Remswelle

Rems und Winterbach · Fluss, Wasser, Natur und Geschichte

Wasserführung der Rems: wie viele Tage im Jahr wäre eine Welle surfbar?

Die erste Frage jeder Behörde und jedes Wasserbauers lautet: Reicht das Wasser? Für eine Flusswelle heißt das nicht „im Mittel“, sondern „an wie vielen Tagen im Jahr“. Wir haben die Tageswerte des Landespegels Schorndorf über mehr als neunzig Jahre ausgewertet und zeigen hier, was daraus folgt – als erste grobe Abschätzung der Initiative aus öffentlichen Daten, nicht als Machbarkeitsaussage. Die Rechnung ist offengelegt, die Daten stehen zum Herunterladen bereit, und wer sie prüfen will, kann das tun.

Heute: 0,63 m³/s (Tagesmittel 24.09.2026) – sehr wenig Wasser für Ende September (typisch 1,68 m³/s). Die Rems heute →

Die Kennwerte

Fachleute sprechen vom Abfluss: der Wassermenge, die in jeder Sekunde durch den Fluss fließt, gemessen in Kubikmetern pro Sekunde (m³/s). Gemeint ist also nicht ein Wasserlauf, der von der Rems abzweigt – das hieße Ausleitung –, sondern schlicht, wie viel Wasser die Rems gerade führt.

Der Landespegel Schorndorf (Nummer 431) liegt wenige Kilometer oberhalb von Winterbach; nennenswerte Zuflüsse dazwischen gibt es nicht, die Werte sind übertragbar. Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) stellt seine Tagesmittelwerte seit dem 1. November 1931 bereit. Für die 89 vollständigen Jahre 1932 bis 2025 ergibt sich:

Kennwert1932–20251996–20252016–2025
Mittlerer Abfluss (MQ)5,15 m³/s5,02 m³/s4,38 m³/s
Mittlerer Niedrigwasserabfluss (MNQ)0,94 m³/s0,95 m³/s0,80 m³/s
Mittlerer Hochwasserabfluss (MHQ)69 m³/s70 m³/s64 m³/s
Median (an der Hälfte der Tage unterschritten)3,07 m³/s2,76 m³/s2,34 m³/s

Zwei Dinge fallen auf. Erstens liegt der Median deutlich unter dem Mittelwert: Die Rems führt an den meisten Tagen weniger Wasser, als der Mittelwert vermuten lässt, weil wenige Hochwassertage den Durchschnitt heben. Zweitens sinken alle Kennwerte im letzten Jahrzehnt. Beides ist für eine Welle entscheidend.

Zur Einordnung: Die Almkanalwelle in Salzburg läuft mit konstant rund 5 m³/s in einem regulierten Kanal, die Wellen in Nürnberg und Pforzheim liegen an Flüssen beziehungsweise Kanälen ähnlicher Größenordnung, in Thun brauchen die natürlichen Wellen 120 bis 150 m³/s. Die Wassermenge der Rems ist also in der Liga, in der Flusswellen gebaut werden – der Unterschied ist, dass sie schwankt. → Wellentypen und Technik

Die Dauerlinie

Eine Dauerlinie beantwortet die Frage „an wie vielen Tagen im Jahr wird ein Abfluss erreicht oder überschritten?“. Man sortiert alle Tageswerte eines langen Zeitraums der Größe nach und liest ab. Für 1996 bis 2025:

Abflussdauerlinie der Rems bei Schorndorf 1996–2025 mit eingezeichnetem Betriebsfenster 3–15 m³/s
Abflussdauerlinie der Rems bei Schorndorf 1996–2025 mit eingezeichnetem Betriebsfenster 3–15 m³/s
Wird erreicht oder überschritten an … Tagen im JahrAbfluss
3012,4 m³/s
607,7 m³/s
905,6 m³/s
1204,3 m³/s
1503,4 m³/s
1802,8 m³/s
2402,0 m³/s
3001,4 m³/s
3550,9 m³/s

Mehr als 3 m³/s führt die Rems an rund 170 Tagen im Jahr, mehr als 4 an 129, mehr als 5 an 104 Tagen. Über 15 m³/s liegt sie nur an 21 Tagen, über 20 an 11.

