Projekt Remswelle
Kinder und Jugendliche an der Remswelle
Eine Welle ist kein Jugendprogramm. Aber sie kann ein Ort sein, an den Jugendliche von sich aus wollen – und das ist mehr, als viele Sportstätten von sich sagen können. Hier steht, was wir uns davon versprechen, worauf wir uns dabei stützen und wo die Grenzen sind. Die Belege im Einzelnen: → Surfen, Jugend und Gesundheit – was die Forschung sagt

Ein Sport, der Jugendliche anspricht
Surfen gehört wie Skateboarding, BMX und Parkour zu den Bewegungskulturen, die Jugendliche selbst gestalten – so ordnet es der Dritte Deutsche Kinder- und Jugendsportbericht ein. Solche Sportarten erreichen auch Jugendliche, die mit dem klassischen Vereinssport wenig anfangen können. Und Surfen hat, was Jugendliche suchen: Szene, Können, Vorbilder, einen Moment, den man nicht vergisst.
Bewegung, die man freiwillig macht
Nur etwa ein Viertel der Kinder und Jugendlichen in Deutschland bewegt sich so viel, wie die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt. Gleichzeitig verbringen 10- bis 17-Jährige werktags im Schnitt mehr als zwei Stunden mit sozialen Medien. Eine Welle bekämpft keine Mediensucht. Aber Bewegungsangebote müssen mit dem konkurrieren können, was Jugendliche fasziniert – und Surfen ist Ganzkörpertraining, Gleichgewichtsschule und Mutprobe in einem, draußen und am Wasser.
Ein Treffpunkt
An den Wellen in Pforzheim, Nürnberg und Hannover sieht man am Ufer Familien, Zuschauer, Radfahrer. Die Vereine dort leben vom Ehrenamt; wer länger dabei ist, bringt den Neuen das Surfen bei. Eine Welle bringt Generationen zusammen, die sonst selten gemeinsam Sport treiben. → Nachhaltigkeit
Was man kennt und schätzt, das schützt man
Wer im Fluss surft, merkt, wann die Rems viel und wann sie wenig Wasser führt, und will, dass sie sauber ist. Die Deutsche Sportjugend und die Naturschutzjugend sagen es kurz: „Sport und Umwelt gehören zusammen.“ Wer die Rems als seinen Ort erlebt, wirft dort keinen Müll hin und achtet auf Eisvogel und Biber. Unser Rems Clean-up ist ein Anfang, Kinder sind willkommen. Eine Welle schafft weitere Anlässe: Schulklassen und Vereine können am Ufer erleben, woher das Wasser kommt, was im Fluss lebt und warum die Rems in Winterbach renaturiert wurde. → Clean-up · → Tiere und Pflanzen an der Rems
Surfen vor der Haustür
Surfen hieß im Binnenland bisher: ans Meer fahren oder fliegen. Eine Welle in Winterbach, wenige Gehminuten von der S-Bahn und direkt am Remstal-Radweg, macht den Sport für Kinder und Jugendliche aus der Region erreichbar – nach der Schule, mit dem Rad. Der Deutsche Wellenreitverband sieht genau darin eine Chance stehender Wellen: Wegen der geringeren Reisekosten könne der Sport „einer größeren Gruppe von Kindern und Jugendlichen offenstehen“.
Ein Sport mit Zukunft
Rapid Surfing hat Deutsche Meisterschaften mit Juniorenklassen, seit 2026 einen Nationalkader und eine Europameisterschaft; der Deutsche Olympische Sportbund spricht von einer „steilen Entwicklungskurve“. In der Region Stuttgart mit 2,8 Millionen Einwohnern gibt es dafür bisher keinen einzigen Trainingsort. → Rapid Surfing
Wo in Winterbach gebolzt wurde – und wo heute
Einfach mit Freunden losziehen und kicken, ohne Verein und ohne Termin: Dafür braucht es Bolzplätze in der Nähe der Wohngebiete. Die Luftbilder des Landes zeigen, dass es in Winterbach früher mehr solcher Orte gab.

1973: In den Mühlwasen, zwischen Ort und Rems, liegt ein Fußballplatz mit Laufbahn – genau dort, wo heute das Firmengelände von Peter Hahn steht.


