Remswelle

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Leash und Sicherheit an der Flusswelle

Im April 2025 ist am Eisbach in München eine Surferin gestorben. Ihre Leash – die Leine zwischen Knöchel und Brett – hatte sich unter Wasser verfangen, die Strömung drückte sie nach unten, andere Surfer konnten sie nicht befreien; erst die Feuerwehr durchtrennte die Leine mit dem Messer. Der Unfall hat die Regeln an allen deutschen Flusswellen verändert. Dieser Artikel trägt zusammen, was die Betreiber seither vorschreiben, was die Technik bietet, wo sie Lücken hat – und wie wir an der Remswelle damit umgehen wollen.

Warum die Leash im Fluss anders ist als im Meer

Im Meer ist die Leash eine Selbstverständlichkeit: Sie hält das Brett beim Surfer, und wer stürzt, treibt mit dem Brett in ruhigem Wasser. Im Fluss kehrt sich das um. Das Wasser strömt ständig in eine Richtung, die Welle ist flach, unter ihr liegen Beton, Steine und Störelemente, die die Welle formen. Verfängt sich die Leash oder das Brett an einem solchen Hindernis, zieht die Strömung den Körper flussabwärts – und die Leine hält ihn fest, flach unter der Oberfläche. Bei einem Meter pro Sekunde Strömung wirken an einem liegenden Körper Kräfte, gegen die man sich nicht aufrichten kann, und der Knöchel ist dann unerreichbar. Berichte von Flusswellen in Kanada, wo schon 2013 zwei Surfer nur knapp überlebten und einer starb, beschreiben genau dieses Muster. Deshalb gilt an vielen Flusswellen: lieber ohne Leash als mit einer, die sich nicht löst.

Was am Eisbach geschah

Die Staatsanwaltschaft München I hat den Fall untersucht und im Sommer 2025 eingestellt. Ihr Bericht nennt die Fakten: Der Unfall ereignete sich nachts, kurz vor halb zwölf, bei niedrigem Wasserstand. Die Knöchel-Leash hielt die Surferin unter Wasser; das Landeskriminalamt fand an der Leash selbst keinen Defekt. Als Ursache hält die Staatsanwaltschaft ein Verhaken von Brett oder Leash an einem der Störsteine im Bachbett für denkbar, ohne es beweisen zu können. Die Surferin starb acht Tage später im Krankenhaus. Es war der erste tödliche Unfall an der Eisbachwelle in vier Jahrzehnten.

Was die Betreiber vorschreiben

Die Antwort der Betreiber fällt unterschiedlich aus – von der Empfehlung bis zum Verbot. Auffällig ist, dass nur eine Welle eine Zahl nennt.

WelleLeashWeitere Regeln
Eisbach München (Allgemeinverfügung der Stadt, 8. Mai 2026)ohne Leash oder mit einer Leash, „die sich unter Zug löst“; Länge höchstens Brettlängenur für geübte Flusssurfer; ab 16, ab 14 mit volljähriger Aufsicht; Surfzeit 5:30 bis 22 Uhr; eine Person am Ufer, die retten kann; Helm und Auftriebsweste dringend empfohlen
Leinewelle Hannover (Nutzungsbedingungen des Vereins)nur mit einer „einfach zu trennenden Verbindung direkt zwischen Surfer und Leash mit einer Zugfestigkeit kleiner 0,2 kN“ (das sind rund 20 Kilogramm)Helm für Minderjährige Pflicht, für Erwachsene empfohlen; Schuhe und Neopren dringend empfohlen; Minderjährige nur mit Erziehungsberechtigten, unter 16 nur ab 12 Jahren und 35 Kilogramm
Fuchslochwelle Nürnberg (Verein)Magnetleash mitbringen oder ohne Leash surfenHelmpflicht, Neopren, Rettungsschwimmer, Sicherheitseinweisung, Haftungsverzicht
blackforestwave Pforzheim (Verein)Leash verbotenHelm, Neopren und Prallschutzweste Pflicht; Sessions nur mit Wellenwart und zwei Rettungsschwimmern