Das Betriebsfenster – und warum es alles entscheidet

Eine gebaute Welle läuft nicht bei jedem Abfluss. Nach unten begrenzt die Wassermenge: Zu wenig Wasser ergibt auf der Rampe nur einen dünnen Film, keine Welle, auf der man steht. Nach oben begrenzt die Sicherheit: Bei Hochwasser wird eine verstellbare Anlage abgesenkt, der Betrieb eingestellt. Dazwischen liegt das Betriebsfenster, und wo genau seine Grenzen liegen, hängt von Bauweise, Breite und Gefälle ab – das ist die Kernfrage der Machbarkeitsprüfung. → Hydraulik

Wir rechnen mit zwei Annahmen, um die Spanne zu zeigen: einem Fenster von 3 bis 15 m³/s als Hauptannahme und einem Fenster von 2 bis 12 m³/s für eine Anlage, die mit weniger Wasser auskommt. Die untere Grenze ist die empfindliche: Zwischen 3 und 2 m³/s liegen rund 60 Tage im Jahr. Jede Bauweise, die die Welle bei niedrigerem Abfluss noch stehen lässt, gewinnt unverhältnismäßig viele Surftage – genau das ist der Grund, warum Pforzheim seine Welle 2026 umbaut.

Was Anstau und Verstellbarkeit bringen

Zwei Hebel werden oft genannt, um mehr Surftage zu gewinnen – und sie wirken sehr unterschiedlich. Anstauen ändert die Wassermenge nicht, nur die Höhe. Der Stau liefert das Gefälle, das die Welle braucht, damit das Wasser am Rampenfuß schnell genug wird. Am Winterbacher Durchlassbauwerk fließt die Rems heute eben hindurch; das Bauwerk verengt den Fluss und kann ihn aufstauen – inwiefern sich daraus Gefälle für eine Welle gewinnen lässt, klärt die Machbarkeitsprüfung. Zusätzliche Tage bringt er nicht: Bei 0,6 m³/s kommen nach dem Stau dieselben 0,6 m³/s über die Rampe. Ein verstellbarer Wellenboden wirkt anders. Er passt die Rampe dem Abfluss an, damit die Welle über das ganze Fenster ihre Form behält, und er kann bei wenig Wasser den Durchlass verengen, sodass dieselbe Menge auf schmalerer Breite eine höhere Welle gibt. Was eine Welle bei wenig Wasser braucht, ist eine Mindestmenge je Meter Breite; nimmt man als grobe Untergrenze einen halben Kubikmeter pro Sekunde und Meter an, braucht eine 6 Meter breite Welle 3 m³/s, eine 4 Meter breite 2 m³/s, eine 3 Meter breite 1,5 m³/s – und das sind nach der Dauerlinie 170, 241 und 292 Tage im Jahr. Der Preis ist eine schmale Welle für eine Person bei Niedrigwasser. Unter etwa 1 m³/s, wie im Spätsommer trockener Jahre, gibt es keine Welle, egal wie schmal; dann pausiert der Betrieb, wie ihn alle Flusswellen kennen. Was diese Überschlagsrechnung nicht ersetzt, ist die hydraulische Modellierung der Machbarkeitsprüfung.

Surfbare Tage je Jahr

Surfbare Tage je Jahr 1932–2025 für beide Fenster, mit gleitendem 10-Jahres-Mittel
Surfbare Tage je Jahr 1932–2025 für beide Fenster, mit gleitendem 10-Jahres-Mittel

Im Mittel der Jahre 1996 bis 2025 lag der Abfluss an 149 Tagen im Jahr im Fenster 3 bis 15 m³/s (schlechtestes Jahr 82, bestes 241) und an 209 Tagen im Fenster 2 bis 12 m³/s (129 bis 285). Zum Vergleich: Bern hat für sein Wellenprojekt rund 100 Surftage im Jahr als Ziel gesetzt. → Machbarkeitsstudie

Die lange Reihe zeigt aber auch einen Trend, den wir nicht verschweigen: Von den 1950er bis in die 1980er Jahre lag die Zahl der Tage im Hauptfenster bei 180 bis 195 im Jahr, in den 2000ern bei 168, in den 2010ern bei 140, in den 2020ern bislang bei 123. Das Jahr 2026 ist bis Ende September mit 46 Tagen ein Ausreißer nach unten – ein Trockenjahr, in dem die Rems seit August unter einem Kubikmeter pro Sekunde fließt. Die Rems wird trockener, und eine Welle, die heute geplant wird, muss mit den Jahren nach 2015 rechnen, nicht mit dem langjährigen Mittel.

