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Fallstudie Surfwelle Augsburg: Carbonbeton, Handkurbel und 80 Prozent Förderung

Die Surfwelle am Senkelbach ist das jüngste Beispiel in Bayern und das, das dem Prinzip „vorhandene Schwelle umbauen“ am nächsten kommt. Sie zeigt, wie eine Hochschule zum Partner wird, wie Freistaat und Stadt ein kleines Projekt zu vier Fünfteln finanzieren – und wie lang der Weg vom Bau bis zum Regelbetrieb sein kann. Steckbrief und Lage: Surfwelle Augsburg im Wellen-Verzeichnis.

Auf einen Blick

GewässerSenkelbach, ein Wertach-Kanal gegenüber dem Plärrergelände (Langenmantelstraße)
Bauweisevorhandene Sohlschwelle eingeengt und umgestaltet; Fertigteile aus Recyclingbeton mit Carbonbewehrung; verstellbarer Spoiler mit Handkurbel
Breite8 m
Kostenca. 300.000 € (Planung 2020), rund 350.000 € (2025)
FinanzierungFreistaat Bayern 180.000 €, Stadt Augsburg bis 90.000 € (30 %), Crowdfunding (Ziel 80.000 €), Sponsoren
TrägerSurffreunde Augsburg e.V. („Eine Welle für Augsburg“)
BetriebEinbau April 2023, Testbetrieb ab März 2024, Mitgliederbetrieb mit Slots; ein offizielles Eröffnungsdatum ist nicht veröffentlicht

Zeitleiste

Der Verein arbeitete nach eigenen Angaben viele Jahre an der Idee, bevor er das Projekt im November 2020 öffentlich vorstellte – mit der Nachricht, der Bau sei bereits genehmigt und koste rund 300.000 Euro. Im Februar 2021 kündigte der Freistaat 200.000 Euro an, im April 2022 bewilligte die Stadt einen Zuschuss von 30 Prozent bis 90.000 Euro, im Dezember 2022 übergab Innenminister Herrmann den Förderbescheid über 180.000 Euro. Im Dezember 2022 wurden die Fertigteile betoniert, am 24. April 2023 begann der Bau. Der Einbau musste in die zwei Wochen des Bachablasses passen: 14. bis 29. April 2023, dann wurde geflutet. Es folgte ein Crowdfunding für den zweiten Bauabschnitt, im März 2024 der Testbetrieb mit rund 50 Freiwilligen, im Januar 2025 der Bayerische Ingenieurpreis für die Technische Hochschule Augsburg. Für September 2025 kündigte der Verein den schrittweisen Start für Mitglieder an; Anfang 2026 beschreiben Dritte einen laufenden Slot-Betrieb mit Wellenwärtern. Ein offizielles Eröffnungsdatum hat der Verein bislang nicht veröffentlicht.

Von der öffentlichen Vorstellung bis zum Testbetrieb: dreieinhalb Jahre. Vom Einbau bis zum Mitgliederbetrieb: rund zwei Jahre – die Feinjustierung einer Welle braucht Zeit.

Technik

Augsburg hat keine neue Anlage in den Bach gesetzt, sondern eine vorhandene Sohlschwelle eingeengt und umgeformt – reine Wasserkraft, keine Fremdenergie. Die Bauteile sind Fertigteile aus Recyclingbeton mit hundert Prozent recycelter Gesteinskörnung und Carbonbewehrung, die nicht rostet und um ein Vielfaches tragfähiger ist als Stahl. Entwickelt hat das die Technische Hochschule Augsburg unter Professor Sergej Rempel mit Studierenden des Bauingenieurwesens, gefördert über die Bund-Länder-Initiative „Innovative Hochschule“. Am Bachgrund sitzt ein einstellbarer Spoiler, den die Wellenwärter per Handkurbel verstellen – „Kurbelknechte“ nennen sie sich. Außerhalb der Betriebszeiten und im Gefahrenfall wird die Welle abgeflacht. Pegelsonden ober- und unterhalb, Prallschutz, Notausstiege und Rettungsschwimmer gehören zur Sicherheitsausstattung; nach dem Unfall am Münchner Eisbach 2025 wurden die Vorkehrungen noch einmal verschärft. Eine offizielle Angabe zur Wassermenge gibt es nicht; der Fabrikkanal, dessen Fortsetzung der Senkelbach ist, führt laut Wikipedia rund 28 m³/s. Vor dem Bau gab es an der Stelle eine gefährliche Deckwalze; ihre Beseitigung nennt der Verein als Sicherheitsgewinn.

