Flusswellen · Fallstudien
Fallstudie blackforestwave Pforzheim: die einzige Flusswelle in Baden-Württemberg
Die blackforestwave im Pforzheimer Stadtgarten ist die Welle, an der sich die Remswelle messen lassen muss – sie ist die einzige stehende Flusswelle in Baden-Württemberg und das günstigste Beispiel für einen Einbau in vorhandene Infrastruktur. Steckbrief und Lage: blackforestwave im Wellen-Verzeichnis.
Auf einen Blick
| Gewässer | Metzelgraben, ein von der Nagold abgeleiteter Kanal im Stadtgarten, etwa 7 m breit |
|---|---|
| Bauweise | Stahlrahmen aus fünf Bauteilen mit Holzverkleidung, zehn Hydraulikzylinder, App-Steuerung, komplett absenkbar |
| Breite | 4,5 m, Wellenhöhe 50 bis 70 cm |
| Kosten | rund 80.000 € für die Anlage (Vereinsangabe); Wert der Eigenleistung geschätzt über eine Million Euro |
| Finanzierung | Hauptsponsor G.RAU-Gruppe (ADMEDES & G.RAU), Stadtwerke Pforzheim, weitere Firmen, Ehrenamt |
| Träger | blackforestwave e.V., gegründet 2017, über 230 Mitglieder (2026) |
| Betrieb | Einweihung September 2021, Mitgliederbetrieb ab November 2021, Umbau „2.0“ ab 2026 |
Zeitleiste
Die Vision entstand 2014 in einer Projektarbeit im Maschinenbau an der Hochschule Pforzheim. 2016 fiel die Standortwahl auf den Metzelgraben, 2017 gründete sich der Verein und ließ Strömungsversuche am Modell des Karlsruher Instituts für Technologie fahren. Im Herbst 2018 lagen die wasserrechtliche Erlaubnis des städtischen Umweltamts und die Nutzungsgenehmigung der Stadtwerke vor, im November 2018 war Spatenstich für das Fundament. Der ursprünglich für Frühjahr 2019 geplante Start verschob sich, weil der Verein auf ein absenkbares, ganzjährig nutzbares Konzept umstellte. Im Oktober 2020 bauten die Mitglieder die Konstruktion ein – „3.000 Schrauben, zehn Hydraulikzylinder“ –, 2021 folgten Tests, im September 2021 die Einweihung. Ab November 2021 surften Mitglieder regelmäßig, ab Frühjahr 2022 auch Gäste.
Sieben Jahre von der Vision bis zum Betrieb, drei Jahre von der Genehmigung bis zur Einweihung. Im Juli 2026 startete der Verein das Crowdfunding für „blackforestwave 2.0“: ein optimiertes Betonfundament (erster Bauabschnitt August 2026), eine neue vollständig ausfahrbare Rampe und eine höhere, kraftvollere Welle, die auch bei niedrigerem Pegel läuft.
Technik
Die Welle sitzt nicht im Fluss, sondern in einem Kanal – das ist der Schlüssel. Der Metzelgraben führt Nagoldwasser durch den Stadtgarten; die Nagold selbst blieb unberührt. Das Wasser wird aufgestaut, über eine schräge Rampe beschleunigt und trifft auf langsameres Wasser. Die Rampe ist ein Stahlrahmen aus fünf Bauteilen, verkleidet mit regionalen Holzdielen, verstellt über zehn Hydraulikzylinder und eine vom Verein selbst programmierte App; ein „Waveshaper“ erlaubt die Feinjustierung im Betrieb. Die Anlage lässt sich komplett absenken: Dann bleibt der Kanal für Fische durchgängig und der Abfluss ungehindert. Pumpen gibt es keine, die Welle läuft allein mit der Kraft des Flusses. Eine Unterwasserbeleuchtung macht Abendtermine möglich. Beteiligt waren neben dem KIT die Ingenieurgruppe Bauen, Klenk Metall, KWT Hydro und ab 2019 das Wasserbaubüro WALD+CORBE; Holz- und Rampenelemente fertigten die Mitglieder in einer Halle in Eigenarbeit.
Die Grenze der Anlage ist der Pegel: Im Sommer schränkt Niedrigwasser den Betrieb ein, bei Open-Surf-Tagen dürfen dann nur leichte Surfer aufs Wasser. Genau das soll der Umbau 2026 verbessern.