Surfbare Tage je Monat

Anteil surfbarer Tage je Monat im Mittel 1996–2025 für beide Fenster
Anteil surfbarer Tage je Monat im Mittel 1996–2025 für beide Fenster

Die Verteilung übers Jahr ist die eigentliche Nachricht. Von Dezember bis März liegt der Abfluss an zwei Dritteln der Tage im Hauptfenster, im April an der Hälfte. Von Juni bis September sind es nur 16 bis 28 Prozent – im August und September etwa fünf Tage im Monat. Die Rems führt das meiste Wasser im Winter und das wenigste im Spätsommer, wenn Ferien und Badewetter sind. Das ist kein Sonderfall von Winterbach, sondern die Regel bei Flüssen ohne Gletscher- oder Schneespeicher: Pforzheim kennt dieselbe Sommerlücke. Für die Planung heißt das: Eine Remswelle wäre eine Winter- und Frühjahrswelle mit Neoprenanzug, so wie in Nürnberg und Hannover ganzjährig gesurft wird, und die Sommermonate hingen davon ab, wie weit das Fenster nach unten reicht.

Wie sich die Surftage mit Wind, Luft- und Wassertemperatur und dem passenden Neopren übers Jahr verteilen, zeigt unser Wind- und Klimakalender. → Wind und Wetter in Winterbach

Big Days: wann die Rems richtig läuft

Wer im Meer surft, kennt den Begriff: Ein Big Day ist der Tag, an dem der Swell groß genug ankommt, dass die Spots ihr Bestes zeigen – und ein Swell zu viel, und sie sind „closed out“, die Wellen brechen unfahrbar auf einmal. Am Meer entscheiden drei Dinge über die Surfbarkeit: der Swell, der Tidenstand und der Wind. Im Fluss entscheidet fast nur eines – der Pegel, also der Abfluss. Das Gegenstück zum Big Day gibt es deshalb auch hier, nur dass nicht der Swell den Tag macht, sondern das Wasser, das der Fluss gerade führt. Innerhalb des Betriebsfensters ist eine Flusswelle nicht immer gleich: Mit mehr Wasser wird sie höher, steiler und druckvoller, bis der Punkt kommt, an dem die Anlage aus Sicherheitsgründen abgesenkt wird. Der Big Day einer Flusswelle ist der Tag am oberen Rand des Fensters – so viel Wasser, wie die Anlage gerade noch verträgt. Mit Big-Wave-Surfing in Nazaré hat das nichts zu tun; es geht nicht um Höhe, sondern um Druck und Form. Surfer sagen dazu: „It's pumping“ – oder, wenn alles passt: „It's firing.“

Wir teilen unser Hauptfenster deshalb in drei Stufen, wieder als Annahme, nicht als Messwert: 3 bis 6 m³/s eine kleine Welle, an der man lernt und übt; 6 bis 10 m³/s läuft, die Welle hat Kraft; 10 bis 15 m³/s Big Day, die Welle steht am oberen Rand. Über 15 m³/s ist Hochwasser, die Anlage wäre abgesenkt – closed out. Wo diese Stufen bei der gebauten Welle wirklich liegen, sagt die Machbarkeitsprüfung; das Muster, das die Daten zeigen, bleibt davon unberührt.

Surfbare Tage je Monat nach Stufe im Mittel 1996–2025: kleine Welle 3–6, läuft 6–10, Big Day 10–15 m³/s
Surfbare Tage je Monat nach Stufe im Mittel 1996–2025: kleine Welle 3–6, läuft 6–10, Big Day 10–15 m³/s

Das Muster ist deutlich. Im Mittel der Jahre 1996 bis 2025 gab es an der Rems 22 Big Days im Jahr (schlechtestes Jahr 10, bestes 51), dazu rund 42 Tage, an denen sie „läuft“, und 86 Tage kleine Welle. Zehn der 22 Big Days fallen in den Winter, sechs ins Frühjahr, nur zwei in den Sommer. Der Januar ist der Monat mit den meisten Big Days, der September der mit den wenigsten. Und sie kommen fast immer auf dieselbe Art: In der Hälfte der Fälle ist der Big Day der Tag, an dem ein Hochwasser abläuft und der Abfluss von oben durch das Fenster fällt – das Pendant zum Tag nach dem Sturm im Meer, wenn der Swell noch da, aber sauber ist. Danach folgt in zwei von drei Fällen eine Phase, in der die Welle noch tagelang „läuft“. Kommt der Big Day dagegen von unten, nach Starkregen oder Schneeschmelze, dann schnell: Der Abfluss springt typischerweise um 8 m³/s an einem Tag, und in jedem dritten dieser Fälle läuft er am nächsten Tag über das Fenster hinaus. Big Days sind kurz: Zwei von drei dauern genau einen Tag, längere Phasen von drei und mehr Tagen gibt es nur bei jedem zehnten Ereignis, die längste in dreißig Jahren dauerte sechs Tage. Wer sie erwischen will, muss die Vorhersage lesen.