Zwei Dinge fallen auf. Erstens: Je stärker die Aufsicht, desto strenger die Leash-Regel – Pforzheim mit Wellenwart und zwei Rettungsschwimmern verbietet sie ganz, der Eisbach ohne Betreiber vertraut auf die Selbstauslösung und den Buddy am Ufer. Zweitens: Was „löst sich unter Zug“ genau heißt, definiert außer Hannover niemand. Es gibt keine Norm und keine unabhängige Prüfung.

Was der Markt bietet – und was fehlt

Seit dem Unfall verkaufen sich Leashes mit Magnetkupplung. Das Prinzip: Zwischen Leine und Fußschlaufe sitzt ein Magnetpaar, das bei einer bestimmten Zugkraft auseinandergeht. Ein Anbieter aus Hannover liefert Varianten mit rund 20 Kilogramm Auslösekraft für Surfer bis 100 Kilogramm und rund 35 Kilogramm für schwerere, dazu ein Modell mit Gummizug, das Kraftspitzen dämpft, damit die Kupplung nicht bei jedem Sturz aufgeht. Ein Hersteller aus Deutschland baut eine Kupplung auf einem Magnet-Mechanik-Verschluss aus dem Fahrradzubehör, die bei etwa 30 bis 35 Kilogramm auslöst und sich danach von Hand wieder schließen lässt; er warnt selbst, dass die Kupplung nicht hilft, wenn sich die Leine um den Körper wickelt, weil dann am Knöchel keine Zugkraft ankommt. Aus Schottland kommt eine Leash für Wildwasser-Stand-up-Paddler mit patentierter Magnetverbindung zum Hüftgurt, die bei anhaltender Last auslöst; ihre Auslösekraft veröffentlicht der Hersteller nicht. Alle anderen Systeme – Hüftgurte mit Schäkel aus dem Wildwassersport, Kupplungen mit Zugstift, die Sicherheitsauslösung beim Kitesurfen – lösen von Hand aus, und die Hand ist in der Strömung oft nicht frei.

Was es nicht gibt: eine Leash, deren Auslösekraft sich einstellen lässt wie eine Skibindung – nach Gewicht, Erfahrung und Strömung, mit Skala und geprüfter Kalibrierung. Auch in den Patenten der letzten vierzig Jahre findet sich keine; alle beschreiben Kupplungen, die man selbst öffnet. Die Vorgabe aus Hannover, unter 0,2 Kilonewton, ist die einzige Zahl, an der man sich orientieren kann, und ob sie für einen schweren Surfer bei kräftiger Strömung passt oder zu oft fehlauslöst, hat noch niemand gemessen. Hier fehlt ein Stück Technik, und es fehlt eine Prüfnorm. Wir halten das für eine offene Aufgabe, an der die Flusswellen gemeinsam arbeiten sollten.

Die anderen Sicherheitsbausteine

Die Leash ist der auffälligste, nicht der einzige Baustein. Gebaute Wellen sind sicherer als natürliche, weil man ihre Umgebung gestalten kann: eine Auslaufzone ohne Hindernisse, in der ein gestürzter Surfer frei in ruhiges Wasser treibt; ein Wellenboden ohne Kanten und Spalte, in denen sich etwas verfangen kann; eine Anlage, die bei Hochwasser abgesenkt wird, statt dass jemand entscheiden muss, ob es noch geht. Dazu kommen die Regeln des Betriebs: Helm, weil man in der Nähe von Beton surft; Surfzeiten bei Tageslicht; Einer nach dem anderen; eine Aufsicht, die eingreifen kann, oder wenigstens ein Buddy am Ufer, der nicht selbst im Wasser ist; eine Einweisung für alle, die neu sind. Nürnberg und Hannover zeigen, dass ein Verein das leisten kann. → Träger und Betrieb