Kosten und Finanzierung
Pforzheim ist das Beispiel dafür, wie weit Ehrenamt reicht. Der Verein nennt rund 80.000 Euro für die Anlage (eine andere Quelle 85.000); Fachleute schätzten den Wert der Anlage einschließlich Eigenleistung auf über eine Million Euro. Mehr als tausend ehrenamtliche Arbeitsstunden stecken im Bau. Hauptsponsor ist seit 2018 die G.RAU-Unternehmensgruppe („powered by ADMEDES & G.RAU“), dazu die Stadtwerke Pforzheim, Gerstner Trauringe, das Kupferdächle, die Stadt Pforzheim als Partner und weitere Firmen zur Einweihung. Ein bezifferter städtischer Zuschuss ist nicht veröffentlicht. Der Umbau 2026 wird über Crowdfunding und Sponsoringpakete finanziert; Zielsumme und Gesamtkosten sind nicht öffentlich. → Kosten und Finanzierung
Genehmigung und Verfahren
Zuständig war das Amt für Umweltschutz der Stadt Pforzheim (wasserrechtliche Erlaubnis für Errichtung, Betrieb und Anpassung des Wasserspiegels), dazu die Nutzungsgenehmigung der Stadtwerke als Kanalbetreiber. Die Absenkbarkeit und die Fischdurchlässigkeit waren ökologische Auflagen; der Verein hält Laichzeiten frei und führt Gewässerreinigungen durch. Dass die Welle in einem technischen Kanal und nicht im Fluss liegt, hat das Verfahren erkennbar vereinfacht. → Ökologie und Genehmigung
Betrieb
Der gemeinnützige Verein arbeitet mit unbezahltem Vorstand. Gesurft wird nur mit Wellenwart und zwei Rettungsschwimmern, meist an Wochenenden und an zwei Abenden unter der Woche; Slots werden intern vergeben. Es gelten Helm- und Westenpflicht, Leashes sind verboten. Der Jahresbeitrag beträgt 100 Euro (ermäßigt 50, Familie 150) und schließt Versicherung im Surfbetrieb und Materialverleih ein. Für Nichtmitglieder gibt es Open-Surf-Tage mit Online-Buchung, Haftungsausschluss und Sicherheitsvideo, gemeinsam mit dem Kulturzentrum Kupferdächle als „Open Surf & Arts“. Eingeladen sind ausdrücklich auch Kinder – alle, die schwimmen können; Mitgliedern stellt der Verein Board, Neopren, Helm und Weste. → Surfen, Jugend und Gesundheit Die Mitgliederzahl wuchs von rund 30 Aktiven 2019 auf rund 200 im Jahr 2022 und über 230 im Jahr 2026.
Was Winterbach daraus lernen kann
Pforzheim ist die wichtigste Referenz für die Remswelle, aus drei Gründen. Erstens liegt es im selben Bundesland: Das Verfahren beim städtischen Umweltamt, die Auflagen zu Absenkbarkeit und Durchgängigkeit, die Rolle der Stadtwerke – all das ist der Rahmen, in dem sich auch Winterbach bewegt. Zweitens zeigt Pforzheim das untere Ende der Kostenskala: Wo die Infrastruktur steht und der Verein selbst anpackt, reicht ein Bruchteil dessen, was Nürnberg oder Hannover gekostet haben. Drittens zeigt der Umbau 2026 die Kehrseite: Eine Welle, die an ihrem Pegel hängt, wird irgendwann nachgebessert. Für Winterbach heißt das, die Abflusszahlen der Rems früh zu kennen und die Anlage von Anfang an auf den Bereich auszulegen, der an den meisten Tagen im Jahr fließt. → Standort Winterbach
Häufige Fragen
Was hat die blackforestwave gekostet?
Nach Vereinsangaben rund 80.000 Euro für die Anlage, getragen von Sponsoren wie der G.RAU-Gruppe und den Stadtwerken Pforzheim; hinzu kommen mehr als tausend Stunden Eigenleistung, deren Wert Fachleute auf über eine Million Euro schätzen.
Warum liegt die Welle in einem Kanal und nicht in der Nagold?
Der Metzelgraben ist ein technischer Kanal mit regelbarem Wasserstand mitten in der Stadt. Die Welle lässt sich dort komplett absenken, der Fluss bleibt unberührt – das hat Genehmigung und Betrieb vereinfacht.
Kann man in Pforzheim ohne Mitgliedschaft surfen?
Ja, an Open-Surf-Tagen mit Online-Buchung; im regulären Betrieb surfen Mitglieder mit Wellenwart und Rettungsschwimmern.
Quellen: blackforestwave e.V., „Welle“, „Einweihung“, „FAQ“, „Verein“, „Open Surf & Arts“ (blackforestwave.de) · Pforzheimer Zeitung, 13.01.2019, 19.03.2019 und 02.07.2026 · Stuttgarter Nachrichten, November 2018 · Stuttgarter Zeitung, 11.02.2022 (zitiert bei kanu-bw.de) · #heimat Schwarzwald 4/2023 · Surfers Mag, 19.03.2019 und September 2021 · die neue welle, 03.07.2026
Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2026 · Initiative Remswelle