Auch hier der Trend: In den Jahren 2016 bis 2025 waren es im Mittel noch 17 Big Days im Jahr. 2026 hat bis Ende September 5 Big Days und 7 Tage „läuft“ gebracht – bei insgesamt 46 surfbaren Tagen. Anders gesagt: Auch in einem Trockenjahr hätte die Rems bis zum Herbst an 46 Tagen eine Welle getragen, an zwölf davon eine mit Kraft. Nur stand keine da.

So ließe sich ein Big Day vorhersagen

Für die Meeresküste gibt es den Swell-Forecast; für die Rems lässt er sich bauen. Die Hochwasservorhersagezentrale Baden-Württemberg zeigt den Pegel Schorndorf laufend an und veröffentlicht für Pegel Vorhersagen aus den Niederschlagsprognosen. Für den Vorlauf von Stunden reicht der Fluss selbst: Eine Abflusswelle braucht vom Pegel Schwäbisch Gmünd rund 30 Flusskilometer bis Winterbach, also etwa fünf bis acht Stunden, vom Pegel Schorndorf rund eine Stunde. Steigt Gmünd am Morgen über 10 m³/s, ist Winterbach am Abend dran. Die genaue Laufzeit ließe sich aus dem Vergleich der Pegelreihen bei einigen Hochwassern bestimmen. Zusammen mit der Wettervorhersage ergibt das eine Drei-Tages-Vorschau in unseren Stufen – nicht genug Wasser, kleine Welle, läuft, Big Day, Hochwasser. Wir arbeiten daran, sie auf der Startseite zu zeigen, samt der Zahl, die uns am meisten interessiert: an wie vielen Tagen in diesem Jahr die Remswelle schon gelaufen wäre.

Niedrigwasser: wenn die Rems fast versiegt

Am anderen Ende steht der Sommer. In trockenen Jahren sinkt die Rems so weit, dass die Behörden eingreifen: Der Rems-Murr-Kreis und der Ostalbkreis haben 2022, 2025 und 2026 die Entnahme von Wasser aus Flüssen und Bächen verboten. Die Allgemeinverfügung des Rems-Murr-Kreises von 2026 gilt bis 30. September; begründet wird sie mit steigender Wassertemperatur und Sauerstoffmangel, die für Fische bedrohlich werden können. Im Ostalbkreis galt 2025 die Regel, dass unterhalb von 0,40 m³/s am Pegel Schwäbisch Gmünd gar nichts mehr entnommen werden darf. Im August 2026 fielen Rems und Lauter bei Mögglingen bis auf Restpfützen trocken; die Feuerwehr pumpte rund 250.000 Liter Trinkwasser ein, um die Fische zu retten. Am 11. August 2026 bat das Landratsamt, Rems und Bäche bei Niedrigwasser nicht zu betreten, um die gestressten Tiere zu schonen.

Für die Welle heißt das: Im Spätsommer steht sie still, und das ist richtig so. Eine Surfwelle darf dem Fluss in Trockenzeiten kein Wasser nehmen und die Fische nicht zusätzlich stressen. → Tiere und Pflanzen an der Rems

Die Rems ist sprunghafter geworden

Die Rems bringt heute im Mittel so viel Wasser wie in den 1930er-Jahren, aber es kommt sprunghafter: Nach Regen steigt sie stärker an und fällt danach schneller wieder ab.

Flashiness-Index der Rems am Pegel Schorndorf je Jahrzehnt
Flashiness-Index der Rems am Pegel Schorndorf je Jahrzehnt: 1930er 0,29, 1940er 0,33, 1950er 0,33, 1960er 0,32, 1970er 0,30, 1980er 0,35, 1990er 0,36, 2000er 0,35, 2010er 0,39, 2020er 0,37. Der mittlere Abfluss blieb gleich.

