hecht und Karpfen – alles Arten, die nach der amtlichen Referenzliste (siehe unten) hierher gehören. Es sind aber Angaben von Nutzern, keine amtlichen Nachweise; wir führen sie deshalb nicht als belegt.
Problempflanzen am Ufer
An den Uferhängen bei Lorch-Waldhausen breiten sich nach Angaben der Gewässerführer das Indische (Drüsige) Springkraut und der Japanische Staudenknöterich stark aus. Beide Pflanzen stammen aus Asien und verdrängen heimische Ufervegetation. Für den Abschnitt Winterbach haben wir dazu keinen veröffentlichten Beleg gefunden.
Wie die Wasserrahmenrichtlinie die Rems bewertet
Für die Bewirtschaftung ist die Rems in zwei Wasserkörper geteilt. Die Grenze liegt an der Mündung des Walkersbachs unterhalb von Lorch. Oberhalb ist der ökologische Zustand „mäßig“, unterhalb – mit Schorndorf, Winterbach und Remshalden – „unbefriedigend“. In beiden Abschnitten sind die Kleinlebewesen am Gewässergrund und die Wasserpflanzen „gut“, die Fische „mäßig“. Heruntergezogen wird die Bewertung vor allem durch Querbauwerke, begradigte Abschnitte und veränderte Wasserführung – also durch den Lebensraum, weniger durch die Wasserqualität. Als Maßnahmen plant das Land unter anderem, Wehre und Ausleitungen zwischen der Mündung und dem Walkersbach durchgängig zu machen. → Wasserqualität der Rems
Welche Fische in die Rems bei Winterbach gehören
Woran misst die Wasserrahmenrichtlinie die Fische? An einer Liste, die die Fischereiforschungsstelle des Landes für jeden Flussabschnitt festgelegt hat: der Referenz-Fischgemeinschaft. Sie beschreibt, welche Arten in welchen Anteilen in einem naturnahen Zustand zu erwarten wären. Für die Rems von der Mündung des Haldenbachs bei Weinstadt-Endersbach bis zur Mündung des Schornbachs in Schorndorf – also auch für Winterbach – sind es 27 Arten:
- Leitarten: Barbe, Nase, Döbel, Hasel und Gründling (je 9 Prozent), Elritze, Schmerle und Schneider (je 7,4 Prozent), Aal und Rotauge (je 6 Prozent).
- Begleitarten: Flussbarsch und Ukelei (je 3,5 Prozent), Bachforelle, Groppe und Hecht (je 2 Prozent), Äsche (1,6 Prozent), Karpfen (1 Prozent).
- Seltene Arten: Brachse, Dreistachliger Stichling, Giebel, Quappe und Strömer (je 0,8 Prozent), Bachneunauge (0,4 Prozent), Güster, Karausche, Rotfeder und Schleie (je 0,2 Prozent).
Die Liste zeigt, was hierher gehört – nicht, was heute tatsächlich vorkommt. Sie passt aber zu dem, was man an der Rems sieht: Die Barbe der Infotafeln ist eine der Leitarten, und auch der Dreistachlige Stichling, den wir am Remsknie beobachten, steht auf der Liste. Groppe, Strömer und Bachneunauge sind nach der europäischen FFH-Richtlinie besonders geschützte Arten. Barbe und Nase wandern im Jahreslauf zu ihren Laichplätzen auf kiesigem Grund – ein Grund, warum Wehre für die Bewertung so viel ausmachen.
Entlang des Flusses ändert sich das Bild: Im Oberlauf bis etwa Schwäbisch Gmünd ist die Rems von Forellen und Äschen geprägt, ab Schwäbisch Gmünd bis zur Mündung von karpfenartigen Fischen wie Barbe, Nase und Döbel. Die amtliche Einstufung dafür lautet „cyprinidengeprägtes Gewässer des Rhithrals“ – ein Fluss mit noch recht kühlem, strömendem Wasser, in dem aber schon die Karpfenartigen den Ton angeben.
Das unsichtbare Leben am Flussgrund
Am Gewässergrund leben unzählige Kleintiere: Larven von Eintags-, Stein- und Köcherfliegen, Flohkrebse, Schnecken und Muscheln. Fachleute nennen sie Makrozoobenthos. Sie sind Nahrung für Fische und Vögel und zugleich Anzeiger für den Zustand eines Flusses: Weil manche Arten nur in sauberem, sauerstoffreichem Wasser leben, lässt sich an ihrer Zusammensetzung ablesen, wie belastet ein Gewässer ist. Die LUBW nutzt sie deshalb für die Bewertung – in der Rems sind sie „gut“. Welche Arten genau bei Winterbach leben, ist nicht veröffentlicht.