Kosten und Finanzierung

Aus 300.000 Euro wurden rund 350.000 – eine moderate Steigerung im Vergleich zu Nürnberg oder Hannover. Freistaat Bayern (180.000 Euro) und Stadt Augsburg (30 Prozent, bis 90.000 Euro) trugen zusammen rund 80 Prozent. Der Rest kam über Crowdfunding (Ziel 80.000 Euro, Stand März 2024: 55.000 Euro), Sponsoren wie PSD Bank München und Stadtwerke Augsburg sowie Sachspenden regionaler Firmen. Die Hochschulbeteiligung lief über Forschungsförderung. → Kosten und Finanzierung

Genehmigung und Verfahren

Die Genehmigung durch die Stadt Augsburg lag schon 2020 vor; über Behörde, Auflagen und Fischökologie ist öffentlich wenig dokumentiert. Dass der Standort ein technischer Kanal ist – Teil des Augsburger Wassermanagement-Systems, das seit 2019 UNESCO-Welterbe ist –, dürfte das Verfahren erleichtert haben. Der Bachablass im Frühjahr gab das Zeitfenster für den Einbau vor.

Betrieb

Surfen dürfen nur Vereinsmitglieder, weil die Versicherung daran hängt; Tagesmitgliedschaften sind mittelfristig geplant. Mitglieder haben vier freie Slots im Monat, weitere kosten 5 Euro, ein Gastslot soll 15 Euro kosten. Slots dauern eine Stunde zwischen 8 und 20 Uhr, digital gebucht, betreut von zwei ehrenamtlichen Wellenwärtern; es gilt ein „Senkelbach-Kodex“ und Alkoholverbot. Rund 50 Freiwillige haben sich mit Wasserwacht und DLRG zu Rettungsschwimmern ausbilden lassen, auf eigene Kosten. Der Verein zählte 2021 rund 200 Mitglieder. Dritte beschreiben die Welle als kraftvoll und nicht für Anfänger geeignet – der Verein selbst wirbt damit, dass Anfänger in zehn Minuten stehen; beide Aussagen sind nicht unabhängig geprüft.

Was Winterbach daraus lernen kann

Augsburg ist der Beleg, dass der Umbau einer vorhandenen Schwelle für einen niedrigen sechsstelligen Betrag machbar ist – und dass Land und Kommune ein solches Projekt zu 80 Prozent tragen können, wenn es als Sportstätte anerkannt wird. Die Handkurbel statt Hydraulik zeigt: Verstellbarkeit muss nicht teuer sein. Die Hochschulpartnerschaft brachte Statik, Materialforschung und Anerkennung. Zwei Warnungen gibt es mit dazu: Das Einbaufenster hängt vom Gewässer ab, in Augsburg vom Bachablass, in Winterbach vom Niedrigwasser – und vom Einbau bis zum verlässlichen Betrieb vergehen leicht zwei Jahre, in denen die Welle eingestellt und der Betrieb aufgebaut wird.

Häufige Fragen

Was hat die Surfwelle Augsburg gekostet?

Rund 350.000 Euro (geplant waren 300.000). Freistaat Bayern zahlte 180.000 Euro, die Stadt Augsburg bis zu 90.000 Euro; den Rest deckten Crowdfunding und Sponsoren.

Was ist das Besondere an der Bauweise?

Die vorhandene Sohlschwelle wurde umgestaltet, die Bauteile bestehen aus Recyclingbeton mit Carbonbewehrung – entwickelt mit der Technischen Hochschule Augsburg, die dafür den Bayerischen Ingenieurpreis 2025 erhielt. Der Spoiler wird per Handkurbel verstellt.

Kann man in Augsburg ohne Mitgliedschaft surfen?

Derzeit nicht; der Betrieb ist aus Versicherungsgründen auf Mitglieder beschränkt. Tagesmitgliedschaften und Gastslots sind angekündigt.

Quellen: Surffreunde Augsburg e.V., „News“, „Das Projekt“, „Mitglieder-FAQ“, „Pegel“ (surfwelleaugsburg.de) · Technische Hochschule Augsburg, Projektseite „Die Surfwelle in Augsburg“ und Pressemitteilung Baubeginn 24.04.2023 · sport-in-augsburg.de, 25.11.2020 · trendyone.de, 05.04.2021 und 03.09.2024 · hallo-augsburg.de, 11.04.2022, 15.12.2022, 13.04.2023 · ingenieur.de, 06.03.2023 · Bayerische Staatszeitung, 17.01.2025 · radio-augsburg.de, 12.06.2025 · Wikipedia, „Senkelbach“

Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2026 · Initiative Remswelle