So lesen Sie die Grafik: Jeder Balken zeigt, wie stark der Abfluss in einem Jahrzehnt von Tag zu Tag geschwankt hat (Flashiness-Index: Summe aller Tagesänderungen geteilt durch die gesamte Wassermenge). Von 1931 bis 1979 lag der Wert im Mittel bei 0,31, von 1996 bis 2025 bei 0,37 – rund 17 Prozent höher, bei praktisch gleichem mittlerem Abfluss (5,1 und 5,0 m³/s). Der Trend über 89 Jahre ist statistisch deutlich.

Für die Welle ist das die falsche Richtung: mehr Wasser in kurzen Spitzen, in denen sie abgesenkt werden muss, und schneller wieder zu wenig. Deshalb befassen wir uns bewusst mit der Geschichte der Landschaft – mit der Flurkarte von 1832, alten Luftbildern, Flurnamen und dem Geländemodell. Sie zeigen, wo die Landschaft früher Wasser gehalten hat: Mäander, Auen, nasse Wiesen, Weinbergstufen. Daraus wollen wir lernen, wie die Rems wieder gleichmäßiger fließen kann. → Was hat das alles mit Surfen zu tun? · → Historischer Remslauf

Was das für die Remswelle heißt

Die Zahlen sprechen nicht gegen eine Welle, sie sagen, welche Welle: eine verstellbare Anlage, die den Abfluss zwischen zwei und zwölf Kubikmetern nutzt und sich das nötige Gefälle am vorhandenen Bauwerk erst schafft. Die Machbarkeitsprüfung muss klären, ab welchem Abfluss am Winterbacher Durchlassbauwerk tatsächlich eine surfbare Welle steht – erst dann wird aus unserer Annahme eine belastbare Zahl. Bis dahin gilt: In der Größenordnung von 150 bis 200 Tagen im Jahr, mit Schwerpunkt von Oktober bis Mai und einer Lücke im Hochsommer. → Standort Winterbach

So haben wir gerechnet

Daten. Tagesmittelwerte des Abflusses am Landespegel Schorndorf/Rems (Messstellen-Nummer 431, Einzugsgebiet 418 km²), 1. November 1931 bis 24. September 2026, aus dem Daten- und Kartendienst der LUBW; 33.235 gültige Werte, Lücken vor allem 1945. Zur Plausibilisierung der zweite Pegel Schorndorf-Bauhof (76124, seit 2012): An 4.033 gemeinsamen Tagen stimmen beide Reihen im Median überein (Verhältnis 1,00).

Kennwerte. MQ ist das Mittel aller Tageswerte, MNQ das Mittel der jährlichen Minima, MHQ das Mittel der jährlichen Maxima, jeweils nur aus Jahren mit mindestens 350 Tageswerten. Die Dauerlinie ist die absteigend sortierte Reihe 1996–2025, auf 365 Tage umgerechnet.

Stufen und Big Days. Innerhalb des Hauptfensters zählen wir Tage mit 3 bis 6 m³/s als kleine Welle, 6 bis 10 als „läuft“ und 10 bis 15 als Big Day. Eine Big-Day-Phase sind aufeinanderfolgende Tage in dieser Stufe; „davor“ und „danach“ ist die Stufe des Tages unmittelbar vor und nach der Phase, ausgewertet für 1996–2025 (437 Phasen). Die Grenzen sind Setzungen, die die Machbarkeitsprüfung ersetzt.

Surftage. Ein Tag zählt als surfbar, wenn sein Tagesmittel im Betriebsfenster liegt; Jahre mit Lücken sind auf 365 Tage hochgerechnet. Die Fenster sind Annahmen: Die untere Grenze ist an dem Erfahrungswert orientiert, dass gebaute Wellen an kleinen Flüssen und Kanälen mit wenigen Kubikmetern pro Sekunde laufen, die obere daran, dass verstellbare Anlagen bei Hochwasser abgesenkt werden. Beide Grenzen ersetzt die Machbarkeitsprüfung durch die Werte der konkreten Anlage.

Sprunghaftigkeit. Flashiness-Index nach Richards und Baker (Baker u. a. 2004) je Kalenderjahr mit mindestens 350 Tageswerten, 1932–2025 (89 Jahre): Summe der Beträge aller Tagesänderungen geteilt durch die Summe aller Tagesabflüsse. Trendtest nach Mann und Kendall: Tau 0,34, p = 0,000002. Werte je Jahr: rems-sprunghaftigkeit.csv (öffnet in neuem Tab).