Geschützte Biotope rund um Winterbach
Rund um die Rems in Winterbach hat das Land zahlreiche Flächen als geschützte Biotope kartiert – nach Naturschutz- und Waldrecht gesetzlich geschützt, auch ohne eigenes Schutzgebiet. Direkt am Fluss sind das vor allem die renaturierte Rems-Aue westlich von Winterbach (rund 3,9 Hektar) und ein gewässerbegleitender Auwaldstreifen an der Rems nordöstlich von Winterbach, direkt am Remswehr (rund 1 Hektar). An den Hängen kommen Bachgehölze an Krebsbach und Wattenbach, die Klingen am Altenberg und an der Höffenklinge, die Quelle im Gewann Pfaffenbronn, Trockenmauern, Feldhecken und artenreiche Mähwiesen hinzu.

Die Karte zeigt die Flächen nach dem Stand der LUBW-Biotopkartierung, vereinfacht und ohne Gewähr. Beschreibungen der einzelnen Biotope veröffentlichen wir, sobald wir die Berichte ausgewertet haben.
Schutzgebiete
An der Rems liegen das FFH-Gebiet „Unteres Remstal und Backnanger Bucht“ und das Naturschutzgebiet „Unteres Remstal“ – beide flussabwärts zwischen Waiblingen und Remseck, nicht bei Winterbach. Das FFH-Gebiet „Schurwald“ reicht zu rund 15 Prozent auf Winterbacher Gemarkung, umfasst aber Wald, Klingen und Bäche, nicht die Rems. Oberhalb von Winterbach liegt das Landschaftsschutzgebiet „Remsaue mit Linsenberg“ bei Schorndorf und Urbach. Nach unserem Stand liegt die Rems bei Winterbach selbst in keinem FFH-, Vogelschutz- oder Naturschutzgebiet; bestätigen lässt sich das im Kartendienst der LUBW.
Wo die geschützten Biotope und Schutzgebiete rund um Winterbach liegen, zeigt die Natur-Karte – dazu auf Wunsch die Grünzüge des Regionalplans.
Vom Erlenbrunnen zur Rems: der Krebsbach
Wie eng die kleinen Bäche mit der Rems verbunden sind, zeigt der Krebsbach. Er entspringt nordöstlich von Rohrbronn in der Erlenklinge, einer tief eingeschnittenen Waldklinge, die zum größten Teil auf Remshaldener und zu einem kleinen Teil auf Winterbacher Gemarkung liegt. Ihre Quelle ist im Erlenbrunnen gefasst, einem Naturdenkmal. Die Waldbiotopkartierung Baden-Württemberg führt die Erlenklinge als geschütztes Biotop: einen bis zu 1,5 Meter breiten, langsam fließenden Bach mit klarem Wasser, der ganzjährig Wasser führt, mit naturnaher Begleitvegetation aus Schwarz-Erle, Esche und Berg-Ahorn. Bei der Kartierung 1990 wurden hier Gelbbauchunke und Feuersalamander nachgewiesen, dazu Ringelnatter, Quelljungfer und Schwarzspecht; 2012 kamen Bachbunge und Arzneibaldrian dazu. Unmittelbar daneben liegt das Biotop „Buchen-Altholz NO Rohrbronn“ mit Höhlenbäumen und Totholz – Lebensraum für Fledermäuse wie das Große Mausohr und den Großen Abendsegler, für Hohltaube und Schwarzspecht.
Unterhalb der Klinge fließt der Krebsbach nach Süden, nimmt von Osten den Wattenbach auf, erreicht Winterbach, wird unter der Lederstraße verdolt geführt und mündet in die Rems. Was im Wald als Quelle beginnt, kommt so wenige Kilometer weiter im Fluss an – und bei Starkregen, wie im Juni 2024, auch mitten im Ort. Mitglieder der Initiative pflegen im Gewann Bohnlöchle ehrenamtlich Waldrand, Streuobstwiese und Magerwiese.
Wildbienen, Falter und Honigbienen
Am Hungerberg und am Schurwaldrand blüht im Frühjahr und Frühsommer viel: Schlehe, Streuobst, Weißdorn, Holunder und die Magerwiesen mit ihren vielen Arten. Ab Mitte Juli wird es knapp. Genau dann fliegen Honigbienen am weitesten und treffen auf Wildbienen, die nur wenige hundert Meter um ihr Nest sammeln können. Der Frage, ob Honigbienen die Wildbienen verdrängen, haben wir eine eigene Seite gewidmet – mit Flugweiten, Blühangebot, Studienlage, Nistplätzen am Hungerberg und dem, was hilft. → Zu viele Bienen?
