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Flusswellen · Fallstudien

Fallstudie Fuchslochwelle Nürnberg: elf Jahre bis zur Welle

Die Fuchslochwelle an der Pegnitz ist die aufwendigste Flusswelle Deutschlands – und die am besten dokumentierte. Wer wissen will, was ein Vollausbau mit eigenem Kanal, Fischpass und Landesförderung bedeutet, findet hier das Lehrbuchbeispiel. Steckbrief und Lage: Fuchslochwelle im Wellen-Verzeichnis.

Auf einen Blick

GewässerPegnitz, eigener Nebenarm (Kanal) im Stadtteil Fuchsloch
BauweiseWehr im Hauptlauf, Kanal ca. 61 m lang, drei hydraulisch verstellbare Stahlmodule
Breite8 m (drei Module) oder 5,7 m (zwei Module), Wellenhöhe 0,5 bis 1,5 m
Kostenrund 3 Mio. € (2022); 2016 noch mit 500.000 € geplant
FinanzierungFreistaat Bayern rund 1 Mio. €, Stadt Nürnberg rund 1 Mio. €, Rest Verein, Sponsoren (adidas), Spenden
TrägerNürnberger Dauerwelle e.V., gemeinnützig, rein ehrenamtlich
Eröffnung25. März 2022, Spatenstich Juli 2020

Zeitleiste

Die Idee entstand 2011 im Bürgerbeteiligungsverfahren zur Neugestaltung des Wöhrder Sees. Ein erster Standort unter der Theodor-Heuss-Brücke erwies sich als untauglich. 2012 gründete sich der Verein Nürnberger Dauerwelle, 2013 begann das Planungs- und Genehmigungsverfahren. Im Juli 2016 lagen die Baupläne für das Fuchsloch vor, damals mit einem Finanzrahmen von 500.000 Euro. Die wasserrechtliche Genehmigung kam im Frühjahr 2017. Dann vergingen drei weitere Jahre bis zum Spatenstich im Juli 2020 – Jahre, in denen der Verein Geld einwarb und die Planung reifte. Im Juni 2021 wurden die drei Rampen eingehoben, im Dezember 2021 lief der Probebetrieb, am 25. März 2022 eröffneten Ministerpräsident Söder und Oberbürgermeister König die Anlage. Drei Wochen später fand hier die erste Deutsche Meisterschaft im Rapid Surfing auf einer Flusswelle statt.

Von der Idee bis zur Eröffnung: elf Jahre. Von der Genehmigung bis zur Eröffnung: fünf Jahre.

Technik

Die Fuchslochwelle ist kein Umbau eines vorhandenen Wehrs, sondern ein Neubau: Ein Wehr staut die Pegnitz im Hauptlauf und lenkt Wasser in einen parallel gegrabenen Kanal. Dort fließt es über eine Rampe und trifft auf langsameres Wasser – der hydraulische Sprung, der die Welle bildet. Die Rampe besteht aus drei unabhängig heb- und senkbaren Stahlmodulen, gesteuert per Tablet, mit Not-Stopp in 15 Sekunden. Bei Hochwasser oder Starkregen wird der Betrieb eingestellt. Für die Durchgängigkeit sorgt ein Borsten-Fischpass am Fluss.

Geplant und gebaut hat die Anlage die Dreamwave GmbH gemeinsam mit dem Arbeitsbereich Wasserbau der Universität Innsbruck; dieselbe Technik steht seit 2023 in Hannover. Zur Wassermenge nennen die Quellen unterschiedliche Werte (4,5 bis 5 m³/s laut Stadtmagazin, 9 bis 10 m³/s laut taz) – ein Hinweis darauf, wie sehr solche Angaben vom Betriebszustand abhängen.

Im Winter 2024 lag die Welle fünf Monate trocken: Hochwasserschäden und Wartung. Der Verein baute mit Fachfirmen um, damit Hochwasser dem Betrieb künftig weniger anhaben kann.

Kosten und Finanzierung

Die Kosten sind der Teil der Geschichte, den jedes Projekt kennen sollte. 2016 rechnete man mit 500.000 Euro, 2017 mit 700.000 Euro, beim Spatenstich 2020 mit 2,4 Millionen, am Ende mit rund 3 Millionen Euro. Der Freistaat Bayern trug etwa eine Million Euro, die Stadt Nürnberg etwa eine Million, den Rest brachten der Verein über Beiträge und Spenden und Sponsoren wie adidas auf. Dazu kamen mehr als 2.000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit.