Wie wir Unfälle an der Remswelle verhindern wollen

Die Remswelle gibt es noch nicht, und ihre Betriebsregeln werden mit Träger, Versicherung und Behörden festgelegt, nicht auf dieser Seite. Aber wir sagen heute, woran wir uns orientieren: an den strengsten Regeln, die es an deutschen Flusswellen gibt, nicht an den lockersten. Das heißt für uns: eine verstellbare Anlage, die bei Hochwasser aus dem Wasser geht; eine Auslaufzone, die frei von Hindernissen ist – bei der Variante an den Trittsteinen ist das eine Frage, die die Planung beantworten muss, bevor sie gebaut wird; Betrieb nur mit Aufsicht und zu festen Zeiten bei Tageslicht; Helmpflicht; Leash nur, wenn sie sich unter Zug löst, mit einer Grenze wie in Hannover, sonst ohne; Einweisung für alle. Und wir wollen die Erfahrungen der anderen Wellen nicht nur lesen, sondern mit ihnen teilen – die Unfälle am Eisbach und in Kanada waren an Wellen, die es schon lange gab. Wer ähnlich denkt oder es besser weiß, schreibt uns: info@remswelle.de.

Häufige Fragen

Ist eine Leash an der Flusswelle Pflicht oder verboten?

Das entscheidet jede Welle selbst. Pforzheim verbietet sie, Nürnberg und Hannover erlauben nur selbstlösende Leashes, München verlangt seit 2026 eine Leash, die sich unter Zug löst, oder gar keine. Im Zweifel gilt an gebauten Wellen: ohne Leash surfen, das Brett treibt in die Auslaufzone.

Was ist eine Magnetleash?

Eine Leash, bei der eine Magnetkupplung zwischen Knöchelband und Leine sitzt. Übersteigt der Zug eine bestimmte Kraft – je nach Modell etwa 20 bis 35 Kilogramm –, geht die Verbindung auf und der Surfer ist frei. Sie ist der derzeitige Stand der Technik, aber ohne Norm und ohne einstellbare Auslösekraft.

Reicht ein Helm nicht?

Ein Helm schützt den Kopf bei Kontakt mit Beton oder dem eigenen Brett und gehört an jede gebaute Welle. Gegen das Festhängen unter Wasser hilft er nicht; dafür braucht es die Leash-Regel, eine hindernisfreie Auslaufzone und jemanden, der eingreifen kann.

Welche Regeln wird die Remswelle haben?

Das legen Träger, Versicherung und Behörden fest, wenn es die Welle gibt. Orientieren werden wir uns an den strengsten bestehenden Regeln: Aufsicht, Helm, feste Surfzeiten, Leash nur selbstlösend oder ohne, Anlage bei Hochwasser aus dem Wasser.

Quellen: Staatsanwaltschaft München I, Pressemitteilung 2/2025 (Ermittlungsverfahren Eisbach) · Landeshauptstadt München, Referat für Klima- und Umweltschutz, Allgemeinverfügung zum Surfen am Eisbach, 08.05.2026; Rathaus Umschau, 11.05.2026 · Leinewelle e.V., Nutzungsbedingungen (enercity-leinewelle.de) · Nürnberger Dauerwelle e.V., „Surfen“ · blackforestwave e.V., FAQ · Riverbreak, „Your life on a leash“, 25.06.2013 · Rapid Surf Shop, Magnetleash-Produktseiten · Edgeboards, releash · Lodestone Leashes, FAQ; SUPboarder, 19.02.2026 · Google Patents US5643028, US5685751, US5775965, US5957741, US20140315455, WO2017197106 · Wende et al., Orthopaedic Journal of Sports Medicine 2023 (Verletzungen beim Flusssurfen)

Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2026 · Initiative Remswelle