Was die Rechnung nicht kann. Sie sagt nichts darüber, wie die Welle bei einem bestimmten Abfluss aussieht – dafür braucht es Querschnitt, Gefälle und ein hydraulisches Modell. Tagesmittel glätten außerdem kurze Regenwellen; an einzelnen Tagen kann der Abfluss innerhalb von Stunden aus dem Fenster laufen. Und der Pegel misst oberhalb des Wehrs, nicht im Wehr; Ausleitungen oder Steuerungen am Wehr selbst sind nicht enthalten.

Nachrechnen. Die Tagesmittelwerte des Pegels Schorndorf (431) gibt es direkt bei der LUBW im Daten- und Kartendienst (öffnet in neuem Tab) unter „Landespegel Hydrologie“. Unsere Auswertung liegt als Textdateien bereit: die Surftage je Jahr (surftage-je-jahr.csv (öffnet in neuem Tab)), die Big Days je Jahr (big-days-je-jahr.csv (öffnet in neuem Tab)) und die Dauerlinie (dauerlinie-1996-2025.csv (öffnet in neuem Tab)). Wer eine andere Fensterannahme für richtig hält, kann sie damit in wenigen Minuten selbst durchrechnen. Fehler oder bessere Annahmen bitte an info@remswelle.de.

Häufige Fragen

An wie vielen Tagen im Jahr wäre die Remswelle surfbar?

Nach unserer ersten Abschätzung aus 30 Jahren Pegeldaten an rund 150 Tagen, wenn die Anlage zwischen 3 und 15 m³/s läuft, und an rund 210 Tagen, wenn sie schon ab 2 m³/s eine Welle formt. Die tatsächlichen Grenzen legt die Machbarkeitsprüfung fest.

Warum ist im Sommer so wenig Wasser in der Rems?

Die Rems hat kein Schnee- oder Gletscherwasser im Einzugsgebiet; sie lebt von Regen und Grundwasser. Im Spätsommer sind die Speicher leer, im August und September fließen an vielen Tagen weniger als 1 m³/s. Das ist bei allen Flüssen dieser Art so – Pforzheim hat dasselbe Problem.

Woher stammen die Zahlen?

Aus den öffentlich zugänglichen Tagesmittelwerten der LUBW für den Pegel Schorndorf, 1931 bis heute, geprüft gegen den Pegel Schorndorf-Bauhof. Die Auswertung steht auf dieser Seite zum Nachrechnen bereit, die Tagesmittelwerte selbst gibt es im Daten- und Kartendienst der LUBW.

Was ist ein Big Day an der Rems?

Ein Tag am oberen Rand des Betriebsfensters, nach unserer Annahme 10 bis 15 m³/s: die Welle höher und druckvoller, aber noch sicher. Im Mittel gab es davon 22 im Jahr, meist im Winter und meist am Tag, an dem ein Hochwasser abläuft. Darüber wäre die Anlage abgesenkt – wie ein Spot im Meer bei zu großem Swell.

Kann man das Wasser nicht einfach aufstauen?

Ein Wehr hebt den Wasserstand, nicht die Wassermenge. Der Anstau liefert das Gefälle, das die Welle braucht, aber bei 0,6 m³/s ist auch mit Anstau nicht genug Wasser da, um eine Welle zu tragen.

Quellen: Baker, D. B., Richards, R. P., Loftus, T. T. und Kramer, J. W. (2004): A new flashiness index. Journal of the American Water Resources Association 40(2) · Landratsamt Rems-Murr-Kreis, Allgemeinverfügung Wasserentnahme 2026 und Hinweis vom 11.08.2026 · Ostalbkreis, Allgemeinverfügung 2025 · Zeitungsverlag Waiblingen, 19.08.2026 (Mögglingen) · Hochwasservorhersagezentrale Baden-Württemberg (HVZ), Pegel Schorndorf/Rems und Schwäbisch Gmünd/Rems · Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW), Daten- und Kartendienst, Landespegel Hydrologie: Pegel Schorndorf/Rems (431) und Schorndorf-Bauhof/Rems (76124), Abfluss Tagesmittelwerte, abgerufen 24.09.2026 · Deutsches Gewässerkundliches Jahrbuch, Rheingebiet Teil I (Einzugsgebiet Pegel Schorndorf) · Stadt Salzburg, „Almkanal“ (Abfluss Almkanalwelle) · Verein Flusssurfen Thun (Abflussbereich) · blackforestwave e.V., Umbau 2026 · Flusswelle Bern, „Projekt“ (Surftage-Ziel)

Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2026 · Initiative Remswelle