Die Versechsfachung erklärt sich nicht allein durch Baupreise. Aus einer einfachen Rampe wurde im Verfahren ein vollwertiges Wasserbauwerk mit Kanal, zwei Wehren, Fischpass, Ausstiegsbucht und Technikhaus. Wer eine Flusswelle plant, sollte die Kostenschätzung erst dann für belastbar halten, wenn die Genehmigungsplanung steht. → Kosten und Finanzierung

Genehmigung und Verfahren

Das Wasserwirtschaftsamt zeigte sich 2016 kooperativ, das Umweltamt hatte keine Einwände, der Naturschutzbeirat kleinere Bedenken, die ausgeräumt wurden. Das Stauziel wurde mit Wasserwirtschafts- und Umweltamt abgestimmt, der Fischpass war Bedingung für die Durchgängigkeit. Kanuten meldeten sich zu Wort, weil sie sich benachteiligt sahen. Die wasserrechtliche Genehmigung lag im Frühjahr 2017 vor – vier Jahre nach Beginn der Planung.

Betrieb

Der Verein betreibt die Welle nicht-kommerziell und rein ehrenamtlich; rund 60 Freiwillige tragen den Betrieb, bei jeder Session sind Rettungsschwimmer dabei. Gesurft wird in gebuchten Slots: Mitglieder-Slots, gemischte Slots und öffentliche Slots sonntags von April bis Oktober, dazu Frühaufsteher-Termine unter der Woche und Kinderkurse von Mai bis September. Ein öffentlicher Slot kostet 15 Euro für 90 Minuten, die Mitgliedschaft 20 Euro im Monat. Es gilt Helmpflicht, Mindestalter zwölf Jahre und 35 Kilogramm, sichere Schwimmer. Die Mitgliederzahl stieg von rund 80 im Jahr 2017 auf mehr als 400 zur Eröffnung und rund 500 im Jahr 2024; Kurse sind auf Monate ausgebucht.

Was Winterbach daraus lernen kann

Nürnberg zeigt das obere Ende der Skala: neuer Kanal, zwei Wehre, Fischpass. Einen Kanal braucht Winterbach nicht, und Bauwerk, Ufer und Zugang sind vorhanden – die Remswelle wäre ein Einbau in ein bestehendes Bauwerk, kein Neubau. Übertragbar sind drei Dinge: Erstens die Zeitrechnung – wer heute plant, surft nicht nächstes Jahr. Zweitens die Landesbeteiligung – Bayern hat die Hälfte bezahlt, mit dem Argument der Sportinfrastruktur; für Baden-Württemberg gibt es dieses Beispiel noch nicht. Drittens das Betreibermodell – ein gemeinnütziger Verein mit Slots, Rettungsschwimmern und klaren Regeln ist der Standard, den Behörden inzwischen erwarten.

Häufige Fragen

Was hat die Fuchslochwelle gekostet?

Rund drei Millionen Euro, bezahlt je etwa zur Hälfte von Freistaat Bayern und Stadt Nürnberg, ergänzt um Vereinsmittel, Sponsoren und Spenden. Die erste Schätzung 2016 lag bei 500.000 Euro; der Unterschied erklärt sich vor allem durch den Ausbau zum vollständigen Wasserbauwerk mit Kanal und Fischpass.

Wie lange hat es von der Idee bis zur Eröffnung gedauert?

Elf Jahre: Idee 2011, Verein 2012, Genehmigung 2017, Spatenstich 2020, Eröffnung im März 2022.

Kann jeder auf der Fuchslochwelle surfen?

Ja, über öffentliche Slots an Sonntagen zwischen April und Oktober sowie Kurse; Mitglieder haben mehr Termine. Voraussetzungen sind Helm, sicheres Schwimmen, mindestens zwölf Jahre und 35 Kilogramm.

Quellen: Nürnberger Dauerwelle e.V., „Verein“, „Fuchslochwelle“, „FAQ“, „Surfen“ (nuernberger-dauerwelle.de) · Stadt Nürnberg, „Nürnberg heute“ Nr. 109 · nordbayern.de, 12.07.2016 · Marktspiegel, 20.04.2017 · taz, 28.01.2022 · Nürnberger Nachrichten, 25.03.2022 · t-online, 16.04.2022 und 2024 · Universität Innsbruck, Newsroom 01.04.2022 · Surfers Mag, Spotcheck Fuchslochwelle (2025) · Deutscher Wellenreitverband, Rapid Surf DM 2022

Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2026 · Initiative Remswelle