Früher konnte man also in mehreren Vierteln einfach losziehen und kicken – in den Mühlwasen, später auch auf der freien Fläche in den Schießwiesen. Heute ist das vor allem am Sportgelände an der Salierhalle möglich. Aus den äußeren Wohngebieten sind es dorthin zu Fuß rund anderthalb bis zwei Kilometer: von der Sonnenstraße und vom Buchenweg etwa 21 Minuten, von der Herrenäckerstraße etwa 23 – und ebenso lang zurück. Die Wege sind nahezu eben, es liegt also nicht an Höhenmetern, sondern an der Entfernung. → Höhenprofil Herrenäckerstraße – Sportgelände ansehen · → Wie weit hast du es? Selbst nachmessen Für eine halbe Stunde Kicken nach der Schule ist das zu weit. Die Norm für Spielflächen (DIN 18034) nennt für Jugendliche höchstens einen Kilometer oder eine Viertelstunde Fußweg, für Kinder von 6 bis 11 Jahren sogar nur 400 Meter.
Zieh den blauen Punkt dorthin, wo du wohnst – oder tippe dort auf die Karte.
Auf Straßen und Wegen ist der Weg etwas länger, die Gehzeit ist deshalb geschätzt. Nichts wird gespeichert oder verschickt.
Kennen Sie weitere Orte in Winterbach, an denen früher gebolzt wurde – eine Wiese, einen Schulhof, einen Platz, der heute verschwunden ist? Schreiben Sie uns gern an info@remswelle.de. Wir nehmen Hinweise gern auf und zeigen weitere frühere Bolzplätze dann auch hier.
Unser Wunsch: wieder mehr frei zugängliche Bolzplätze nah an den Wohngebieten. Kinder, die zu Fuß zum Kicken gehen können, bewegen sich mehr – und sind weg vom Bildschirm. Das muss nicht teuer sein: Wie damals in den Schießwiesen können auch Flächen, auf denen erst später gebaut wird, zeitweise als Bolzplatz dienen. → Surfen, Jugend und Gesundheit
Wegstrecken: Fußweg-Routing auf OpenStreetMap-Daten (FOSSGIS), Gehzeit für Erwachsene; Kinder brauchen länger.
Surfen üben an Land
Wer eine Welle surfen will, übt gern vorher an Land. Auf einem Surfskate – einem Skateboard mit beweglicher Vorderachse – lernt man dieselbe Bewegung wie auf dem Wasser: in die Knie gehen, sich aufrichten, Schwung aus der Kurve holen. Surfer nennen das „pumpen“. Am besten geht das auf einem Pumptrack, einer Strecke aus Wellen und Steilkurven, auf der man ganz ohne Treten vorankommt – mit dem Surfskate, dem Skateboard, dem Laufrad, dem BMX oder dem Mountainbike.

Auf einem Pumptrack können alle mitfahren, vom Kindergartenkind bis zum Jugendlichen. Wir können uns einen Pumptrack auch in Winterbach gut vorstellen – als Ort, an dem man das ganze Jahr übt und sich trifft, und als Ergänzung zu einer künftigen Welle. Mehr zu Surfskate, Pumptrack und Surfen mit dem Wind: → Surfen ohne Welle
Was wir uns vorstellen
Das Folgende sind Ideen, keine Zusagen – was davon möglich ist, entscheidet der künftige Träger der Welle, wenn es sie gibt. Andere Wellen zeigen, was geht:
- feste Zeiten für Kinder und Jugendliche
- Zusammenarbeit mit Schulen und Jugendeinrichtungen im Remstal, etwa als Schul-AG
- Leihmaterial, damit niemand ein eigenes Board braucht
- ein günstiger Jugendbeitrag im Verein
- Kurse für Mädchen
- ein Angebot im Ferienprogramm
- Umweltbildung am Fluss, zusammen mit dem Clean-up
Wer solche Ideen mitentwickeln will – als Lehrkraft, Jugendarbeiterin, Trainer oder Elternteil –, ist herzlich eingeladen. → Mitmachen
Und wer Fragen hat, die sonst keiner stellt: Die gehören in unsere Rubrik → Anna – psst!
Was wir nicht behaupten
Dass eine Welle Jugendprobleme löst. Dass Surfen eine Therapie ist – die Studien zu Surfprogrammen sind ermutigend, aber klein, ohne Kontrollgruppe und stammen vom Meer, nicht von Flusswellen. Dass Surfen gegen Mediensucht hilft. Wir sagen nur: Eine Welle an der Rems wäre ein Ort, an den Kinder und Jugendliche gern gehen würden. Das ist schon viel.
Quellen: siehe Surfen, Jugend und Gesundheit · Deutscher Wellenreitverband, „Rapid Surfing“ · DOSB, „Eine Sportart auf Erfolgswelle“, 22.09.2026 · Deutsche Sportjugend und Naturschutzjugend, „Abenteuer JUUS – Natürlich sportlich“, 2009 · Bolzplätze: Luftbilder LGL-BW 1973, 1983, 2008 und digitales Orthophoto (dl-de/by-2-0); Fußwege: OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), Routing FOSSGIS (routing.openstreetmap.de), abgerufen 28.09.2026; DIN 18034:2020-10 nach Playground@Landscape, „Erreichbarkeit von Spielplätzen“