Die Rems erleben und schützen
Was man kennt und schätzt, das schützt man. Beim Rems Clean-up sammeln wir Müll am Ufer, Kinder sind willkommen. Wer an der renaturierten Rems unterwegs ist, hilft den Tieren am meisten, wenn er auf den Wegen bleibt, die Ruhezonen am rechten Ufer respektiert und Hunde anleint. Das Regierungspräsidium hat dort 2020 zwei Zugänge zum Wasser geschaffen und die Bereiche, die nicht betreten werden sollen, mit Seilen und Schildern gekennzeichnet. → Mitmachen beim Clean-up · → Kinder und Jugendliche
Was das für die Remswelle heißt
Eine Welle darf den Lebensraum Rems nicht verschlechtern. Die Durchgängigkeit für Fische ist für uns Bedingung, nicht Verhandlungsmasse – gerade weil die Fische nach der Wasserrahmenrichtlinie schon heute nur „mäßig“ bewertet sind. Welche Arten am Standort vorkommen und was eine Welle für sie bedeuten würde, muss die Machbarkeitsprüfung klären; dazu gehört eine Befischung durch Fachleute. Von der Renaturierung lässt sich lernen: Wo Menschen ans Wasser kommen, braucht es eine klare Trennung zwischen Bereichen zum Aufhalten und ruhigen Bereichen für Eisvogel und Co. → Ökologie und Genehmigung
Häufige Fragen
Was ist die Barbenregion?
Flüsse werden nach ihrem typischen Leitfisch in Regionen eingeteilt. Die Barbenregion umfasst mittelgroße, strömungsreiche Flussabschnitte mit kiesigem Grund. Die Rems bei Winterbach wird vom Regierungspräsidium Stuttgart der Barbenregion zugeordnet.
Welche Fische leben in der Rems?
Belegt sind unter anderem Barbe (bei Winterbach), Nase (bei Plüderhausen), Bachforelle und Groppe (bei Lorch). Eine Liste der tatsächlich gefangenen Arten für Winterbach ist nicht veröffentlicht. Was hier zu erwarten wäre, legt die amtliche Referenz-Fischgemeinschaft fest: 27 Arten, allen voran Barbe, Nase, Döbel, Hasel und Gründling. Stichlinge sehen wir selbst regelmäßig am Remsknie und an der Brücke Ostlandstraße.
Gibt es Biber an der Rems?
Ja. Zwischen Winterbach und Remshalden sind Biber seit März 2022 belegt, nach dem Hochwasser 2024 zeitweise verschwunden und seit April 2025 wieder da.
Gibt es Eisvögel in Winterbach?
Ja. Der Eisvogel ist eine der drei Charakterarten an der renaturierten Rems in Winterbach und brütet dort in Steilufern.
Liegt die Rems bei Winterbach in einem Schutzgebiet?
Nach unserem Stand nicht. Das FFH-Gebiet und das Naturschutzgebiet „Unteres Remstal“ liegen flussabwärts zwischen Waiblingen und Remseck.
Wo entspringt der Krebsbach?
In der Erlenklinge nordöstlich von Rohrbronn; die Quelle ist im Erlenbrunnen gefasst, einem Naturdenkmal. Der Bach mündet in Winterbach in die Rems.
Quellen: LUBW, Biotopkartierung (Daten aus dem Umweltinformationssystem der LUBW, Abfrage 26.09.2026) · LUBW, Bewertung des Makrozoobenthos nach Wasserrahmenrichtlinie · Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg (LAZBW), Referenz-Fischzönosen für Baden-Württemberg, Stand Juli 2023, Referenz 42-03-H1-2 · LUBW, Kartendienst „Fischgemeinschaft“ (Fischgemeinschaftstypen nach Oberflächengewässerverordnung, Stand Mai 2019) · Initiative Remswelle, eigene Beobachtung (Stichlinge) · Regierungspräsidium Stuttgart, Landesbetrieb Gewässer: „Neue Beschilderung für mehr Rücksicht auf die Natur an der Rems in Winterbach“, 18.12.2020; „Die Rems fließt wieder“, 19.12.2018; Begleitdokumentation Teilbearbeitungsgebiet 42 zum Bewirtschaftungsplan 2022–2027, Stand Dezember 2021 · Waldbiotopkartierung Baden-Württemberg, Biotope 271221192164 „Erlenklinge NO Rohrbronn“ und 271221192165 „Buchen-Altholz NO Rohrbronn“ (Erfassung 1990, Überarbeitung 20.11.2012) · Zeitungsverlag Waiblingen: Biberspuren (März 2022), 08.03.2023, April 2025; tote Fische bei Plüderhausen, 20.04.2021 · Gmünder Tagespost, 31.03. und 01.04.2021 (Gewässerführung Lorch-Waldhausen) · Regierungspräsidium Stuttgart, Faltblatt Naturschutzgebiet „Unteres Remstal“ (2013) · Wikipedia, „Liste der Zuflüsse der Rems“ (Krebsbach) und Listen der Landschaftsschutzgebiete und FFH-Gebiete (abgerufen 26.09.2026)
Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2026 · Initiative Remswelle